Nato-Gipfel Vom Freund zum Feind

Die Nato will mehr Präsenz in Osteuropa zeigen. Auf dem heutigen Gipfel bereiten die Mitglieder den Weg für eine schnelle Eingreiftruppe. Abkommen mit Russland sollen dabei nicht gebrochen werden. Doch funktioniert das?
73 Kommentare
Eine russische Atomrakete: Russland gerät immer stärker in Konflikt mit der Nato. Quelle: dpa

Eine russische Atomrakete: Russland gerät immer stärker in Konflikt mit der Nato.

(Foto: dpa)

DüsseldorfEs waren große Worte, die US-Präsident Obama bei seinem Besuch gestern im Baltikum gen Russland richtete. Vom „Zusammenstehen“ sprach er und davon, dass Russland einen hohen Preis für seine Aktionen bezahlen müsse und von einer Nato, die jetzt bereit sei mehr zu tun. Die Regierungschefs der ehemaligen Sowjetstaaten Estland, Lettland und Litauen dürften bei diesen Worten aufgeatmet haben. Sorgen sie sich doch, dass Russland nach der Intervention in der Ukraine nun auch vor ihren Landesgrenzen keinen Halt machen wird.

Seit Wochen lautet ihre Botschaft: Die Nato müsse den Willen zeigen, die östlichen Mitgliedstaaten im Falle einer russischen Aggression schnell zu verteidigen. Doch genau das - eine sofortige militärische Reaktion - dürfte bei den derzeitigen Strukturen im Osten schwierig sein. Denn die Stationierung anderer Nato-Truppen  in den östlichen Mitgliedsländern war bisher aus Rücksicht auf Russland tabu.

Auf dem heutigen Nato-Gipfel im walisischen Newport werden die 28 Mitgliedstaaten ihre Strategie deshalb neu justieren. Das Verteidigungsbündnis muss Antworten finden auf eine neue alte Bedrohung. Russland, das hat die designierte EU-Außenbeauftragte Frederica Mogherini, zuletzt deutlich gemacht, ist kein strategischer Partner mehr. Heute wird sich die Nato ihre originäre Aufgabe zurückbesinnen – die Verteidigung des Bündnisgebiets.

Einige Militärs dürfte das nicht einmal stören. Immerhin weiß das Bündnis jetzt wieder, wer der Böse ist. Doch Claudia Major, stellvertretende Leiterin der Forschungsgruppe Sicherheitspolitik der Stiftung Wissenschaft und Politik, warnt, die Nato müsse jetzt die Balance finden, zwischen einer glaubhaften Rückversicherung der Nato-Mitglieder und einer Neuausrichtung, die Russland möglichst wenig provoziert.

Der Aktionsplan, den die Nato-Botschafter in den vergangenen Wochen ausgearbeitet haben und der nun in Wales zur Abstimmung auf dem Tisch liegt, soll deshalb unbedingt bestehende Vereinbarungen mit Russland einhalten.

Der  Plan sieht vor, die Nato-Präsenz in den östlichen Mitgliedstaaten zu stärken und eine schnelle Eingreiftruppe aufzubauen. Kampftruppen soll in Zukunft innerhalb weniger Tage einsatzfähig sein und ihren Standort rotieren - bisher dauert dies mehrere Monate. Voraussetzung dafür ist die Lagerung von Versorgungsgütern und Rüstungsdepots in den östlichen Mitgliedsländern, die Verfügbarkeit von Kommandozentralen und die Anwesenheit von Logistikexperten. Über die Details werden Militärs in den nächsten Wochen entscheiden.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Russland ist kein Partner mehr
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Nato-Gipfel - Vom Freund zum Feind

73 Kommentare zu "Nato-Gipfel: Vom Freund zum Feind"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • @Frau mona mariposa

    aus dem empfohlenem Artikel:
    Putins Gegenwehr kam eigentlich alles andere als überraschend. Immerhin war der Westen, wie Putin nicht müde wurde zu betonen, in den Hinterhof Russlands vorgedrungen und hatte dessen strategische Kerninteressen bedroht.

    Die Staaten wie Georgien, Polen und die Baltischen Staaten als sein Hinterhof zu bezeichnen, kennzeichnet Putins Einstellung. Eine gütliche Einigung im Ukraine Konflikt erscheint mir als sehr schwierig.

    Dieser Artikel betrachtet alles ohne Demokratieverständnis und Eigenstaatlicher Unabhängigkeit. Es geht hauptsächlich darum ein Verständnis für Putins Expansionspolitik zu machen.

    Artikel:
    Einer russischen Zeitung zufolge ließ Putin in einem Gespräch mit Bush durchblicken, „dass die Ukraine, sollte sie in die NATO aufgenommen werden, aufhören werde zu bestehen“.

    Schönen Abend noch.

