Nahost
Libanesisches Flüchtlingslager unter Dauerbeschuss

Im Libanon sind nach einer kurzen Phase der Ruhe die Kämpfe zwischen libanesischen Soldaten und militanten Islamisten um das Flüchtlingslager Nahr al-Bared neu aufgeflammt. Augenzeugen sprachen von den schwersten Kämpfe seit Tagen.

HB BEIRUT. Ein Mitarbeiter der Hilfsorganisation Roter Halbmond sagte, es habe „viele Opfer“ in dem Lager gegeben. In Fernsehbilder waren auch bei Einbruch der Dunkelheit am Freitagabend schwere Granateneinschläge in dem Camp zu sehen, in dem sich mehr als 200 Kämpfer der Gruppe Fatah al-Islam verschanzt haben sollen.

Angehörige einer Spezialeinheit der Armee wurden rund um das palästinensische Flüchtlingslager postiert. „Dies könnte der Anfang einer Offensive sein, mit dem Ziel das Lager zu stürmen“, hieß es aus Armeekreisen. Nach einem jahrzehntealten Abkommen darf die libanesische Armee eigentlich nicht in palästinensische Flüchtlingslager eindringen.

Dichter Rauch lag auch am Abend noch über dem Lager. Offizielle Angaben über mögliche Todesopfer und Verletzte lagen zunächst nicht vor. Nach Angaben von Krankenhausärzten im nahe gelegenen Tripoli wurden mindestens zwei Soldaten getötet. „Dutzende Granaten schlagen in jeder Minute ein“, sagte ein Anwohner.

Sorgen bereitete Hilfsorganisationen die Lage der noch im Lager verbliebenen Bewohner. Von den ehemals 40 000 Menschen sollen sich noch etwa 5 000 in dem Camp befinden. Ein Armeesprecher sagte, die Islamisten würden die Zivilisten angesichts der zunehmenden Kämpfe als „menschliche Schutzschilde“ missbrauchen.

Die Kämpfe zwischen libanesischen Soldaten und den radikalen Islamisten waren am 20. Mai ausgebrochen, in den vergangenen Tagen aber nur noch sporadisch aufgeflammt. Seit Ausbruch der Kämpfe wurden rund 80 Menschen getötet, darunter 33 Soldaten. Von den rund 40 000 Bewohnern des Lagers sollen sich noch etwa 5000 dort aufhalten.

Die Kämpfe in Nahr al-Bared waren am Freitagmorgen wieder aufgeflammt. Ein Armeesprecher sagte, die Islamisten hätten um 7.00 Uhr Ortszeit Stellungen der Armee außerhalb des Lagers angegriffen. Die Truppen hätten die Milizionäre daraufhin mit Panzern und Mörsern beschossen.

Die libanesische Regierung sagt der Gruppe Fatah al-Islam, die sich erst im vergangenen Jahr formiert hatte, Verbindungen zu Syrien nach. Ihr Anführer hatte drei Jahre in syrischen Gefängnissen verbracht. Die Ideologie der sunnitischen Extremisten ist mit dem Gedankengut des Terrornetzwerkes El Kaida von Osama bin Laden vergleichbar.

Libanesische Beobachter befürchten, dass sich die innenpolitische Krise durch die militärische Konfrontation zwischen der Armee und den Islamisten weiter zuspitzen könnte. Am Mittwochabend hatte der UN- Sicherheitsrat die Einrichtung eines internationalen Tribunals zur Aufklärung des Attentates auf den früheren libanesischen Ministerpräsidenten Rafik Hariri beschlossen. Dies hatten die pro-syrischen Kräfte unter Führung der schiitischen Hisbollah zu verhindern gesucht.

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