Nato-Treffen
Briten fordern mehr Unterstützung in Libyen

Nach mehr als 10.000 Nato-Luftangriffen in Libyen, zeigen die beteiligten Crews offenbar erste Ermüdungserscheinungen. Die Briten wollen deshalb beim Treffen der Nato-Verteidigungsminister in Brüssel mehr Unterstützung fordern. Das deutsche Verteidigungsministerium winkt ab.
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BrüsselElf Wochen nach dem Beginn des Nato-Einsatzes in Libyen zeigen die Hauptakteure unter den westlichen Verbündeten erste Ermüdungserscheinungen. Großbritannien will die anderen Staaten nach den Worten von Verteidigungsminister Liam Fox um ein stärkeres Engagement bitten. „Wir wollen verstärkten Druck in einigen Ecken sehen, was Libyen betrifft“, sagte er am Mittwoch vor dem Treffen der Nato-Verteidigungsminister in Brüssel. Ein hochrangiger US-Diplomat räumte ein, dass bei den Flugzeugangriffen auf das Militär von Machthaber Muammar Gaddafi Ermüdung einsetze. „Die Crews werden müde“, sagte er. Zudem stiegen die Kosten für Wartung und Munition der Einsätze.

Seit dem Beginn der Operation Ende März sind die aktiv beteiligten acht Nato-Staaten mehr als 10.000 Lufteinsätze geflogen, wobei rund 1800 Ziele getroffen wurden. Vor allem Großbritannien und Frankreich sind dabei engagiert. Insgesamt acht Nato-Staaten setzen Flugzeuge oder Kriegsschiffe ein - neben Briten und Franzosen, auch die USA, Italien, Dänemark, Belgien, Norwegen und Kanada. Die Nato soll auf Basis eines UN-Mandats eine Flugverbotszone über Libyen sowie das Waffenembargo durchsetzen und die Zivilbevölkerung schützen. Die dortige Staatsführung bestreitet, dass die libyschen Truppen Zivilisten angreifen. Bei ihrem Treffen in Brüssel werden die Verteidigungsminister eine erste Bilanz des Militäreinsatzes ziehen. Eine gleichmäßigere Verteilung der Lasten werde dabei ein Thema sein, hatte Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen am Montag angekündigt.

Die Bundesregierung fühlt sich von dem Appell nicht angesprochen. Die Position, sich nicht an dem Militäreinsatz zu beteiligen, sei unverändert, sagte Verteidigungsstaatssekretär Christian Schmidt. „Ich habe großes Verständnis, dass in diesen Ländern schon aufgrund der Länge der Operation eine gewisse Anspannung besteht und die Hoffnung, dass die Operation bald zu Ende ist“, ergänzte er. Doch Deutschland leiste in Afghanistan und bei der Anti-Piraten-Mission Atalanta bereits einen erheblichen Beitrag.

Rasmussen hatte die Verbündeten auch aufgefordert, sich über den Aufbau des Landes nach einem Sturz Gaddafis Gedanken zu machen. Hier seien die zivilen internationalen Organisationen - die Vereinten Nationen, die Europäische Union und die Afrikanische Union gefordert. Die Nato könne sich allenfalls noch mit Expertise zum Aufbau von Sicherheitskräften beteiligen. US-Präsident Barack Obama hat Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrem USA-Besuch zu verstärktem Engagement Deutschlands in der Zeit nach einem Machtwechsel aufgefordert. Genauere Pläne dafür gibt es Schmidt zufolge dafür aber noch nicht. Die Diskussion sei hypothetisch, da der Konflikt noch nicht
beendet sei.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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