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26.06.2008 
Agrarsektor

Nahrungsmittelkrise: OECD fordert Reformen

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) will die Rekordpreise im Nahrungsmittelsektor durch Reformen im hoch subventionierten Agrarsektor bekämpfen. Die Politik habe nun die Chance, marktverzerrender Maßnahmen zurückzufahren.

Unter den hohen Lebensmittelpreisen haben vor allem die Ärmsten der Armen zu leiden. Die OECD sieht nun die Chance für die Abschaffung marktverzerrender Zölle und Subventionen gekommen. Foto: dpaLupe

Unter den hohen Lebensmittelpreisen haben vor allem die Ärmsten der Armen zu leiden. Die OECD sieht nun die Chance für die Abschaffung marktverzerrender Zölle und Subventionen gekommen. Foto: dpa

HB PARIS. Allein im vergangenen Jahr seien in den OECD-Staaten 187 Mrd. Euro an die Landwirte geflossen, teilte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am Donnerstag in Paris mit. Dies sei mit 23 Prozent fast ein Viertel der Bruttoeinnahmen in der Agrarwirtschaft. 2005 seien es noch 28 Prozent gewesen. „Die jüngste Absenkung der Subventionen ist aber nicht so sehr eine Folge von veränderten politischen Rahmenbedingungen, sondern von gestiegenen Weltpreisen.“

Sollten diese ihr „extrem hohes Niveau“ wieder verlassen, drohe eine erneute Zunahme marktverzerrender Maßnahmen wie Zölle oder Eingriffe in die Preisbildung, hieß es. Die höheren Preise für Getreide, Mais oder Soja steigern nach Einschätzung der Experten auch die Einkommen der Landwirte. Der Politik biete sich somit die Chance, marktverzerrende Maßnahmen zurückzuschrauben. Die Bauern müssten die „größtmögliche Freiheit“ bekommen, auf Marktsignale wie höhere Preise zu reagieren und ihre Produktion zu erhöhen, hieß es in dem Bericht zur Agrarpolitik in den 30 Mitgliedstaaten, den die OECD alle zwei Jahre vorlegt. Die OECD ist ein internationales Diskussionsforum und berät die Regierungen ihrer Mitglieder, nahezu alle Industriestaaten.

Vor allem die EU habe 2007 ihren Weg der „entkoppelten Subventionen“ fortgesetzt, hieß es. Mit der Agrarreform hatten die Europäer 2003 beschlossen, den Landwirten so gut wie keine direkt an die Produktionsmenge gekoppelten Fördermittel mehr zu zahlen. Stattdessen müssen die Bauern Umweltauflagen einhalten und erhalten auch für stillgelegte Flächen Geld.

Die Preise für Weizen, Mais oder Reis sind in den vergangenen Jahren um bis zu 181 Prozent gestiegen. Unruhen etwa in Haiti waren die Folge. Gründe für den Preisanstieg sind das Bevölkerungswachstum, der steigende Wohlstand in Asien mit veränderten Essgewohnheiten, Spekulationen an den Rohstoffmärkten, die Förderung des Anbaus von Pflanzen für Biokraftstoffe sowie 2007 dürrebedingte Ernteausfälle.

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