Nahost-Offensive
Israels tauscht Libanon-Kommandeur aus

Inmitten der Kampfhandlungen müssen sich die israelischen Offiziere und Soldaten im Krieg gegen die Hisbollah auf einen neuen Befehlshaber einstellen: Generalstabschef Dan Halutz hat den bisherigen Kommandeur seines Postens enthoben und durch seinen Stellvertreter ersetzt. Offenbar agierte der geschasste Befehlshaber zu zaghaft.

HB JERUSALEM. Nach Angaben des israelischen Generalstabs ersetzt der stellvertretende Generalstabschef Mosche Kaplinski den Kommandeur des Militärbereichs Nord, Generalmajor Udi Adam. In der israelischen Öffentlichkeit wurde die Entscheidung als Konsequenz der wachsenden Kritik am Verlauf der Offensive gewertet und mit der erwarteten Ausweitung der Militäraktionen am Boden in Verbindung gebracht.

Die Streitkräfte wiesen dies zwar offiziell zurück. Der israelische Militärexperte Amir Oren sagte jedoch, Adam sei zu langsam und zu vorsichtig gewesen. Deswegen habe Generalstabschef Halutz keine andere Wahl gehabt, als ihn in dieser kritischen Phase der Offensive abzulösen. Diese Entscheidung werde der Hisbollah-Miliz moralischen Auftrieb geben, sagte Oren im israelischen Rundfunk.

Auch der Militärfachmann Siv Schiff erklärte in einem Beitrag für die Zeitung „Haaretz“, die Entscheidung mache deutlich, dass es in der Militärführung ernsthafte Schwierigkeiten gebe. „Der Kommandowechsel ist natürlich nicht gut für Adam persönlich, bedeutet aber auch ein negatives Signal für die Armee und die Öffentlichkeit.“ Zuletzt gab es im Nahostkrieg von 1973 einen ähnlichen Wechsel, als der spätere Ministerpräsident Ariel Scharon und andere Generäle im Krieg gegen Ägypten an die Südfront geschickt wurden, um das Kommando von Schmuel Gorodisch zu übernehmen.

Seit Beginn der Kämpfe am 12. Juli hat Israel 67 Soldaten verloren, bei Raketenangriffen der Hisbollah kamen zudem 36 Menschen ums Leben. Trotz der schweren Luftangriffe, des Artilleriebeschusses an der Grenze und des Vorstoßes israelischer Truppen im Südlibanon konnte die Hisbollah bislang nicht daran gehindert werden, Raketen auf israelisches Territorium abzufeuern. Allein am Dienstag waren es wieder 145 Raketen.

Die Kritik in Israel am bisherigen Kriegsverlauf richtet sich auch gegen die politische Führung. Dem von Ministerpräsident Ehud Olmert und Verteidigungsminister Amir Perez geführten Sicherheitskabinett wird vorgeworfen, die Pläne der Militärführung für ein entschlosseneres Vorgehen nicht schnell genug gebilligt zu haben.

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