Nato ginge nicht gänzlich unvorbereitet in Türkei-Einsatz
Die Puzzleteilchen liegen bereit

Nato-Generalsekretär George Robertson ist nach eigenem Bekunden ein Optimist, auch wenn das gestern nach außen kaum sichtbar war.

HB DÜSSELDORF. Er glaubt – natürlich schon von Amts wegen – fest daran, dass die jetzige Krise der Nato das Bündnis nicht dauerhaft schädigen kann, selbst wenn sie zur wohl schwersten seit Ende des Kalten Krieges eskalieren könnte.

Er begründet seine Zuversicht damit, dass die Allianz stets dann, wenn sie gefordert worden sei, funktioniert habe. Er verweist dabei gerne auf die verschiedenen Nato-Engagements auf dem Balkan, aber auch auf die massive Unterstützung der 1991 im Krieg gegen den Irak kämpfenden Koalition.

Man mag die Auffassung des höchsten politischen Nato-Repräsentanten teilen oder nicht, fest steht, dass das Bündnis nach dem 11. September 2000 rasch begonnen hatte, sich insbesondere strukturell auf die durch den internationalen Terrorismus heraufbeschworenen Herausforderungen vorzubereiten. Zudem konnte der uralte Streit über Einsätze auch außerhalb des Nato-Gebiets – „out of area“ – weitgehend geschlichtet werden. Solche Aktivitäten, die schließlich auch die nationalen Budgets tangieren, hätten die Partner kaum unternommen, wenn sie das Bündnis grundsätzlich in Frage stellen würden.

Schon Mehrfach Krisenstimmung

Krisenstimmung herrschte in der Nato schon mehrfach: Erinnert sei vor allem an das Jahr 1967, als Frankreich die militärische Integration aufkündigte, was aber sein Engagement etwa in Jugoslawien nicht beeinträchtigte. Auch die Dissonanzen Ende der 70er- und Anfang der 80er-Jahre über die Stationierung neuer Mittelstrecken in Europa hinterließen mittel- und langfristig keine negative Wirkung.

Nicht zuletzt: Die Tatsache, dass die mittel- und osteuropäischen Staaten nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion auf eine möglichst rasche Aufnahme in die Nato drängten, zeigt, dass sie das Bündnis trotz aller Querelen und Mängel als Sicherheitsgarantie betrachten.

Nicht vergessen werden darf, dass die gegenwärtige Krise nicht die militärische Qualität des Bündnisses tangiert. „Wir sind nicht nervös“, meint denn auch ein Offizier im Nato-Hauptquartier (Shape) im belgischen Mons. Dort wartet man gelassen ab, wann aus Brüssel der Auftrag zur Erstellung eines Planes zum Schutz der Türkei erteilt wird. „Und dann kann uns das nicht überraschen“, heißt es. Es wird aber Wert auf die Feststellung gelegt, dass im aktuellen Fall der Türkei keine fertigen Blaupausen in den Schubladen liegen. Den Primat der Politik wollen die Militärs auf keinen Fall unterlaufen.

Allerdings: Durch permanente Beurteilung verschiedener möglicher Szenarien rund um den Globus verfüge man über die entsprechenden Parameter: „Die Puzzleteilchen liegen parat, sie müssen nur noch zusammengeschoben und das Bild dann abgestimmt werden.“ Und dies könne im Falle eines Falles sehr rasch durchgeführt werden.

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