Nahost-Konflikt
Israel beschießt Flüchtlingslager im Libanon

Die israelische Armee hat in der Nacht und am Mittwochmorgen ihre Angriffe auf Ziele im Libanon fortgesetzt. Die Marine beschoss ein palästinensisches Flüchtlingslager bei Sidon, die Luftwaffe feuerten Raketen und Bomben auf Ziele im Osten und Norden des Landes ab.

HB BEIRUT. Nach Angaben der libanesischen Polizei trafen eine Rakete, die ein israelisches Schnellboot vor der Mittelmeerküste abgeschossen habe, ein Haus in dem Flüchtlingslager Ein el Hilweh am Stadtrand von Sidon. Mindestens ein Mensch sei umgekommen, bis zu 15 weitere seien verletzt worden. Nach Berichten von Augenzeugen galt der Angriff einem Mitglied der radikalen Palästinenserbewegung Fatah, da die Rakete in der Nähe seines Hauses eingeschlagen sei. Die israelische Armee erklärte dagegen, Ziel des Angriffs sei das Haus eines Hisbollah-Mitgliedes in dem Lager gewesen.

Israelische Kampfflugzeuge griffen am Morgen in der Stadt Maschghara im libanesischen Bekaa-Tal ein zweistöckiges Gebäude an. Die darin wohnende Familie wurde verschüttet, wie Augenzeugen berichteten. Der Familienvater überlebte schwer verletzt, doch nach seiner Frau und seinen vier Kindern wurde am Morgen noch fieberhaft gesucht. Kampfflugzeuge bombardierten auch Straßen und Überführungen in der nordlibanesischen Provinz Akkar nahe der syrischen Grenze. Über Opfer wurde zunächst nicht bekannt.

Die israelischen Militärbehörden meldeten unterdessen den Tod von zwei weiteren Soldaten, die den Kämpfen im südlichen Libanon am Dienstag zum Opfer fielen. Insgesamt sind damit seit Beginn des Libanon-Konflikts am 12. Juli 103 Israelis getötet worden - 67 Soldaten und 36 Zivilpersonen. Auf libanesischer Seite gab das Gesundheitsministerium die Zahl der Toten am Dienstagabend mit 689 an - 605 Zivilpersonen, 55 Hisbollah-Milizionäre und 29 Soldaten. Hilfsorganisation sprachen allerdings von fast 1 000 Todesopfern.

Der Führer der libanesischen Minderheit der Drusen, Walid Dschumblatt, meldete unterdessen Zweifel daran an, dass die von Israel bekämpfte Hisbollah-Miliz die Stationierung von 15 000 libanesischen Soldaten im Süden des Landes gutheißen wird. „Sich einverstanden erklären ist eine Sache, die Fakten dann akzeptieren eine andere“, sagte Dschumblatt der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Die libanesische Regierung, der auch Hisbollah-Minister angehören, hatte die Stationierung eigener Soldaten im Südlibanon vorgeschlagen, um einen Abzug der israelischen Armee von dort zu beschleunigen. Israels Ministerpräsident Ehud Olmert zeigte sich offen für den Vorschlag.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%