Nationalfeiertag
Auf Ungarns Straßen türmen sich die Demonstranten

Zu Hunderttausenden demonstrieren die Ungarn am Nationalfeiertag nicht nur gegen, sondern auch für die Regierung. In seiner Rede verbittet sich Ministerpräsident Orban indes auch weiter das „Diktat von außen“.
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BudapestHunderttausende Menschen haben am Donnerstag in der ungarischen Hauptstadt Budapest für und gegen die umstrittene Regierung von Ministerpräsident Viktor Orban demonstriert. Am Nationalfeiertag versammelten sich vor dem Parlamentsgebäude etwa 200.000 Unterstützer des Regierungschefs, wie Korrespondenten der Nachrichtenagentur AFP berichteten. An der nahen Kundgebung der Opposition beteiligten sich etwa 100.000 Regierungsgegner.

In einer Rede vor seinen Anhängern, deren Zahl die Regierung mit rund 250.000 bezifferte, erinnerte Orban an die Revolution von 1848, in der Ungarn gegen die Vorherrschaft der Habsburger kämpfte und an die der Nationalfeiertag erinnert. Heute gelte wie damals, dass Ungarn „keine Kolonie“ sei, sagte er. Dem „Druck und dem Diktat von außen“ hätte Ungarn im Winter 2011/2012 nie widerstanden, wenn sich nicht hunderttausende Menschen dagegen aufgelehnt hätten, fügte er mit Blick auf die internationale Kritik an der Arbeit seiner Regierung hinzu.

Während bei der Kundgebung zahlreiche ungarische Flaggen wehten, waren bei der Gegendemonstration viele Europafahnen zu sehen. Ein 37-jähriger Bankangestellter sagte AFP dort, er protestiere „gegen Orbans Regime“. Zugleich rief er die Europäische Union dazu auf, mit größerer Härte gegen die rechtskonservative Regierung in Budapest vorzugehen. „Was in Ungarn passiert, ist eine Schande für Europa“, unterstützte ihn der eigens angereiste französische Abgeordnete der Linken im Europäischen Parlament, Harlem Desir.

Orban steht international seit Monaten wegen umstrittener Gesetzes- und Verfassungsänderungen in der Kritik, die etwa den Justiz- und Medienbereich betreffen. Der Internationale Währungsfonds und die Europäische Union brachen deswegen im Dezember Verhandlungen mit Budapest ab, in denen es um Finanzhilfen in Höhe von bis zu 20 Milliarden Euro für das hoch verschuldete Land ging. Erst am Dienstag sperrte die EU wegen des hohen Haushaltsdefizit Ungarns Zahlungen aus Entwicklungstöpfen in Höhe von knapp einer halben Milliarde Euro.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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  • Wenn das Foto mit den Demonstranten an der Elisabeth-Brücke gemacht worden ist, und so sieht es aus, ist es die Oppositions-Demo mit ungefähr 50.000 bis 80.000 Bürgern.
    Die Demonstration für die Orbanen umfasste ungefähr 150.000 bis 200.000 Bürger.
    http://www.pesterlloyd.net/html/1211nationalfeiertag201.html
    Wobei ich anmerke das es außergewöhnlich ist für eine Regierung demonstrieren zu müssen. Manche Ungaren sind halt so gestrickt, Sie spuken einem ins Gesicht und fragen dann nach Geld.

  • Einigen Journalisten fällt es eben sehr schwer, Fakten zu akzeptieren, die nicht in ihr Bild passen. Dass sie dabei die deutsche Bevölkerung bewusst oder unbewusst fehlinformieren, ficht sie nicht an. Sie müssen sich für Lügen und Halbwahrheiten nicht verantworten. Das hat nichts mit Meinungsfreiheit zu tun. Das ist MANIPULATION! Im Falle Ungarn werden wir seit Monaten manipuliert, eine demokratisch-bürgerliche Partei, eine ungarische CDU/CSU wird systematisch verleumdet und niemand geht der Sache nach.

  • ich schliesse mich an Peter. Gestern war bei der Gegendemostration nicht 100.000 sondern bei dem ehem.Ministerpräsident Gyurcsányi nur einige tausende, bei der Rechten ca. 10.000. Ausserdem waren für die Fidesz Sympathisanten aus Polen, Litauen gekommen. Vor dem Parlament hat Orbán eine Rede vor 250.000 Leute gehalten. Auch wenn Sie kein ungarisch können schauen Sie www.mno.hu an und können Sie sich das Video anschauen und sich selbst überzeugen. Ich finde die seit Monaten festgestellte falsche Bericht über Ungarn zeigt dass in Deutschland die Pressefreiheit heisst die Nachrichten was aus der Korrespondenz der dpa sagt, muss abschreiben und nicht nachkontrollieren. Beweis dafür habe ich neulich per mail bekommen weil ich während der Handball WM über den Wurf mit einem Objekt eines serbischen Spielers an deutsche Sportpresse geschrieben. Ich habe Sie aufmerksam gemacht dass in der englischen, schwedischen und ungarischen Netseite erwähnet wurde ein Datpfeil als Objekt und in der deutschen Presse steht etwas über einen Flaschenwurf. Prompt habe ich ich von der Sport Internetportal einen Antwort bekommen dass deutschsprachige Zeitungen ihre Nachrichten von dpa Quellen bekommen. Na so ist dass wenn jemand die für Orban demostrierende Leute als Gegendemostrante bezeichnet und sogar das Bild in der Zeitung das benützen wie FAZ und die Zahlen werden sogar verändert. Komischeweise die soz-liberaler Demostranten vor einigen Wochen her warwn von ein paar tausend, auf hundert tausen in der deutsche Zeitunge gewachsen. War das auch dpa? Ich weiss die Angestellte bei deutsche Zeitungen können nicht dafür. Die bekommen die Arbeitseinteilung z. Bs.wenn neue Nachricht von dpa aus Ungarn kommt, dann sofort ohne zu kontrollieren in die Presse setzen. Schade und sehr schade..

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