Nationalfeiertag in Paris
Alle marschieren im französischen Takt

Frankreichs neuer Präsident Sarkozy macht aus dem Nationalfeiertag ein europäisches Fest: Erstmals nahmen Militärs aller 27 EU-Mitgliedstaaten an der traditionellen Parade teil – in französischem Takt. Sarkozys Botschaft: Ein Bekenntnis zu Europa, kombiniert mit französischem Führungsanspruch.

PARIS. Aus der Luft betrachtet bilden die Europäer ein perfektes V auf den Champs Elysées. Ein Portugiese mit dem blauen Sternenbanner der EU führt den Zug an. Dahinter tragen Militärs aller 27 EU-Mitgliedstaaten ihre nationalen Flaggen und Uniformen zur Schau. Der Spanier zeigt Brustbehaarung unter dem offenen khakifarbenen Hemd. Der Bulgare trägt reiche Goldtressen auf rotem Uniformstoff. Der Däne verschwindet fast unter einer riesigen schwarzen Pelzmütze. Der Grieche schwenkt bei jedem Schritt die Arme gen Himmel. Der Pole marschiert stocksteif mit gestrecktem Bein. Erlaubt ist, was Europas Nationen gefällt an diesem 14. Juli in Paris.

Bei aller Vielfalt gilt doch eine gemeinsame Regel. Die Uniformierten aus ganz Europa müssen sich dem französischen Tempo anpassen und 120 Schritte pro Minute machen. „Alle marschieren nach französischem Rhythmus“, freut sich tagsdrauf die Pariser Sonntagspresse. Das gefällt auch dem Gastgeber. Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy hat seinen ersten Nationalfeiertag im neuen Amt in ein europäisches Fest verwandelt.

Erstmals führen Kontingente aus den 27 EU-Staaten die Militärparade an, erstmals sind die vier höchsten Repräsentanten Europas geladen: Der portugiesische Regierungschef und EU-Ratspräsident José Sócrates, EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, der EU-Parlamentspräsident Hans-Gert Pöttering und der außenpolitische EU-Repräsentant Javier Solana sitzen zur Rechten des französischen Staatsoberhauptes auf der Ehrentribüne. Dort lauschen sie der von einem Knabenchor vorgetragenen Europahymne „Ode an die Freude“. Sie hören, wie ein jugendlicher Chorsänger einen Auszug aus jener Erklärung verliest, mit der Frankreichs Außenminister Robert Schuman 1950 die Gründung der Europäischen Gemeinschaft einleitete. Und sie verlassen am Ende der Zeremonie gemeinsam mit Sarkozy die Tribüne, um allen 27 europäischen Fahnenträgern die Hand zu schütteln.

So verbeugt sich Frankreichs Präsident vor Symbolen, welche die EU eigentlich gar nicht mehr hat. Briten, Polen und Holländer hatten erst beim EU-Gipfel im Juni dafür gesorgt, dass die europäische Hymne aus dem EU-Vertrag verschwindet. Den Europaskeptikern hat es Sarkozy an diesem 14. Juli mal so richtig gezeigt – und zwar auch im eigenen Land: „Ich wünsche, dass Frankreich auf die Bühne Europas zurückkehrt und dass Europa in Frankreich präsent ist.“

So will der Präsident endgültig vergessen machen, dass seine Landsleute 2005 in einer Volksabstimmung die EU-Verfassung ablehnten und die EU damit in eine schwere Krise stürzten. Zugleich meldet Sarkozy seinen Führungssanspruch an. Zu gern würde es der Staatschef immer so halten wie an diesem Nationalfeiertag, zu gerne würde er immer in Europa den Takt angeben. Das bekamen die Finanzminister der Eurozone erst vor einer Woche zu spüren, als Sarkozy seinen eigenen, langsameren Rhythmus vorgab für die Sanierung der Staatsfinanzen. Das Staatsoberhaupt hat schließlich Ausgaben, auch am 14. Juli. Das Popkonzert zu Füßen des Eiffelturms mit Interpreten aus mehreren europäischen Ländern schlug im Staatshaushalt mit drei Mill. Euro zu Buche.

Die europäische Symbolik kommt noch vergleichsweise preiswert im Vergleich zu den gerade von der Pariser Regierung beschlossenen Steuererleichterungen im Umfang von 13 Mrd. Euro. Und Sarkozy denkt nach über weitere Großausgaben: Ein neuer französischer Flugzeugträger ist im Gespräch. Kostenpunkt für die Staatskasse: Mindestens 2,8 Mrd. Euro. Auch militärisch würde sich Sarkozy gerne an die Spitze des Europäischen Zuges setzen. Die europäische Verteidigungspolitik „kommt überhaupt nicht voran“, klagte er schon öfter. Gut möglich, dass Sarkozy seine EU-Präsidentschaft 2008 nutzt, um die EU zu seinem neuen verteidigungspolitischen Anlauf zu animieren. „Vielleicht wird er irgendwann von einer europäischen Armee sprechen“, orakelt „Le Monde“. Die europäische Militärparade vom 14. Juli 2007 weist in die Zukunft.

Ruth Berschens leitet das Korrespondenten-Büro in Brüssel.
Ruth Berschens
Handelsblatt / Büroleiterin Brüssel
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