Nahost: Scharon ringt um Leben, Araber um Haltung

Nahost
Scharon ringt um Leben, Araber um Haltung

Angesichts des absehbaren Endes der politischen Karriere des Ariel Scharon präsentiert sich das arabische Lager zerstritten wie eh und je. Die Gemäßigten erinnern an seine Wandlung vom Falken zum Vater des Gaza-Abzugs, die Hardliner können die Stunde kaum erwarten, in der „der Schlächter zur Hölle fährt“.

HB KAIRO/DAMASKUS. Der ehemalige jordanische Minister Munther Haddadin, der mit Scharon einst über die Umsetzung des jordanisch-israelischen Friedensvertrages verhandelt hatte, sagte am Donnerstag in Amman: „Wenn Scharon stirbt, dann würde sein Stellvertreter Ehud Olmert bis zu den Wahlen im März eine schwache Regierung leiten, die nicht mehr wäre als eine hinkende Ente.“ Scharon wäre der „beste Mann“, um Vereinbarungen mit den Palästinensern umzusetzen. Er habe seine „extremistischen Pläne“ in den vergangenen Jahren aufgegeben und erkannt, dass Frieden nur am Verhandlungstisch erreicht werden könne, sagte Haddadin.

Arabische Fernsehsender und Zeitungen berichteten weitgehend neutral. Einige Journalisten zollten Scharon sogar ausdrücklich Anerkennung und verwiesen auf seine Bedeutung für den Friedensprozess im Nahen Osten. So lobte ein Kommentator des Fernsehsenders Al Arabija Scharon als „ersten israelischen Staatsmann, der aufhörte, Israel ein Anrecht auf das gesamte palästinensische Land zuzusprechen“. Gemeint war offenbar der von Scharon angeordnete Abzug der israelischen Streitkräfte und Siedler aus dem Gazastreifen.

Andere Stimmen machten aus ihrer Abneigung gegen Scharon kaum einen Hehl. Der syrische Parlamentsabgeordnete Mohammed Habasch etwa äußerte die Hoffnung, „dass es um den Nahen Osten ohne Ariel Scharon besser bestellt sein wird, denn sein Name steht für Gewalt.“

Dieser Meinung ist auch der palästinensische Kommentator Hani Masri in Ramallah. Langfristig werde Scharons Abwesenheit besser für die Palästinenser sein, weil er starke internationale Unterstützung für seine Politik gehabt habe, meint Masri. „Scharon konnte ohne Kritik und Widerspruch tun und lassen, was er wollte. Für die Zukunft der Palästinenser war dies eine ernste Gefahr. Scharon war dabei, einen palästinensischen Ministaat zu schaffen. Er hat den Friedensprozess gestoppt. Die Themen Jerusalem und palästinensische Flüchtlinge wollte er von der politischen Landkarte wischen“, erklärt Masri.

Die Führung der Palästinenser hielt sich zurück, obwohl es Scharon gewesen war, der dafür gesorgt hatte, dass ihr Führer Jassir Arafat seinen letzten Lebensabschnitt in seinem belagerten Hauptquartier in Ramallah verbringen musste. Der palästinensische Regierungschef Ahmed Kureia wünschte Scharon eine schnelle Besserung - hätte sein poltisches Ende doch Auswirkungen „nicht nur auf Israel, sondern auf die ganze Region“.

Radikale Palästinenser nahmen dagegen kein Blatt vor den Mund. Ahmed Dschibril, der die in Damaskus ansässige linke radikale palästinensische Splittergruppe PFLP-Generalkommando leitet, sprach von einem „Geschenk Gottes“ im neuen Jahr: „Wir sagen ehrlich, dass Gott groß ist und Rache an diesem Schlächter übt“. Scharon wird für Massaker während des israelischen Libanon-Feldzugs im Jahr 1982 verantwortlich gemacht, als er Verteidigungsminister war. Ein Sprecher des Islamischen Dschihads meinte: „Wir haben kein Mitleid mit ihm und er kann zur Hölle fahren, lebendig oder tot“. Dem stellvertretenden Vorsitzende des Politbüros der Islamistenorganisation Hamas, Mussa Abu Marzuk, schwante jedoch schon jetzt: „Auch der Ersatz für Scharon wird nicht besser sein.“

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