Nato-Gipfeltreffen
Merkel bestätigt Uneinigkeit mit Hollande

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat auf dem Nato-Gipfel in Chicago bestätigt, dass es „unterschiedliche Positionen“ zwischen ihr und dem französischen Präsidenten Hollande gibt. Es gebe aber auch Kompromissbereitschaft.
  • 4

ChicagoBundeskanzlerin Angela Merkel sieht vor den anstehenden EU-Abstimmungen trotz der Differenzen mit Frankreich Kompromissmöglichkeiten. Die unterschiedlichen Positionen „werden sicherlich auch im Zusammenhang mit den europäischen Diskussionen, die wir ja in dieser Woche auch noch haben, vorkommen können“, sagte sie am Montag in Chicago auf dem Nato-Gipfel. „Aber es gilt der Geist, vernünftige Lösungen zu finden. Mit dem arbeite ich und den habe ich auch beim französischen Präsidenten gespürt“, betonte sie.

Details nannte Merkel nicht. Frankreichs neuer Präsident Francois Hollande hatte aber etwa Euro-Bonds vorgeschlagen, um die Krise in der Euro-Zone zu lösen. Dieser Vorschlag soll auch auf dem informellen EU-Gipfel am Mittwoch in Brüssel gemacht werden. Deutschland lehnt Euro-Bonds jedoch seit langem vehement ab. Die Kanzlerin betonte, dass es auch mit Hollande „eine Kontinuität der guten Zusammenarbeit (gibt), das schließt unterschiedliche Positionen nicht aus“. Zuvor hatte Bundesaußenminister Guido Westerwelle gelobt, dass Frankreich beim Streit um einen vorzeitigen Abzug seiner Truppen aus Afghanistan einen Kompromiss gefunden hat. „Es sich gezeigt: Die deutsch-französische Zusammenarbeit hat sich auch hier in Chicago bewährt“, sagte Westerwelle.

„Das Bekenntnis Frankreichs zu ISAF insgesamt zeigt, dass hier eine sehr große Gemeinsamkeit ist“, fügt Merkel hinzu. Es gebe mit der neuen Regierung in Paris eine „Kontinuität der guten Zusammenarbeit“ - auch trotz unterschiedlicher Positionen.

Doch zunächst hat Hollande bei der Bundesregierung für Erleichterung gesorgt. Der Sozialist hatte im Wahlkampf versprochen, die französischen Kampftruppen schon bis zum Jahresende abzuziehen und damit für Verärgerung bei der Regierung in Berlin gesorgt, die nationales Ausscheren vor dem vereinbarten Ende des ISAF-Einsatz zum Jahresende 2014 verhindern will.

Nur wenige Stunden vor Gipfelbeginn hatte Westerwelle noch vor einem „Abzugswettlauf“ gewarnt, während Merkel das Motto „Zusammen rein, zusammen raus“ beschwor. Nun rückt Hollande zwar nicht von seinem Wahlkampfversprechen ab, aber die Regierung in Paris will den internationalen Einsatz weiter unterstützen: Frankreichs Staatschef versicherte den Partnern in Chicago, sein Land werde im ISAF-Verbund und französische Soldaten als Ausbilder für die afghanischen Sicherheitskräfte im Land bleiben.

„Wir bleiben zusammen, das Bündnis franst nicht aus“, bewertet Westerwelle die Entwicklung zufrieden angesichts der Herausforderungen, vor denen die NATO in Afghanistan steht. Die kommenden zwei Jahre sind für das Gelingen des Einsatzes von höchster Bedeutung: Der komplizierte Abzug von 130.000 Soldaten, rund 70.000 Fahrzeugen und 122.000 Containern Material über Routen in teilweise als unsicher geltenden Nachbarländern muss organisiert werden, ohne dass die Taliban in Teilen des Landes die Oberhand gewinnen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Nato-Gipfeltreffen: Merkel bestätigt Uneinigkeit mit Hollande"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Das Krisenmanagement von Merkel / Schäuble war wirklich nicht professionell. Jetzt gibt's für Deutschland praktisch nur noch den Austritt.

  • Man hat den Eindruck, unseren Politikern ist das Wahlvolk egal. Hauptsache, die Politiker haben sich selbst finanziell gut abgesichert und der dumme, deutsche Michel kann zum Teufel gehen.
    Verschenken da unsere Steuergelder. Ist ja nicht ihr Geld, denn das behalten unsere Staatslenker für sich selbst. Und Haftung gibt's auch nicht für diese Fehlentscheidungen, die unser Volk ins Elend führen und eine kommende, verlorene Generation produzieren nach dem Motto: unsere Jugend verreckt zwar, aber dafür können die Griechen gut leben von unsrem Geld und sind glücklich!

  • ...am Schluß knickt Sie doch wieder ein und Deutschland zahlt. So war es doch immer und warum soll das jetzt plötzlich anders sein. Ich wünsche mir einen anti-europäischen Kanzler mit Eiern in der Hose. Hosenlatz mit drei Knöpfen reicht einfach nicht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%