Nato-Einsatz in Afghanistan
Französische Geisel in Afghanistan freigelassen

Die afghanischen Taliban-Extremisten haben eine französische Geisel nach fünfwöchiger Gefangenschaft freigelassen.

HB KANDAHAR. Die Entscheidung sei als Geste gegenüber dem künftigen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy gedacht, teilte ein Sprecher der radikal- muslimischen Gruppe der Nachrichtenagentur Reuters per Telefon von einem unbekannten Ort mit. „Der Rat der Taliban hat dies beschlossen, weil der neu gewählte Präsident gesagt hat, Frankreich werde einen Abzug seiner Truppen erwägen.“

Frankreichs Außenminister Philippe Douste-Blazy bestätigte die Freilassung von Eric Damfreville, einem Mitarbeiter der Hilfsorganisation „Terre d'Enfance“.

Den Taliban zufolge wurde die Geisel in der südlichen Provinz Kandahar an einheimische Stammesälteste überstellt. Diese hätten den Mann an das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) übergeben. Der Sprecher sagte nichts über das Schicksal der drei Afghanen, die sich noch in ihrer Gewalt befinden.

Damfreville war Anfang April mit den drei afghanischen Begleitern sowie einer französischen Kollegin verschleppt worden. Die Frau wurde Ende April freigelassen. Die Geiselnehmer hatten einen Abzug der etwa 1100 französischen Soldaten aus Afghanistan und die Freilassung inhaftierter Taliban-Mitglieder gefordert. Andernfalls würden die Geiseln getötet.

Die Extremisten hatten ihre Frist zur Erfüllung der Forderungen wiederholt wegen der Präsidentenwahl in Frankreich verschoben, zuletzt am Montag. Sarkozy habe dringende innenpolitische Angelegenheiten zu regeln, erklärten sie. Ursprünglich sollte die Frist in der Nacht vor der Stichwahl um das Präsidentenamt am Sonntag ablaufen. Sarkozy siegte über die Sozialistin Segolene Royal.

Im März hatten die Taliban nach einem heftig kritisierten Gefangenenaustausch einen italienischen Journalisten freigelassen, dessen beide afghanischen Begleiter jedoch getötet. Die Regierung in Kabul hatte zwar für den Italiener wie gefordert Taliban-Häftlinge freigelassen, nicht aber für dessen Dolmetscher. Sein Fahrer war bereits zuvor enthauptet worden.

Frankreich beteiligt sich wie Deutschland an dem Nato-Einsatz in Afghanistan, der das Land stabilisieren soll. Im Süden kommt es regelmäßig zu Kämpfen zwischen Taliban und Nato-Truppen. Die deutschen Soldaten sind im relativ ruhigen Norden stationiert.

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