Nato-Spannungen
Risse im Bündnis

Auf dem am Mittwoch beginnenden Nato-Gipfeltreffen sind Spannungen zwischen den Partnern programmiert: Die USA unterstützen die Beitrittswünsche der Ukraine und Georgiens, die Westeuropäer sind dagegen. Sie scheuen den Konflikt mit den verärgerten Russen. Indes landeten Kanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicholas Sarkozy einen ganz eigenen Coup.

BRÜSSEL/BERLIN. Die gute Nachricht kam wie bestellt, gerade rechtzeitig vor dem Nato-Gipfel in Bukarest. Die USA wollten keine deutschen Truppen mehr für den umkämpften Süden Afghanistans anfordern, sagte US-Präsident George W. Bush in einem Interview mit der „Welt“. Auf dem Gipfel in Bukarest werde er nichts verlangen, was Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nicht mittragen könne, so Bush. Offenbar hat der US-Präsident verstanden, dass es keinen Sinn macht, von der Bundesregierung etwas zu verlangen, was sie zumindest derzeit nicht liefern will.

Doch die Freude über Bushs überraschendes Entgegenkommen währte nicht lange. Zwar muss sich Merkel wohl nicht mehr den drängenden Fragen der USA, Kanadas und der Niederlande stellen, wieso die Bundeswehr vor riskanten Kampfeinsätzen zurückschrecke. Wenn die Kanzlerin am Mittwochabend in der rumänischen Hauptstadt eintrifft, muss sie sich auch nicht mehr vor dem französischen Staatschef Nicolas Sarkozy verstecken. Sarkozy will 1 000 Soldaten für den Osten Afghanistans stellen und hoffte wohl, Merkel damit die Show zu stehlen.

Doch dafür droht eine Niederlage an einer anderen, nicht minder wichtigen Front: bei der Nato-Erweiterung. Bush habe Merkel einen vergifteten Apfel angeboten, argwöhnt man in Berlin. Als Gegenleistung für den Rückzieher in Afghanistan könnte der US-Präsident auf dem letzten Nato-Gipfel seiner Amtszeit Rückendeckung für den umstrittenen Plan einfordern, Georgien und der Ukraine eine Eintrittskarte in das Bündnis zu verschaffen. Und damit könnten die Beziehungen zu Russland, die Deutschland besonders am Herzen liegen, einen empfindlichen Dämpfer erhalten.

Auf den ersten Blick ist es ein sinnvolles Anliegen, das Bush in Bukarest vorbringen will: Georgien und die Ukraine sollen nicht etwa sofort der Nato beitreten, sondern nur einen „Membership Action Plan (MAP)“ erhalten. Es gehe darum, die beiden Länder an der Südflanke Russlands zu stabilisieren und Freiheit und Demokratie zu fördern, heißt es in Washington. Über einen Beitritt werde erst in einigen Jahren entschieden, wenn beide Länder die Voraussetzungen erfüllt haben.

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