Nationalversammlung

Raúl Castro pocht auf Kubas Souveränität

Die Beziehungen zwischen den USA und Kuba verbessern sich langsam. Doch eine Einmischung in innere Angelegenheiten verbittet sich der Staatschef. Raúl Castro fordert ein Ende des Embargos und die Rückgabe von Guantánamo.
Kubas Präsident Raul Castro vor der Nationalversammlung in Havanna. Quelle: ap
Raul Castro

Kubas Präsident Raul Castro vor der Nationalversammlung in Havanna.

(Foto: ap)

HavannaEin Jahr nach Beginn der vorsichtigen Annäherung an den einstigen Erzfeind USA hat der kubanische Präsident Raúl Castro die Souveränität der sozialistischen Karibikinsel betont. Damit der Normalisierungsprozess weitergehen könne, müsse die US-Regierung Kubas Recht anerkennen, sein wirtschaftliches, politisches und soziales Modell selbst zu wählen, sagte der Staatschef am Dienstag vor der Nationalversammlung.

„Niemals werden wir Bedingungen akzeptieren, die die Souveränität und Würde des Vaterlands beschneiden“, sagte Castro. „Es darf keine Einmischung in innere Angelegenheiten geben.“ Laut dem Nachrichtenportal Cubadebate forderte der Staatschef die Aufhebung des US-Handelsembargos gegen Kuba und die Rückgabe der Marinebasis Guantánamo.

Washington und Havanna hatten am 17. Dezember 2014 eine historische Wende in ihren seit Jahrzehnten schwer belasteten Beziehungen eingeleitet. Diese sollen nun allmählich normalisiert werden. Im Juli wurden Botschaften in beiden Hauptstädten wiedereröffnet.

Kuba strebt Wirtschaftswachstum von zwei Prozent an

Auch gegenüber dem Rest der Welt wolle sich Kuba neu positionieren, sagte Castro vor dem Parlament, das zweimal im Jahr zusammentritt. Die wirtschaftlichen und finanziellen Beziehungen zu anderen Ländern würden nun in eine neue Etappe eintreten.

Deutlichster Beweis für die neue Richtung sei der jüngste Schuldenerlass des Pariser Clubs. Die Gläubigerstaaten hatten Kuba Mitte Dezember Schulden in Höhe von vier Milliarden US-Dollar erlassen. Das Abkommen ermögliche Kuba einen besseren Zugang zu den Kapitalmärkten, um Investitionen zu finanzieren, sagte Castro der Nachrichtenagentur Prensa Latina zufolge.

Im kommenden Jahr strebt das Land ein Wirtschaftswachstum von zwei Prozent an. 2015 hatte die Volkswirtschaft des sozialistischen Karibikstaats noch vier Prozent zugelegt. „Mitten in der weltweiten Krise zu wachsen, ist etwas Positives. Und zwei Prozent Wachstum im kommenden Jahr sind auch gut“, sagte Wirtschafts- und Planungsminister Marino Murillo.

Flucht aus dem Paradies
Eine neue Ära
1 von 10

Eine amerikanische Flagge weht über der wiedereröffneten US-Botschaft. Zehntausende ausländischer Besucher sind in den vergangenen Monaten durch die Pflasterstein-Straßen von Alt-Havanna geschlendert. Zugleich erlebt Kuba einen Exodus wie seit mehr als drei Jahrzehnten nicht mehr. Die Menschen versuchen, ihre bevorzugte Behandlung bei der Bewerbung um eine US-Staatsbürgerschaft zu nutzen, solange es diese noch gibt.

Wiederannäherung
2 von 10

Vor einem Jahr – am 17. Dezember 2014 – verkündeten die Präsidenten Raúl Castro und Barack Obama die Wiederannäherung der seit dem Kalten Krieg verfeindeten Länder. Seitdem hat sich Kuba verändert - zum Guten wie zum Schlechten. Das Land, in dem die Zeit stehengeblieben schien, steht vor tiefgreifenden Änderungen und einer ungewissen Zukunft.

Hoffnung auf mehr Freiheit
3 von 10

Vor allem bei Menschen, die Geld, Besitz oder Verbindungen haben, ist überschäumender Optimismus greifbar, dazu die Erwartung von mehr Wohlstand und neuen Freiheiten.

Sorgen der Armen
4 von 10

Bei den anderen – den Armen, den Alten, all jenen, die ihr Leben dem kommunistischen System gewidmet hatten – haben die Ankündigungen der beiden Präsidenten vor einem Jahr Angst und Sorge ausgelöst.

Ende der Isolation
5 von 10

Hotels, private Pensionen und elegante Restaurants sind voll, Hunderte weitere sollen im kommenden Jahr eröffnet werden. Die lange Isolation des Landes schwindet.

Der Papst zu Gast
6 von 10

Papst Franziskus (hier mit Fidel Castro) machte im September auf seinem Weg in die USA in Kuba Station. US-Außenminister John Kerry persönlich nahm die Wiedereröffnung der amerikanischen Botschaft im August vor.

Hoffnung auf weitere Ankündigungen
7 von 10

Alle, die vom Ende der Eiszeit zwischen den USA und Kuba profitiert haben, hoffen zum Jahrestag auf weitere Ankündigungen des Präsidenten, um die Beziehungen weiter zu normalisieren – wie etwa kommerzielle Flüge, direkten Postverkehr oder sogar einen Besuch von Obama in der ersten Hälfte des kommenden Jahres.

Kuba wolle die Produktion steigern und die Importe senken, sagte er. „Alles, was wir in Kuba produzieren können, sollten wir auch hier herstellen“, sagte Murillo vor den Abgeordneten in Havanna. „Es ist besser, Rohstoffe zu importieren und sie hier weiterzuverarbeiten, als die fertigen Produkte auf dem Weltmarkt zu kaufen.“

Trotz des soliden Wachstums im ausklingenden Jahr blieben die Landwirtschaft, die Zucker-Industrie sowie das Bau- und Transportwesen hinter den Erwartungen der Regierung zurück. Der Staat werde künftig stärker in gewinnbringenden Sektoren wie Tourismus, Biotechnologie und Energie investieren, kündigte Minister Murillo an.

  • dpa
Startseite

Mehr zu: Nationalversammlung - Raúl Castro pocht auf Kubas Souveränität

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%