Nahost-Konflikt
Niebel gibt den Palästinenserversteher

Der Besuch von Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel bei Beduinen im Westjordanland dürfte die Israelis nicht sonderlich erfreuen. Auf seiner Nah-Ost-Reise zeigt er sich sensibel für die Nöte der Palästinenser.
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Fassajel/Westjordanland„Es kann einfach nicht sein, dass die Israelis nie Rücksicht auf uns nehmen“, klagt der palästinensische Beduine Abu Nahar. An diesem regnerischen Wintertag hört ihm nicht irgendwer zu, sondern der deutsche Entwicklungsminister Dirk Niebel.

Den Schneidersitz, in dem der Clan-Chef und ein weiteres Familienoberhaupt, Abu Omar, bequem auf dem Teppich sitzen, hat sich der Minister nicht angetan. Aber er hockt mit lehmverschmierten Stiefeln auf dem Boden und hört zu, nippt an süßem Tee und atmet den beißenden Qualm des lodernden Holzfeuers im Zelt ein. Was er hier und in dem nahe gelegenen Dorf Fassajel über die israelische Verwaltung des besetzten Westjordanlandes zu hören bekommt, hat es in sich.

„Die israelische Politik ist zynisch, weil sie ein System geschaffen hat, das die Palästinenser in die Illegalität drängt“, fasst der Beauftragte für humanitäre Fragen im Westjordanland der UN-Organisation für die Koordinierung humanitärer Hilfe (Ocha), Matthew Ryder, zusammen. „Hier findet eine schleichende Verdrängung der Palästinenser und eine schleichende Besiedelung durch Israelis statt“, beschreibt der UN-Mann die Lage in den so genannten C-Gebieten. Sie machen 59 Prozent des Westjordanlandes aus und Israel kontrolliert dort nach den Oslo-Verträgen sowohl die Sicherheit als auch die öffentliche Verwaltung.

So erhielten Palästinenser einfach kaum jemals eine Baugenehmigung, sagt Ryder. Im vergangenen Jahr hätten die Israelis deshalb im C-Gebiet 580 Häuser, Hütten und Ställe mit der Begründung der fehlenden Genehmigung abgerissen; 1200 Menschen verloren ihr Zuhause. Auch in der Landwirtschaft und anderen Wirtschaftszweigen sowie im Bildungsbereich würden die Palästinenser von den Israelis massiv benachteiligt und behindert.

„Hat denn jedenfalls dieses Haus hier eine Baugenehmigung“, fragt Niebel wohl mehr zum Scherz. Immerhin steht auf einer schmucken Marmorplatte draußen am Eingang des frisch gemalten Baus, dass der „Jugendclub Fassajel“ von der Bundesrepublik Deutschland bezahlt wurde. „Nein, auch für dieses Gebäude existiert keine Baugenehmigung“, antwortet Marc Engelhardt von der Kreditanstalt für Wiederaufbau.

Kommentare zu " Nahost-Konflikt: Niebel gibt den Palästinenserversteher"

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  • Danke, Energieelite, für Ihre Beiträge an dieser Stelle. Man sollte aber nicht "die Moslems" sagen (unter denen es auch gemäßigte gibt, die diesem religiösem Eifer nichts abgewinnen können, insbesondere hier in Deutschland), sondern "strenggläubige Analphabeten, die sich blind der Meinung anderer unterwerfen, von welchen sie manipuliert werden", wozu unverbesserliche Großgermanen Beifall klatschen, weil sie noch immer nicht verwunden haben, dass selbst die zahlenmäßige Überlegenheit der Araber und die tatkräftige Unterstützung derselben durch ehem. Wehrmachtsgeneräle nicht zum "Erfolg" führte.

  • Was die Konsequenzen von Ungehorsam sind, hat glaube ich Westerwelle bei der Lybien-Enthaltung erfahren. Unerhört, dass er sich hier für Deutschland nach seinem Gewissen entschieden hatte. Seit dem er nun weiß, an welchem seidenen Faden er hängt, spurt er wieder ...

  • Energieelite, vielen Dank für ihre sehr informativen Beiträge.

    Interessant ist auch zu verstehen, wie sich die Bedeutung eines Vertrages mit Ungläubigen in der islamischen Kultur darstellt:

    Als es Mohammed nicht umgehend gelang, nach seinem Auszug nach Medina Mekka zu erobern, kam es zu Verhandlungen zwischen beiden Seiten. Es wurde der Vertrag von Hudaibiya geschlossen und Frieden für zehn Jahre vereinbart. Doch bereits zwei Jahre später stand Mohammed mit einem Heer von 10.000 Mann vor den Toren Mekkas. Siegreich und ohne Widerstand zog er in Mekka ein.

    Das wird als große erfolgreiche List in der islamischen Geschichtsschreibung bejubelt. Die Ungläubigen mit Verträgen täuschen, bis man stark genug ist, sie zu besiegen.

    Was Israel von noch so klaren Verträgen hätte, darf deswegen sehr bezweifelt werden. Eher würde ein Staat für die Araber Palästinas als weiterer Erfolg und Basis zur vollen Vernichtung angesehen.

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