Nato-Gipfel
Nichts geht mehr in Straßburg

24 000 Polizisten und die Angst vor Randale und Anschlägen: Ein gigantischer Sicherheitsaufwand verwandelt die Region um Straßburg und Baden-Baden während des Nato-Gipfels in eine Hochsicherheitszone. Für Barack Obamas ersten Deutschland-Besuch als Präsident gehen die Behörden auf Nummer sicher.

HB STRASSBURG. Zumindest einen unerwarteten Gewinner des Nato-Gipfels gibt, den Wirt der Kneipe „Au cerf“ nahe der Rheinbrücke in Straßburg. Denn nichts geht mehr vor der Brücke nach Kehl. Deutsche Journalisten kaufen „beim Hirschen“ deshalb einen Kaffee nach dem anderen. Seit Stunden warten sie, um über die Grenze nach Deutschland zu kommen. Schließlich steht in Baden-Baden die Pressekonferenz von Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Barack Obama an.

Ein deutsch-französischer Grenzwechsel? Das klingt einfach im Jahr 2009 und im Schengen-Raum. Das scheint unkompliziert, weil das Bundespresseamt selbst die Fahrt organisiert hat und Deutschland einer der beiden Organisationen des Nato-Gipfels ist. Ohnehin dürfen nur 30 deutsche Journalisten und 30 amerikanische Kollegen an der Pressekonferenz teilnehmen, um Obama zu sehen. Die Aufgabe scheint lösbar.

Trotzdem hat das Amt selbst fünf Stunden für die knapp 40 Kilometer angesetzt. Prompt endet die Fahrt das erste Mal schon in Straßburg an der Autoauffahrt zur A35. Der dort stationierte französische Polizist hinter der provisorischen Absperrung will partout keine Autos durchlassen. Leider, leider, sagt er, sind auf der voll gesperrten Autobahn schon offizielle Delegationen Richtung Baden-Baden unterwegs. Dann folgt die Wartezeit „beim Hirschen“.

Die kleine Episode ist nicht dramatisch, aber symptomatisch für den Organisationsaufwand und das Chaos bei einer Großveranstaltung wie dem Nato-Gipfel. 15 000 Polizisten sollen allein auf deutscher Seite für Sicherheit sorgen. In Frankreich sollen es 9 000 sein. Die Nervosität ist groß nach den Unruhen in der Londoner City beim G20-Gipfel. Während es in Baden-Baden bisher ruhig blieb, wurde am Donnerstagabend 300 Demonstranten auf einer Anti-Nato-Kundgebung festgenommen, bei der Steine flogen.

Dass Deutschland und Frankreich den Nato-Gipfel gemeinsam und dann noch in verschiedenen Städten ausrichten, macht die Lage nicht einfacher. Seit Tagen wird deshalb nicht nur eine Stadt in Belagerungszustand versetzt, sondern eine ganze Region.

Und wie beim G8-Gipfel in Heiligendamm oder dem Besuch von George W. Bush in Mainz 2005 sorgt die Angst vor Krawallen erneut für eine gigantische Überorganisation. Das Prinzip ist einfach: Weil befürchtet wird, dass gewalttätige Demonstranten die Rheinbrücken besetzen, blockiert die Polizei sie selbst. Die Folge für alle Normalsterblichen ist in etwa dieselbe – nichts geht mehr. Schon seit Tagen werden die Straßburger gewarnt, welche Straßen komplett gesperrt sein werden.

Seite 1:

Nichts geht mehr in Straßburg

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%