Nationalkonservative bauen um: Kampf um nationale Medien und die Meinung in Polen

Nationalkonservative bauen um
Kampf um nationale Medien und die Meinung in Polen

Neue Gesichter in den öffentlich-rechtlichen Medien, Angst um Arbeitsplätze: Nach dem Wahlsieg der Nationalkonservativen in Polen ist der Kampf um die Meinung der Polen im Gang. Auch das Ausland wird ins Visier genommen.

WarschauDer neue Fernsehchef Jacek Kurski ist erst seit ein paar Tagen im Amt, doch der öffentlich-rechtliche Fernsehsender TVP zeigt bereits Veränderungen. Im Hintergrund der Hauptnachrichtensendung „Wiadomosci“ ist nicht mehr der Warschauer Kulturpalast zu sehen, sondern das alte Königsschloss. Eine klare Symbolik: Das Schloss, im Zweiten Weltkrieg von den Nationalsozialisten gesprengt, steht für das nationale Erbe Polens, der Kulturpalast für die kommunistische Vergangenheit. „Eine gute Veränderung“, findet der nationalkonservative Politiker und Journalist Kurski.

Piotr Krasko, der bisher die „Wiadomosci“-Sendung geleitet hat, muss sich dagegen nach einem neuen Arbeitgeber umsehen. Er wurde noch am Montagabend entlassen. Neue Chefin der Sendung ist Marzena Paczuszka, eine erfahrene Nachrichtenjournalistin mit Nähe zu den mit absoluter Mehrheit regierenden Nationalkonservativen.

Der Kampf um die Meinung der Polen wird nicht erst seit der Parlamentswahl oder dem Regierungsantritt der Nationalkonservativen vor fast zwei Monaten geführt. Viele Journalisten bezogen seit jeher klar Stellung im politischen Streit. Die klassische Trennung von Nachricht und Kommentar blieb dabei oft auf der Strecke. Zudem boykottierten in der Vergangenheit nationalkonservative Politiker etwa das von ihnen heftig kritisierte Programm des Journalisten Tomasz Lis und standen lieber Sendern wie dem nationalkonservativen TV Republika oder dem rechtskatholischen TV Trwam für Interviews zur Verfügung.

Namentlich will sich derzeit kaum ein Journalist der öffentlich-rechtlichen Medien äußern. Schließlich deutete der stellvertretende Regierungschef Piotr Glinski bereits an, alle Mitarbeiter sollten auf ihre „Objektivität“ geprüft werden. „Ob ich in drei Monaten noch meinen Arbeitsplatz habe? Ich weiß es nicht“, sagt ein Radioreporter. Die Unsicherheit in den Redaktionen sei groß.

Bei dem nationalkonservativen Printmagazin „ABC“ glaubt man mehr zu wissen. „Das polnische Fernsehen wird wichtige historische Debatten initiieren, sich um die Verbreitung von Werten und patriotischen Traditionen kümmern, einen bewussten Bürger schaffen und nicht nur einen Konsumenten“, heißt es dort über Kurskis Pläne.

Seite 1:

Kampf um nationale Medien und die Meinung in Polen

Seite 2:

Regierung plant „Re-Polonisierung“ der Medien

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%