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16.04.2008 
Hungerrevolten

Nahrungsmittelkrise verschärft sich

In Haiti ist es zu neuen Auseinandersetzungen wegen der hohen Lebensmittelpreise gekommen. In Anbetracht der Hungerrevolten mehren sich die Rufe nach mehr Geld im Kampf gegen den Hunger. Auch für die Preise in Deutschland gibt es düstere Prognosen.

In Haiti drängen sich die Menschen, um an Grundnahrungsmittel zu kommen. Foto: dpaLupe

In Haiti drängen sich die Menschen, um an Grundnahrungsmittel zu kommen. Foto: dpa

HB PORT-AU-PRINCE/BERLIN. In Haiti gerieten Händler und Kunden aneinander, weil sich Reis trotz des Eingreifens der Regierung nicht verbilligt hatte. Die Läden verkauften das Grundnahrungsmittel noch zu den hohen Preisen, die in der vergangenen Woche auf dem Weltmarkt gezahlt werden mussten. Die Regierung hatte am Wochenende mit den Importeuren eine deutliche Senkung der Kosten vereinbart. Die Händler machten geltend, dass sie ihre Vorräte zu teuren Preisen eingekauft hätten.

Vor zahlreichen Geschäften kam es wegen der Preise zu heftigem Streit, der in einigen Fällen in Rangeleien ausartete. Eine Mehrheit der neun Millionen Haitianer muss mit weniger als zwei Dollar am Tag auskommen – das sind 1,26 Euro. Nach tagelangen Unruhen wurde Ministerpräsident Jacques Edouard Alexis am Samstag vom Parlament entlassen.

Proteste gegen den drastischen Anstieg der Nahrungsmittelpreise gab es auch in mehreren afrikanischen Ländern, in Bangladesch, Indonesien und auf den Philippinen. Die rapide Teuerung geht vor allem auf höhere Energiepreise, eine stärkere Nachfrage nach Lebensmitteln in Asien und den durch staatliche Subventionen geförderten Biosprit-Boom zurück, der landwirtschaftliche Anbauflächen verbraucht.


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In Anbetracht der Hungerrevolten mehren sich die Rufe nach mehr Geld im Kampf gegen den Hunger. Das Uno-Welternährungsprogramm (WFP) fürchtet, dass sich die millionenschwere Finanzlücke noch vergrößert. „Die Krise hat sich verschärft“, sagte der Leiter des deutschen WFP-Büros, Ralf Südhoff. Im März seien die Nahrungsmittelpreise weltweit nochmals um rund 20 Prozent gestiegen. „Wir müssen davon ausgehen, dass der Betrag von 500 Millionen Dollar nicht mehr reichen wird.“ Zuletzt hatte die Weltbank die Industrieländer aufgefordert, umgehend 500 Millionen Dollar (316 Millionen Euro) für Hilfsprogramme des Welternährungsprogramms bereitzustellen. Damit sollen die 70 Millionen bedürftigsten Menschen auf der Welt versorgt werden. Die Zahl der Bedürftigen werde steigen, warnte Südhoff.

Bauernpräsident Gerd Sonnleitner rechnet auch in Deutschland mit weiter steigenden Nahrungsmittelpreisen. Die Zeiten günstiger Lebensmittel in Deutschland sind seiner Ansicht nach vorbei. „Die Preise für unsere Produkte werden sich künftig der allgemeinen Inflationsrate anpassen, in diesem Jahr also um rund 2,5 Prozent steigen. Bisher lagen sie immer darunter“, sagte Sonnleitner der „Bild“-Zeitung. Weltweit gehe der Preistrend etwa für Weizen, Mais deutlich nach oben.

Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) dringt auf ein rasches Ende der Agrar-Exportsubventionen. Das sei ein Ziel bei den Verhandlungen der Welthandelsorganisation (WTO), sagte sie dem WDR. Das „Schleusen“ subventionierter Lebensmittel in Entwicklungsländer entmutige die dortigen Bauern. Die Bundesregierung hatte zehn Millionen Euro Nothilfe für den WFP angekündigt.

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