Nahost-Konflikt
Israel reagiert höflich und brüsk auf Beiruter Vorschlag

„Interessant“ nennt Israels Ministerpräsident Ehud Olmert den Vorschlag des Libanon, 15 000 Soldaten der regulären libanesischen Armee in den umkämpften Süden des Landes zu entsenden. Olmerts eigener Kabinettsminister hält die Truppe jedoch für ein Heer von „Pappkameraden“.

HB JERUSALEM/BEIRUT. Olmert kommentierte einen entsprechenden Beschluss des libanesischen Kabinetts am Dienstag so: „Diese Entscheidung ist ein interessanter Schritt, den wir untersuchen müssen. Das Entscheidende ist eine Aufstellung der libanesischen Armee und eine Entfernung der Hisbollah von dort“. Je schneller Israel sich wieder aus dem Südlibanon zurückziehen könne, umso besser, betonte der Ministerpräsident. Jede libanesische Truppenstationierung im Süden müsse von starken internationalen Kampfeinheiten begleitet werden.

Olmerts Kabinettsminister Tsahi Hanegbi bedachte den Vorschlag indes mit weniger diplomatischen Worten. „Wir kennen die libanesische Armee“, sagte er am Dienstag im Armeerundfunk. „Das ist eine virtuelle Armee, die nie in einem echten Konflikt getestet wurde.“ Der Vorschlag der libanesischen Regierung sei nur ein Trick, um den wachsenden Druck auf die Hisbollah-Miliz zu stoppen. Hanegbi sprach sich dafür aus, die Offensive gegen die Hisbollah entschlossen fortzusetzen.

Das israelische Sicherheitskabinett will nach den Worten Olmerts am Mittwoch über eine Ausweitung der Bodenoffensive im Südlibanon beraten. Ziel sei es, die Raketenangriffe der Hisbollah zu unterbinden. Verteidigungsminister Amir Perez hat die Armee angewiesen, sich auf einen möglichen Vorstoß bis zum Fluss Litani etwa 20 Kilometer nördlich der Grenze vorzubereiten.

Israels Außenministerin Zipi Livni legte unterdessen dem libanesischen Ministerpräsidenten Fuad Saniora nahe, künftig auf emotionale Ausbrüche wie am Montag zu verzichten. „Gestern sah ich die Tränen von Saniora“, sagte Livni vor der Knesset in Jerusalem. „Wir alle weinen um unsere Toten, sei es öffentlich oder privat. Dies ist der Ort, um ihm zu sagen, dass er seine Tränen abwischen und anfangen soll, für eine bessere Zukunft zu arbeiten.“

Israel liefert sich seit knapp vier Wochen heftige Kämpfe mit der libanesischen Hisbollah-Miliz. Auslöser war die Entführung zweier israelischer Soldaten im Grenzgebiet durch die Hisbollah. Durch die Gewalt sind bereits mehr als 1 000 Menschen getötet worden, die meisten von ihnen libanesische Zivilisten. Auch in Israel sterben jedoch jeden Tag Unbeteiligte durch die Raketen der Hisbollah.

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