Nahost
Papst benedikt beginnt Reise ins Heilige Land

Papst Benedikt XVI. ist zu einer heiklen Reise ins Heilige Land gestartet. Erste Station der Reise ist Jordanien, am Montag geht es nach Israel und in die palästinensischen Gebiete. Anfang des Jahres hatte es erhebliche Verstimmungen gegeben, als der Papst die Exkommunikation des Holocaust-Leugners Richard Williamson aufgehoben hatte.

TEL AVIV. Bethlehem putzt sich heraus. Plakate kündigen den Papstbesuch an, Falafel-Verkäufer streichen die Türen ihrer Läden an, der Straßenbelag wird ausgebessert. "Baba kommt," sagt ein Palästinenser, "und mit ihm strömen auch die Touristen in die Geburtsstadt von Jesus."

Politiker, Journalisten und die Profis des interreligiösen Dialogs bemühen sich auch in Israel, aus dem Besuch ein Maximum herauszuholen. "Wir umarmen die christliche Welt," sagt zum Beispiel eine Spur zu theatralisch der israelische Tourismusminister. Er hofft, dass der Papstbesuch Millionen von Christen zu den Heiligen Stätten locken werde.

Doch wenn der Heilige Vater ins Heilige Land pilgert, ist auch Nervosität angesagt. Denn die Terra Sancta mit ihren Konflikten, Empfindlichkeiten und Vorurteilen ist ein schwieriges Gelände. Beten, Messen lesen und sich an Gott wenden ist in der Region, die von den drei monotheistischen Religionen als heilig betrachtet wird, an sich schon konfliktträchtig. Es kann aber zur politischen Falle werden, wenn der Kirchenführer seinem Ruf gerecht wird, am falschen Ort das falsche zu sagen.

Das hört sich zwar unverfänglich an. Benedikt XVI. wolle an den Heiligen Stätten beten und eine Botschaft des Friedens verkünden, sagt der Nuntius in Israel, Erzbischof Antonio Franco. Es werde daneben auch "Momente des Dialogs" geben - zum Beispiel mit den Präsidenten Schimon Peres in Jerusalem oder mit Mahmoud Abbas in Bethlehem.

Doch bereits vor der Abreise des Pontifex in den Nahen Osten hat Kurienkardinal Walter Kasper die "Pilgerreise" politisiert. Der Heilige Stuhl trete für eine Zwei-Staaten-Lösung ein - "das scheint der gegenwärtigen Regierung Israels nicht so wichtig zu sein," sagte Kasper im Gespräch mit einer Nachrichtenagentur und fügte spitz hinzu: " Der diplomatische Drahtseilakt besteht darin, keine faule Kompromisse einzugehen."

Nicht nur unterschiedliche Ansichten über die korrekte Politik gegenüber Palästinensern belasten das Verhältnis zwischen dem Vatikan und Israel, sondern auch Differenzen bei ökonomischen Fragen. Das israelische Parlamentsgebäude steht zum Beispiel auf Boden, das der griechisch-orthodoxen Kirche gehört; mehr als die Hälfte der Jerusalemer Altstadt ist im Grundbuch auf Namen kirchlicher Institutionen eingeschrieben. Über viel Besitz verfügt die Kirche ebenfalls in Jaffo und in Nazareth. "Auf mehrere Milliarden Dollar" schätzt die in Jerusalem und Haifa dozierende Historikerin Dafne Zimchoni den Wert der kirchlichen Immobilien - darunter Schulen, Klöster, Kliniken, Ländereien und Friedhöfe.

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