Nahostreise
Israel hadert mit Papst Benedikt

Überschattet von Kritik an seiner Rede in der Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem hat Papst Benedikt XVI. seine Visite in Israel fortgesetzt. In Jerusalem besuchte er die wichtigsten Heiligen Stätten von Juden und Moslems, las am Fuße des Ölbergs eine Messe für rund 5000 christliche Gläubige und traf sich mit Würdenträgern der drei Religionen.

JERUSALEM. Offiziell spricht der Vatikan zwar von einer Pilgerreise. Aber weder die Politik noch die Geschichte lassen sich im Nahen Osten ausklammern. Sowohl von jüdischer als auch von muslimischer Seite wird der Papst mit politisch und historisch motivierten Wünschen konfrontiert.

Als ob er seinen neutralen Status in der Krisenregion betonen wollte, steckte der deutsche Papst jüdischer Tradition folgend in der Jerusalemer Altstadt einen Zettel mit einer Friedensbotschaft zwischen die Steine der Klagemauer. "Schicke deinen Frieden ins Heilige Land, in den ganzen Nahen Osten und die gesamte Menschheit", stand nach Angaben des Vatikans auf dem Zettel. Zuvor hatte der Papst im Felsendom zu einem Dialog der Religionen aufgerufen. Die "Missverständnisse und Konflikte der Vergangenheit" müssten überwunden werden. Benedikt besuchte als erster Papst das muslimische Heiligtum, wo er vom Jerusalemer Großmufti, Mohammed Hussein, begrüßt wurde. Hussein forderte den Papst auf, sich für ein Ende der "Aggression" Israels gegen die Palästinenser einzusetzen.

Auch beim Treffen mit den beiden israelischen Oberrabbinern betonte der Papst die Notwendigkeit der Verständigung. Besonders die Affäre um den Holocaust-Leugner Richard Williamson hatte die Beziehungen zwischen den Religionen zuletzt belastet. In der Großen Synagoge von Jerusalem bestätigte Benedikt die "irreversible" Versöhnung der katholischen Kirche mit den Juden. Oberrabbiner Yona Metzger hob lobend hervor, dass Benedikt eine Rückkehr des Holocaust-Leugners Richard Williamson in kirchliche Ämter verhindert habe. Auch nahm Metzger die Erklärung des Papstes vom Vortag zur Kenntnis, wonach Antisemitismus "nicht nur eine Sünde gegen Juden, sondern auch eine Sünde gegen Gott" sei. Metzger bedankte sich beim Gast aus Rom zudem für die Verpflichtung des Vatikans, künftig auf Missionstätigkeiten und Konvertierungsversuche bei Juden zu verzichten.

Ebenso bedankte sich Metzger beim Papst für dessen Bereitschaft, sich für die Befreiung des von der Hamas in den Gazastreifen verschleppten Soldaten Gilad Schalit einzusetzen. Der Papst hatte am Montag ein persönliches Gespräch mit den Eltern des Soldaten geführt.

Der Besuch des deutschen Papstes in Israel ist allerdings auch gestern wieder von schrillen Nebengeräuschen begleitet worden. So warf ihm Parlamentspräsident Reuben Rivlin in einem Rundfunkinterview vor, seine Mitschuld an der Vergangenheit zu verniedlichen. Anders als von vielen Juden erhofft, war der Papst in seiner Rede in der Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem auch nicht auf die Rolle der Kirche bei der Ermordung von sechs Millionen Juden während des Zweiten Weltkriegs eingegangen.

Der Vorsitzende des israelischen Holocaust-Dachverbandes, Noach Flug, nahm das Kirchenoberhaupt dagegen vor Kritik in Schutz. Er verstehe die Vorwürfe gegen den Papst nicht, sagte Flug, der auch Präsident des Internationalen Auschwitz-Komitees ist: "Er ist ja nicht Präsident einer zionistischen Organisation." Daher könne man nicht erwarten, dass er wie ein Rabbiner spreche. Der Papst sei nach Israel gekommen, um eine Annäherung zwischen der Kirche und dem Judentum zu bewirken. Daher sei sein Besuch als positiv und wichtig einzustufen, so Flug.

Israel ist die zweite Station der Nahost-Reise, die der Papst am Freitag in Jordanien begann. Heute ist der Besuch eines Flüchtlingslagers in der Palästinenserstadt Bethlehem vorgesehen, wo der Papst auch den palästinensischen Präsidenten Mahmoud Abbas treffen will.

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