Nationalfeiertag und Staatsbesuch
Ungarn macht Pause von der harten Realität

Ungarn macht im Moment die schwerste Zeit nach dem Zusammenbruch des Kommunismus durch. Neben den Folgen der Wirtschaftskrise leidet das Land auch unter einer massiven innenpolitischen Polarisierung. Der National-Feiertag zur Massenflucht der DDR-Bürger vor 20 Jahren und hoher Staatsbesuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel kommen da gerade recht, um sich abzulenken.

SOPRON. Endlich einmal ein Anlass zum Luftholen für die Ungarn: Das wirtschaftlich schwer angeschlagene Land begeht am Donnerstag seinen Staatsfeiertag, der Brückentag am Freitag ist auch gleich frei. Und dann kommt noch hoher Besuch ins Land. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich am Mittwoch bei Staatspräsident Laszlo Solyom zum 20. Jahrestag des "Pannonischen Frühstücks" dafür bedankt, dass die Ungarn an der Grenze zu Österreich die erste Massenflucht von DDR-Deutschen toleriert haben.

Ungarn macht im Moment die schwerste Zeit nach dem Zusammenbruch des Kommunismus durch. Weil im Herbst vergangenen Jahres wegen der hohen Auslandsverschuldung ein Staatsbankrott drohte, mussten der Internationale Währungsfonds (IWF) und die EU mit einem 20 Milliarden Euro schweren Hilfspaket aushelfen. Die ungarische Regierung hat darauf mit einem drastischen Sparprogramm reagiert, außerdem mussten sich die Ungarn auf kräftige Steuererhöhungen einstellen. In diesem Jahr wird die Wirtschaft des Landes um gut sechs Prozent schrumpfen, die Folgen sind wachsende Arbeitslosigkeit und eine steigende Zahl von Firmenpleiten. Ungarn leidet zudem unter einer hohen politischen Instabilität.

Die Feiern zum Jahrestag der Grenzöffnung sind für die politische Elite des Landes ein willkommener Anlass, mit dem Ausflug in die Vergangenheit für kurze Zeit von den drängenden aktuellen Problemen ablenken zu können. "Der Fall des Eisernen Vorhangs hat uns zurückgebracht in den Westen, zu dem wir schon immer gehört haben", sagt etwa Staatspräsident Solyom.

Gleich drei Tage wird in Sopron an der ungarisch-österreichischen Grenze mit Gedenkveranstaltungen an das "Pannonischen Frühstück" erinnert. Vor 20 Jahren wollten österreichische und ungarische Politiker den Abbruch der Sperranlagen feiern und die Gemeinsamkeiten der Grenzregion Pannonien aufleben lassen. Mehr als 600 DDR-Bürger nutzten damals die Gunst der Stunde und flüchteten nach Österreich. Obwohl die Sperranlagen abmontiert waren, gab es im August 1989 noch keine freie Grenze nach Österreich. Die ungarische Grenzpolizei kontrollierte weiter und schickte fluchtwillige DDR-Deutsche zurück.

Ungarn leidet heute außer unter der Wirtschaftskrise unter einer massiven innenpolitischen Polarisierung. Der seit dem Frühjahr amtierende Ministerpräsident Gordon Bajnai hat im Parlament nur eine wacklige Mehrheit und ist in der Bevölkerung nicht sonderlich beliebt. Sozialisten und Liberale tolerieren den parteilosen Wirtschaftsfachmann nur deshalb noch, weil sie im nächsten Jahr bei den turnusmäßigen Wahlen mit massiven Stimmenverlusten rechnen müssen und ihren Einfluss verlieren werden.

Seite 1:

Ungarn macht Pause von der harten Realität

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%