Nahost-Konflikt
Rice überraschend zu Besuch in Beirut

Gut zwei Wochen nach Beginn des Krieges im Libanon mehren sich die Anzeichen dafür, dass sich die USA zumindest diplomatisch massiv in den Konflikt einmischen. Am Mittag traf Außenministerin Condoleezza Rice überraschend in Beirut ein. Zuvor hatte sie erstmals das Wort Waffenstillstand in den Mund genommen.

HB BEIRUT. Rice flog am Montag von der Mittelmeerinsel Zypern per Hubschrauber in die von israelischen Luftangriffen beschädigte Hauptstadt des Libanon. Dort wollte die Außenministerin nach US-Angaben Hilfsmaßnahmen für Libanon ankündigen. Auf ihrem Programm standen neben einem Treffen mit Libanons Ministerpräsident Fuad Siniora auch ein Gespräch mit dem Parlamentspräsidenten Nabih Berri, der als Mittelsmann zwischen Siniora und der schiitischen Hisbollah gilt. Direkte Verhandlungen über ein Ende der Gewalt mit Vertretern der Hisbollah waren nicht geplant.

Nach den Gesprächen in Beirut soll Rice ihre diplomatische Offensive in Israel und den Palästinenser-Gebieten fortsetzen. Dort sind unter anderem Treffen mit dem israelischen Ministerpräsident Ehud Olmert und Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas vorgesehen.

Vor ihrem Flug nach Beirut hatte Rice erklärt, sie wolle sich für einen Waffenstillstand zwischen Israel und der Hisbollah stark machen. Dieser müsse aber an Bedingungen wie ein Ende der Bedrohung Israels durch die Hisbollah geknüpft sein. Eine Waffenruhe könnte von einer internationalen Friedenstruppe überwacht werden. Die USA hielten eine Feuerpause für dringend erforderlich.

Israel hatte am Sonntag erstmals einer internationalen Friedenstruppe zugestimmt, die eine Feuerpause überwachen könnte. Dafür sei entscheidend, dass die Truppe ein robustes Mandat habe, sagte Vizepremier Peres dem römischen „Corriere della Sera“. Eher zweitrangig sei, wer den Einsatz befehlige. „Es ist egal, wer den Einsatz führt, entscheidend ist, dass der Auftrag erledigt wird“, sagte Peres. Die Hisbollah, die immer wieder Raketen auf Israel abfeuert, müsse entwaffnet und von der Grenze vertrieben werden.

Nach Angaben von EU-Chefdiplomat Javier Solana sind mehrere europäische Länder bereit, sich an einer Friedenstruppe für den Nahen Osten zu beteiligen. „Das ist eine reale Möglichkeit“, sagte Solana nach einem Treffen mit dem Mehrheitsführer im libanesischen Parlament, Saad Hariri, am Montag in Brüssel. Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung sagte, Deutschland könnte sich an einer solchen Truppe beteiligen, wenn es von den Konfliktparteien und der Staatengemeinschaft darum gebeten wird.

Israel und die Hisbollah lieferten sich am Montag im Südlibanon heftige Gefechte. Generalstabschef Dan Haluz sagte dem israelischen Rundfunk, Hisbollah-Kämpfer seien in Bint Jbeil zusammengezogen worden. In Militärkreisen wurde der Ort als wichtigster Stützpunkt der vom Iran und Syrien unterstützten Miliz bezeichnet. Ein Vertreter der Streitkräfte sagte, die Israelis stünden unter Dauerbeschuss von Panzerabwehrwaffen, Granatwerfern und automatischen Waffen. Neun israelische Soldaten seien nahe der Ortschaft Marun al-Ras verwundet worden. Dagegen berichtete der arabische Fernsehsender Al-Dschasira, zwei israelische Soldaten seien getötet worden. Die Hisbollah berichtete, ihre Kämpfer hätten fünf Panzer getroffen und einige abgeschossen.

Über dem Grenzgebiet zum Libanon stürzte ein israelischer Militärhubschrauber ab. Über den Hergang gab es unterschiedliche Darstellungen. Während die Hisbollah-Miliz erklärte, ihre Kämpfer hätten den Helikopter abgeschossen, wies das israelische Militär diese Darstellung zurück. Bei dem Absturz habe es zwei Opfer gegeben, erklärte die Armee. Ob es sich um Tote oder Verletzte handelte, war zunächst unklar.

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