Namibias Herero-Häuptlinge auf Versöhnungskurs mit Deutschland
Wieczorek-Zeul bleibt hart in Namibia

Für eine Aussöhnung mit Deutschland setzen sich die Nachfahren der vor 100 Jahren von deutschen Kolonialtruppen niedergemetztelten Hereros ein. Bei einer Unterredung mit Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul betonten sie am Freitag in Namibias Hauptstadt Windhuk den Wunsch nach Dialog und Versöhnung.

HB WINDHUK. „Die Mauern der Vergangenheit müssen eingerissen werden, damit wir jetzt zur Versöhnung finden können“, erklärten sie nach Angaben einer Ministeriumssprecherin. Wieczorek-Zeul charakterisierte die Gespräche als „konstruktiv und freundschaftlich“.

An dem Treffen nahm auch Oberhäuptling Kuaima Riruako teil, der von Deutschland bisher vergeblich Wiedergutmachung in Milliardenhöhe gefordert hat. In den Gesprächen spielte die Frage von Entschädigungszahlungen allerdings keine Rolle. Die insgesamt sechs Oberhäupter von Herero-Königsfamilien übergaben allerdings Petitionen, über deren Inhalt zunächst nichts bekannt wurde. Wieczorek-Zeul hatte bereits am Vorabend erklärt, dass es keine Zahlungen an besondere Bevölkerungsgruppen geben wird. Sie liegt damit auf dem bisherigen Kurs der Bundesregierung, die zwar eine besondere Beziehung zu Namibia anerkennt, Reparationszahlungen aber ablehnt.

Die Ministerin war am Donnerstag in der ehemaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika eingetroffen und war von Präsident Sam Nujoma empfangen worden. Anlass ist der 100. Jahrestag der brutalen Niederschlagung des Aufstands der Herero und Nama durch die kaiserliche Schutztruppe in der damaligen Afrikakolonie Deutsch- Südwest. Nach der Entscheidungsschlacht am Waterberg waren die Überlebenden in die Wüste getrieben und ihrem Schicksal überlassen worden. Wieczorek-Zeul will als erstes deutsches Regierungsmitglied an einer Gedenkfeier am Waterberg für die 60 000 Opfer des Herero- Aufstands teilnehmen. Sie wollte am Freitagabend informell auch mit Farmer-Vertretern zusammenkommen.

An diesem Samstag will sie bei einer zentralen Gedenkveranstaltung Deutschlands politische und moralische Verantwortung für die Vergangenheit und koloniale Schuld betonen und ein mit deutschen Mitteln finanziertes Kulturzentrum am Waterberg einweihen.

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