Nahost-Konflikt
Rice hofft auf Waffenstillstand noch diese Woche

Zwischen Israel und der Hisbollah kann nach Einschätzung von US-Außenministerin Condoleezza Rice bis Ende der Woche ein Waffenstillstand erreicht werden. Die Signale aus Israel besagen jedoch etwas anderes: Regierung und Militärführung wollen nur die Bomber auf den Flughäfen lassen - Bodentruppen sollen weiterkämpfen.

HB BEIRUT/JERUSALEM. Sie werde sich für eine entsprechende UN-Resolution einsetzen, sagte Rice am Montag zum Abschluss ihrer Reise in die Region. Es gebe eine zunehmende Übereinstimmung, was für einen baldigen Waffenstillstand und eine dauerhafte Lösung benötigt werde. „Ich bin überzeugt, dass wir beides diese Woche erreichen können.“ Die Resolution des UN-Sicherheitsrates solle auch den Einsatz einer internationalen Schutztruppe im Süden Libanon beschließen.

Einzelheiten über die Verhandlungsergebnisse ihrer Nahost-Reise nannte sie nicht. Rice hatte am Sonntag ausgiebig mit dem israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert und Außenministerin Zipi Liwni beraten und Israel zu einer 48-stündigen Aussetzung der Angriffe auf den Süden Libanons bewegt. Die US-Regierung hat sich bislang jedoch geweigert, auf einen sofortigen und dauerhaften Waffenstillstand zu dringen.

Radio Israel berichtete unter Berufung auf hoch gestellte politische Kreise, ein Waffenstillstand werde erst in Kraft treten, wenn eine internationale Schutztruppe im Süden des Libanons stationiert sei. Die nach dem Luftangriff auf das Dorf Kana stark unter Druck geratene israelische Regierung hatte am Sonntag eine 48-stündige Waffenruhe für den Süden Libanons ausgerufen. Ein dauerhaftes Ende der Angriffe auf den Libanon schloss der israelische Justizminister Haim Ramon jedoch aus. „Dieser Krieg endet nicht, nicht heute und auch nicht morgen“, sagte er. Der Angriff hatte weltweit Entsetzen hervor gerufen und soll nun untersucht werden.

Nach dem israelischen Verzicht auf Luftangriffe schlugen zunächst keine weiteren Raketen der Hisbollah im Norden des Landes ein. Entsprechende Berichte, wonach die Stadt Kirjat Schmona in Nordisrael erneut getroffen wurde, erwiesen sich als falsch. Bei den Detonationen am Montagmorgen habe es sich vielmehr um „kontrollierte Explosionen“ von Seiten der Polizei gehandelt, hieß es in einer Erklärung der Behörden. Angriffe der Hisbollah seien seit Beginn der Feuerpause nicht mehr registriert worden.

Die Hisbollah machte jedoch einen Abzug der israelischen Bodentruppen aus dem Libanon zur Bedingung für eine vollständige Einstellung der Raketenabschüsse. Ein Aussetzen der Luftangriffe für 48 Stunden reiche nicht aus, sagte der Hisbollah-Abgeordnete im libanesischen Parlament, Hassan Fadlallah, am Montag. „Der Krieg wird enden, wenn Israel seine Aggression umfassend und vollständig einstellt und sich aus den besetzten Stellungen im Südlibanon zurückzieht.“

Israel kündigte allerdings an, seinen Militäreinsatz am Boden gegen die radikale Hisbollah-Miliz noch zu verschärfen. Verteidigungsminister Amir Perez sagte am Montag während einer Ansprache im Parlament in Jerusalem, die Armee werde „die Operationen gegen Hisbollah ausweiten“. Israel dürfe einer sofortigen Waffenruhe nicht zustimmen. Israel habe dem Raketenarsenal von Hisbollah schon entscheidenden Schaden zugefügt. Dennoch stellten die Raketen weiterhin eine ernste Bedrohung Israels dar. „Wir kämpfen um unsere Heimat und die Soldaten wissen dies“, sagte Perez. Wichtigstes Ziel sei es, die vor fast drei Wochen von Hisbollah-Milizionären aus dem israelischen Grenzgebiet entführten Soldaten „zurück nach Hause zu bringen“.

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