Nahost-Konflikt kommt vor den Sicherheitsrat
Palästinenserpräsident spricht von „Völkermord“

Israel und die Palästinenser haben ihre Militärschläge verschärft. Im Minutentakt warfen israelische Flugzeuge Bomben. Die Hamas feuert Raketen auf ein israelisches Atomkraftwerk. Nun tagt der Uno-Sicherheitsrat.

New York/Gaza/Jerusalem/Tel AvivNach der neuen Gewalteskalation im Nahen Osten hat der UN-Sicherheitsrat eine Sondersitzung einberufen. Das Gremium werde sich am Donnerstag um 16 Uhr MESZ zusammenfinden, teilte die Uno-Vertretung Ruandas, die derzeit den monatlich rotierenden Vorsitz im Rat innehat, am Mittwoch (Ortszeit) per Kurznachrichtendienst Twitter mit.

Zunächst werde Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon das mächtigste UN-Gremium über die aktuelle Situation im Nahen Osten informieren. Danach werde der Rat hinter verschlossenen Türen beraten. Mehrere arabische und islamische Staaten hatten eine solche Dringlichkeitssitzung zuvor beantragt.

Der palästinensische Gesandte Rijad Mansur sagte: „Wir wollen, dass der Sicherheitsrat seine Verantwortung trägt und die Aggression gegen unser Volk stoppt.“ Das höchste UN-Gremium solle eine Resolution zum Schutz der Palästinenser verabschieden und die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen.

Seit Beginn der israelischen Offensive gegen Ziele im Gazastreifen am frühen Dienstag sind nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza 75 Menschen getötet worden. Mehr als 400 seien verletzt worden, sagte der Ministeriumssprecher. Etwa zwei Drittel davon seien Zivilisten. Palästinensische Extremisten schossen auch in der Nacht zum Donnerstag weiter Raketen auf Israel ab. Israel setzte ebenfalls die Offensive fort.

Die extremistischen Al-Kassam-Brigaden erklärten, sie hätten in den vergangenen 48 Stunden 279 Raketen auf Israel abgefeuert. Andere militante Gruppen hätten mehr als 100 Raketen gestartet. Israelische Kampfflugzeuge hätten in den zwei Tagen der Offensive mehr als 75 Häuser in dem Gebiet an Mittelmeer bombadiert.

Das israelische Militär erklärte nach einem Bericht der Zeitung „Times of Israel“, es seien bisher in anderthalb Tagen mehr Ziele getroffen worden, als während der achttägigen Offensive gegen den Gazastreifen im November 2012. Bis Mittwochnachmittag seien 400 Tonnen Sprengstoff gegen den Gazastreifen eingesetzt worden.

Eskalation setzt Palästinenserpräsident unter Druck

Die Eskalation setzt auch Palästinenserpräsident Mahmud Abbas unter Druck, auf dessen Betreiben sich seine Fatah-Organisation kürzlich mit der Hamas versöhnt hatte. Er sprach am Mittwoch in Ramallah von einem „Krieg“ Israels gegen die Bevölkerung im Gazastreifen und einem „Völkermord“.

Abbas brachte Ägypten als Vermittler für einen Waffenstillstand ins Gespräch und erklärte, entsprechende Bemühungen liefen. Allerdings hatte es auch vor dem jüngsten Gewaltausbruch Kontakte Israels zu Ägypten gegeben, um die Hamas von einem weiteren Raketenbeschuss abzubringen. Diese waren nicht erfolgreich.

Die neue Führung in Kairo unter Präsident Abdel Fattah al-Sissi sieht die Hamas auch als Bedrohung für das eigene Land und hat zahlreiche Schmugglertunnel aus dem Gazastreifen zerstört. Die Hamas ist ein Ableger der in Ägypten verbotenen Muslimbruderschaft des von der Armee unter Al-Sissis Führung gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi.

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