Nahost-Reise
Angela Merkel und das Hamas-Dilemma

Was als normale Auslandsreise geplant war, wurde für Angela Merkel zum Härtetest. Sie war die erste Regierungschefin, die nach dem Wahlsieg der Hamas den Nahen Osten besuchte. Dabei machte sie eine souveräne Figur. Die Kanzlerin konnte aber nicht verbergen, in welchem Dilemma sich Deutschland und Europa befinden.

JERUSALEM/RAMALLAH. Noch nie wurde die Reise eines deutschen Politikers in den Nahen Osten so aufmerksam verfolgt wie die der Kanzlerin. Nur wenige Tage nach den Wahlen und dem überraschend hohen Sieg der Hamas machte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) dem Palästinenser-Präsidenten Mahmud Abbas am Montag ihre Aufwartung.

Merkel unterstrich auch in Ramallah, dass für Deutschland keine Zusammenarbeit mit einer Palästinenser-Behörde möglich ist, die das Existenzrecht Israels nicht anerkennt. Die Zusicherung von Abbas, sich an alle Verpflichtungen zu halten und den Friedensprozess fortsetzen zu wollen, stößt bei der Kanzlerin auf offene Ohren. Doch wie stark ist dieser Abbas? Das vermochte auch die Kanzlerin zunächst nicht einzuschätzen.

Wenige Stunden zuvor: Sichtlich betroffen faltet die Kanzlerin in der „Halle der Erinnerung“ der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem die Hände und neigt den Kopf. Zwei Stunden ist sie durch das riesige Areal in Jerusalem gelaufen und hat den Worten des Direktors, Avner Shalev, gelauscht, der ihr die Geschichte der systematischen Vernichtung von sechs Millionen Juden durch die Nationalsozialisten vortrug.

„Dies symbolisiert Gedeihen, Aufbau und Zukunft“, sagte die deutsche Regierungschefin bei ihrem ersten Israel-Besuch als Kanzlerin. Die Existenz des Staates Israel bleibe ein unantastbarer Pfeiler deutscher Politik, sagte Merkel. Wie ein roter Faden zog sich dieses Bekenntnis durch alle Gespräche, die die Kanzlerin im Stundentakt in Jerusalem führte.

Zum Auftakt ihres zweiten und letzten Besuchstages hatte sie dies sehr nachdrücklich auch Israels Staatspräsident Mosche Katzav versichert. Dabei wiederholte sie auch die Prinzipien für die mögliche Aufnahme von Gesprächen mit Hamas: Anerkennung des Existenzrechts Israels, eine Ende des tödlichen Terrors und kein Rückschritt in dem eingeleiteten Friedensprozess für den Nahen Osten.

Mit Bedacht hatte Merkel bei jedem Gespräch ihre Worte gewählt, um weder in Israel noch in Ramallah neue Gräben aufzureißen. Die Worte von Präsident Katzav klangen versöhnlicher als die des israelischen Verteidigungsministers Schaul Mofas. Israel wolle keine Eskalation, sagte Katzav. Dem konnte Merkel nur beipflichten. Die „Powerfrau“ redete weniger und hörte mehr zu - in Jerusalem wie in Ramallah.

Seite 1:

Angela Merkel und das Hamas-Dilemma

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%