Nahostkonflikt
Kriegskosten zwingen Israel auf Sparkurs

Der Krieg in Nahost ist nicht nur für die Menschen in den betroffenen Gebieten eine Katastrophe, auch die Auswirkungen auf die Wirtschaft Isreals und des Libanons werden zunehmend spürbar. Beide Länder leiden unter dem kostspieligen Kampf gegen die Hisbollah – und die Zweifel an dem Einsatz wachsen.

TEL AVIV. Der Krieg im Libanon verursacht vor Ort große Schäden, hat aber nur begrenzte Auswirkungen auf die israelische Volkswirtschaft. Zwar koste die Offensive gegen die Hisbollah Israel rund 180 Mill. Euro pro Woche, sagte Notenbankchef Stanley Fischer. Dies werde das öffentliche Defizit in diesem Jahr voraussichtlich um 0,6 Prozentpunkte erhöhen. Damit der Haushalt nicht aus dem Ruder gerät, soll eine geplante Erhöhung des Sozialetats ausfallen. Auch Israels Konjunktur zeigt sich robust: Statt der erwarteten fünf Prozent dürfte das Sozialprodukt etwas über vier Prozent wachsen, schätzen Ökonomen.

Dagegen beklagt die libanesische Regierung erhebliche Verluste. Der Infrastruktur sei bislang ein Schaden von knapp 1,6 Mrd. Euro zugefügt worden, sagte Verkehrsminister Mohammed Safadi. Seinen Angaben zufolge würde es mindestens drei Monate dauern, den Flughafen von Beirut wieder vollständig in Betrieb zu nehmen. Der größte Schaden für die libanesische Wirtschaft sei der völlige Zusammenbruch von Tourismus und Handel. „Das ist die größte Einnahmequelle der Regierung“, sagte Safadi.

In Israel selbst sind die Auswirkungen dagegen trotz der Raketeneinschläge im Norden des Landes relativ gering. Auch die ausländischen Investoren haben sich bisher kaum beeindrucken lassen. Trotz der Kampfhandlungen kam es in den vergangenen Tagen sogar zu zwei Mega-Deals in der High-Tech-Branche. Der US-Konzern Hewlett-Packard übernahm für 4,5 Mrd. Dollar das Softwarehaus Mercury Interactive Corporation. Kurz darauf bezahlte ScanDisk 1,37 Mrd. Dollar für den Flash-Speicherhersteller Msystems. Sowohl Mercury als auch Msystems verfügen in Israel über bedeutende Forschungskapazitäten. Zudem schloss eine chinesische Firma mit Israel Chemicals ein riesiges Potaschegeschäft ab. Finanzminister Avraham Hirchson wertet diese Geschäfte als „Zeichen des Vertrauens“ in die israelische Wirtschaft“. Ratingagenturen könnten Israel aber zurückstufen, wenn die Kampfhandlungen im Libanon nicht bald beendet würden, heißt es in Tel Aviv.

Deutlich spürbar sind die Auswirkungen des Krieges vor allem in Nordisrael. Die seit dem 12. Juli fast pausenlos niedergehenden Katjuscha-Raketen haben die Wirtschaft nördlich von Haifa weitgehend zum Stillstand gebracht und erhebliche Schäden angerichtet. Der Hafen von Haifa war während zwei Tagen, als Katjuschas die Stadt lahm legten, geschlossen. In 70 Prozent der Industriebetriebe standen die Maschinen still. Einkaufszentren und Geschäfte blieben geschlossen. Bei den Raketenangriffen auf Israel wurden bislang 19 Menschen getötet. Bei den israelischen Angriffen im Libanon starben mehr als 600 Menschen.

Seite 1:

Kriegskosten zwingen Israel auf Sparkurs

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%