Nahost-Konflikt: Israel lockert Blockade

Nahost-Konflikt
Israel lockert Blockade

Erstmals seit der Abriegelung des Gazastreifens hat Israel am Dienstag wieder eine Treibstofflieferung in das Palästinensergebiet zugelassen. Die Regierung von Ministerpräsdident Ehud Olmert reagiert damit auf wachsenden internationalen Protest. Das UN-Hilfswerk befürchtet eine humanitären Katastrophe in Gaza.

HB GAZA. Israelische Medien berichteten, Lastwagen mit Treibstoff hätten die Grenze passiert. Am Vortag waren etwa 800 000 Menschen in der Stadt Gaza und im Umkreis ohne Strom, nachdem das einzige Kraftwerk des dicht besiedelten Gebietes am Sonntagabend abgeschaltet worden war.

Angesichts des wachsenden internationalen Drucks hatte Israel am Montag die einmalige Lieferung von Dieselkraftstoff für das Kraftwerk angekündigt, das rund ein Drittel des gesamten Energiebedarfs im Gazastreifen abdeckt. Israel werde auch eine Einmallieferung von Medikamenten gestatten, sagte der Sprecher von Verteidigungsminister Schlomo Dror.

Israel hatte am vergangenem Freitag als Antwort auf den ständigen Raketenbeschuss durch palästinensische Extremisten den Gazastreifen abgeriegelt. Nach den Worten des israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert soll die Blockade aber erst aufgehoben werden, wenn militante Palästinenser den Beschuss Israels einstellen. Am Dienstagmorgen schlugen nach Rundfunkberichten erneut vier aus dem Gazastreifen abgefeuerte Kassam-Raketen im israelischen Grenzgebiet ein.

Zuvor hatten die Vereinten Nationen gewarnt, ihre Nahrungsmittelhilfe im Gazastreifen einstellen zu müssen, sollte Israel das Palästinensergebiet weiter abriegeln. Eine UN-Sprecherin teilte am Montag mit, das UN-Hilfswerk in den Palästinensergebieten (UNRWA) habe zwar noch ausreichend Lebensmittel, es fehle aber an Treibstoff und Plastiksäcken zur Auslieferung. Die Hilfen müssten deshalb von Mittwoch an gestoppt werden. Von den Lebensmitteln sind 860 000 Palästinenser abhängig.

Angesichts der angespannten Lage im Gazastreifen setzte sich UN-Generalsekretär Ban Ki Moon direkt mit dem israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert in Verbindung. Ban habe Olmert am Montagnachmittag (Ortszeit) angerufen, um seine Sorgen über die Entwicklung im Gazastreifen und in Südisrael mit ihm zu teilen, erklärte ein UN-Sprecher. Bereits am Freitag hatte Ban indirekt eine Aufhebung der Blockade gefordert.

Der UN-Sicherheitsrat beriet unterdessen ohne Ergebnis über die Lage im Gazastreifen. Das höchste UN-Gremium kam am Montag auf Wunsch der Liga der Arabischen Staaten kurzfristig zu einer Sondersitzung zusammen, ging nach einer knapp zweistündigen Diskussion hinter verschlossenen Türen jedoch kommentarlos auseinander.

Für den Dienstag war eine weitere Nahostdebatte anberaumt. In dem Dauerkonflikt findet der Rat wegen der verhärteten Fronten zwischen den Beteiligten und ihren Verbündeten selten eine gemeinsame Linie.

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