  • @Herr net shadow

    (...)
    Als brutaler Pragmatiker ist mir darum jede Ideologie im Prinzip fremd und nicht nachvollziehbar, sicherlich sehe ich auch eigene Vorteile und versuche sie, natürlich nur im gewissen Rahmen, durchzusetzen. Aber im destruktiven Verhalten der USA, EU und NATO sehe ich weder für mich persönlich noch für die Masse der betroffen westlichen Bürger einen Vorteil, sondern viel zu viele Nachteile. Mich interessiert also gar nicht so sehr was es für Russland bedeutet oder nicht bedeutet, sondern was es für mich, aber vor allem für die, die nach mir kommen bedeutet.

    (...)

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Tonkin Zwischenfall. Schweinebucht. Iraks WMD. Libyen. Jugoslawien. Kosovo. Und jetzt eben die Ukraine... mehr braucht nicht gesagt zu werden. Dann ist klar: Die NATO ist der Feind Russlands. Die NATO braucht Russland als Feindbild. Die NATO ist die operante Instrumentalisierung der blödsinnigen und verblendeten Europäer, die inständig hoffen, endlich eine Supermacht zu sein - dabei sollten sie mal bei Brzezinski und Wolfowitz nachschlagen. Und sich ein bisschen mit Geopolitik beschäftigen. Mit Währungen, Finanzsystemen, Leitwährungen, Rohstoffen, etc. Aber die Propaganda, dieses widerliche Trommeln in den MSM lässt die ideologisch Vergifteten jubeln. Aber merke: Im nächsten Krieg werden nicht nur russische und europäische Städte brennen. Erika hat so stolz berichtet, dass sie die Schlafwandler gelesen hätte. Verstanden hat sie den Inhalt offensichtlich nicht. Die dumme Bundes-Uschi, die einen Militärapparat mit einem Kindergarten verwechselt, ein gauckelnder Pfarrer, der schon die Waffen zum Kampf segnet, ein Guttenzwerg, der seine Verblödung bewiesen hat, die Grünsozialisten, die wie früher die Braunsozialisten sich ereifern... da kann man sich doch nur an den Kopf fassen. Diese kriegstreibende Gesinnung... da wird man sprachlos. Aber: Die Dummheit soll man nicht verachten; sie hat einen Hang zum Monumentalen!

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Fortsetzung

    Die NATO bot, direkt nach dem Putsch in Kiew, Experten (besonders gerne in der Tagesschau) auf, die einfach behaupten, es gelte ein "Effektivitätsprinzip". Da die neue "Putschregierung" nun mal an der Macht sei, müsse man sie auch als solche behandeln. Seltsam, dass man das bei den vom Volk gewählten Vertretern auf der Krim oder im Südosten der Ukraine nicht gelten lässt. Da ist das Referendum auf der Krim, das im Gegensatz zu den Nazi-„Regierung“ in Kiew nun wirklich eine demokratische Wahl ist, plötzlich illegal und verfassungswidrig. Da gibt es kein Effektivitätsprinzip mehr und keine revolutionäre Situation. So sehen die Doppelstandarts der NATO und der Bundesregierung aus. GroKo als Großes K...tzen zu übersetzen hat wohl doch seine Berechtigung.

    Im logischen Umkehrschluss hieße das also, die Neurussen müssten sich nur an die Macht in Kiew kämpfen, die Regierung stellen und das Effektivitätsprinzip würde dann auch für sie gelten nach perfider und verlogener NATO-Logik!

    Merkt Ihr EUSA-Schreiber eigentlich noch irgend etwas?!

    Noch ein tolles Beispiel:
    Mit der Anerkennung des Übergangsrats der Rebellen als legitime Vertretung des libyschen Volkes folgte Deutschland dem Beispiel Frankreichs, Großbritanniens und Italiens.
    Oberst Gaddafi, der bis dahin von Deutschland anerkannte Führer Libyens, habe wegen des Krieges gegen das eigene Volk jede Legitimation verloren, so die Begründung.

    Muaaah, und was macht Deutschland mit dem “Oberst Poroschenko“ und seinem Adjudanten „Jaz“ in der Ukraine?! Es kann gar nicht genug Geld ins Gedärm dieser Oligarchen stecken.

    Es gibt keine Instanz die völkerrechtliche Kontroversen politisch durchsetzen kann, also entscheidet am Ende die Machtpolitik.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • @Herr net shadow
    “Das war eine interne Angelegenheit der Ukraine, wo sehen Sie da ein völkerrechtliches Argument?“

    (...)
    Selbstverständlich ist es nach dem Völkerrecht explizit verboten sich in die inneren Angelegenheiten einzumischen und einen Putsch gegen eine legitime Regierung zu finanzieren und zu orchestrieren! Dieser Fakt ist hinlänglich eruiert und beweisbar und steht am Anfang der völkerrechtswidrigen Geschehnissen in der Ukraine!

