Nahost-Konflikt
Israel sieht seinen Krieg „genehmigt“

Der israelische Justizminister Haim Ramon hat eine eigenwillige Sichtweise des Kabinetts in Jerusalem offenbart: Dass die Nahost-Konferenz in Rom in der Frage eines Waffenstillstands zerstritten gewesen sei, werte israelische Regierung als grünes Licht für die Fortsetzung der Offensive. Die Israelis setzen nun auf verstärkte Luftangriffe.

HB JERUSALEM/BEIRUT. Die Nahost-Konferenz habe hierfür die „Genehmigung“ erteilt, auch wenn einige Delegierte nur “zähneknirschend“ zugestimmt hätten, sagte Ramon im Armeerundfunk. Die Teilnehmer der Nahost-Konferenz in Rom konnten sich am Mittwoch nicht auf ein Programm für eine sofortige Waffenruhe verständigen. Während die meisten europäischen Regierungen einen Stopp der israelischen Angriffe im Libanon forderten, wollten die USA den Streitkräften mehr Zeit geben, um die Hisbollah-Miliz zu zerschlagen.

Zugleich erklärte Ramon, die Luftwaffe müsse die Ortschaften im Südlibanon stärker bombardieren, bevor Bodentruppen einrücken könnten. Der Minister bezog sich damit offensichtlich auf die bislang höchsten Verluste an einem Tag: Bei Nahkämpfen mit Milizionären wurden am Mittwoch neun israelische Soldaten getötet und 25 verwundet. Die Zerstörung ganzer Dörfer rechtfertigte der Justizminister damit, dass es sich hier lediglich um Stützpunkte der Hisbollah handele. Die Zivilbevölkerung habe genug Zeit gehabt, den Süden Libanons zu verlassen. „Jeder im Süden Libanons ist ein Terrorist und mit der Hisbollah verbunden“, sagte Ramon. „Unser großer Vorteil gegenüber Hisbollah ist unsere Feuerkraft, nicht der Kampf von Mann gegen Mann.“

Hisbollah-Dörfer sollen angeblich „ausgelöscht“ werden

Ramons Aussagen untermauern einen Bericht der auflagenstärksten israelischen Zeitung „Jediot Achronot“ vom Donnerstag. Das Blatt schreibt unter Berufung auf einen ranghohen Militär, die Armee wolle solche Hisbollah-Dörfer „auslöschen“. Ein Armeesprecher wollte sich zu dem Bericht inhaltlich nicht äußern, sagte jedoch, er spiegele nicht die Politik der Armee wieder. Man wolle keine operativen Details über das geplante Vorgehen im Südlibanon preisgeben, betonte

Zugleich setzte Israel die Bombardements mutmaßlicher Hisbollah-Einrichtungen im Südlibanon und in der östlichen Bekaa-Ebene fort. Ein libanesischer Polizist und zwei Zivilisten starben bei einem Angriff in der Nähe von Kark in der Bekaa-Ebene, wie die Polizei in Beirut mitteilte. Aus der zuvor heftig umkämpften südlibanesischen Stadt Bint Dschbeil meldete das israelische Militär am Donnerstag sporadische Gefechte. Auch am Donnerstag schlugen wieder Dutzende Hisbollah-Raketen in Nordisrael ein. Dabei wurde mindestens ein Mensch verletzt, eines der Geschosse verursachte bei Safed einen Waldbrand. Seit Beginn des Krieges vor zwei Wochen kamen auf beiden Seiten deutlich mehr als 400 Menschen ums Leben, die meisten davon Zivilisten.

Al Kaida droht Israel

Das Terrornetzwerk Al Kaida rief am Donnerstag in einer Videobotschaft dazu auf, den Kampf gegen Israel wegen seiner Angriffe im Libanon und im Gazastreifen aufzunehmen. Kaida-Vizechef Aiman al-Sawahiri sagte: „Diese gefährlichen Entwicklungen kommen einem zionistischen Kreuzfahrer-Krieg gleich“. Seine Organisation werde „nicht tatenlos zusehen, wie Muslime im Gazastreifen und im Libanon getötet werden“, fügt er hinzu. Al-Sawahiri ließ sich vor einer Wand mit Postern filmen, die bei Selbstmordanschlägen umgekommene Islamisten zeigte. Die Videobotschaft wurde vom arabischen Fernsehsender Al Dschasira ausgestrahlt.

Im Fall des von militanten Palästinensern im Gaza-Streifen entführten israelischen Soldaten Gilad Schalit gibt es nach Angaben des Staatsministers im Auswärtigen Amt, Gernot Erler, „gewisse Fortschritte“. Ohne Details zu nennen, sagte er am Donnerstag, wenn etwas Bewegung in die Frage eines Waffenstillstands bringen könnte, dann wäre es die Freilassung der Geiseln. „Leider hören wir gar nichts über das Schicksal der beiden Soldaten, die die Hisbollah festgenommen hat,“ fügte er hinzu. Der SPD-Politiker antwortete ausweichend auf Fragen nach der Rolle Deutschlands in den Bemühungen um eine Freilassung der Geiseln. Deutschland habe sich in Damaskus und Beirut sowie bei den Vereinten Nationen bemüht, „aber nicht in vermittelnder, sondern in sondierender Weise“.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%