    Russlands Präsident Putin hat dem Westen gezeigt, dass er nicht in deren NATO-zentrischer Phantasie-Welt lebt und nicht unter deren autistischer Vorstellung leidet, der kapital-militärisch-industrielle Komplex befehlige die ganze Welt. Die NATO entschiede was „Gut und Böse“ ist. Als ob die Welt so einfach und wir alle so naiv wären. Die NATO hingegen ist dummfrech genug, offensichtliche Fakten ins Gegenteil zu verdrehen. Sie verlässt sich auf ihre Konzern- und Staatsmedien und ist schließlich keiner Moral und Ethik verpflichtet. Die Methoden der Propaganda: a) Sie verwendet grundsätzlich keine Argumente, sondern Phrasen zur Stimmungsmache. Putin wird als Aggressor und Dämon, Janukowitsch als Schlächter personalisiert; die Nazis von Kiew als Regierung, legitim, Freiheitskämpfer, Heilige und Helden. Die NATO-Propaganda verschweigt b) alle maßgeblichen Hintergrund-Fakten, wie die imperialistische Einkreisungspolitik gegen Russland oder der Verlust des Zugriffs der Angelsachsen auf das russische Öl oder, dass EU-Boss Martin Schulz am 27. 2. 2014 über die politischen Morde
    (Maidan) in der Ukraine informiert wurde. Deshalb ist es wichtig, Mythen und Realität scharf zu trennen; die Ursachen und den Beginn des Konfliktes niemals zu vergessen.

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

    Fortsetzung

  • Fortsetzung

    Mit Sicherheit nicht der Westen, der die eigenen Bevölkerungen psychologisch auf den Feind Russland konditioniert hätte. Keine menschliche Hammelherde, einmal im Laufen, könnte derart abrupt zu einer Kehrtwende bewegt werden und plötzlich, den vorher bekämpften Feind, den „guten alten Freund“ Russland verteidigen. Wer so etwas glaubt hat von Massenpsychologie absolut gar keine Ahnung. Eine zweite vorherige Variante und schon mit Erfolg gekrönte Variante ist, die Chinesen lassen die Lage erst gar nicht zu einem russischen Systembruch eskalieren und stabilisieren Russland mit allen wirtschaftlichen und militärischen Mitteln die Ihnen notwendig erscheinen. Denn eines sollte den naiven bis destruktiven EUSA-Schreibern bewusst sein, die Chinesen wissen sie wären die nächsten den es an den Kragen ginge und im eigenen existenziellen Interesse werden sie das schon im Vorfeld zu verhindern wissen.

    Ab und zu sollte man auch mal über den weltpolitischen Tellerrand hinaus blicken!
    Es wäre in unserem europäischen Interesse den hegemonialen Absichten gewisser Leute die rote Karte zu zeigen, es gibt viel bessere Möglichkeiten eine echte Partnerschaft mit Russland aufzubauen und Russland demokratischer und rechtsstaatlicher zu machen.

  • Es ist bildungsfern und total wider jeglicher Intelligenz, davon auszugehen der Plan des Westens kann gelingen und Russland wird sich unterhalb der tatsächlichen Führungsebene des Westens eingliedern lassen. Das ganze Gerede von Partnerschaft blablabla kann man sich schenken, es ist zu eindeutig worauf es hinauslaufen soll. Ich streite nicht ab, dass der Westen unter größten Anstrengungen Russland in eine ausweglose Lage manövrieren könnte, nur gibt es dann weitaus mehr als nur eine Option! Glaubt irgendjemand tatsächlich China könnte es sich leisten dabei ruhig zuzuschauen wie Russland wirtschaftlich ruiniert und politisch am Boden, und so sehen doch die feuchten Träume der EUSA-Schreiber aus, in den Machtblock des Westens eingebunden wird?! Gerade die USA sind dafür bekannt bei allen ihren weltpolitischen Unternehmungen die Dinge nicht vom Ende her zu denken und aus diesem Grund immer und immer wieder auf die Schnauze zu fallen, sie richten permanent größtes Unheil in der Welt an und finden dennoch immer wieder dumme Europäer die sie jedes mal bei dieser destruktiven Weltpolitik unterstützen.

    Es gibt durchaus mehrere Möglichkeiten wie die Chinesen reagieren könnten und im Westen für eine weitere Blamage größeren Kalibers sorgen könnten. Die Chinesen könnten im Moment der größten russischen Schwäche sich den kompletten asiatischen und rohstoffreichen Teil Russlands vom Pazifik bis zum Ural, von der chinesischen Grenze bis zum Arktischen Ozean unter den Nagel reißen. Wer könnte das verhindern, wenn Russland selbst dazu gar nicht mehr in der Lage wäre und sich immer noch in der Endphase der Auseinandersetzung mit dem Westen und dessen fünfter Kolonne im eigenen Land befände?!

    Fortsetzung

  • Frau mona mariposa,
    ganz hervorragend. Danke für den Link
    Warum dies nicht in der deutschen Presse und den TV-Medien zur Sprache kommt, erschließt sich mir nicht.
    Offenbar will man Krieg

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%