Nato-Treffen
Mehr europäisches Selbstbewusstsein

Wenn sich am 25. Mai die Staats- und Regierungschefs der Nato-Staaten treffen, ist zum ersten Mal US-Präsident Trump dabei. Die Europäer sollten diesen Anlass nutzen. Ein Gastbeitrag.
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BrüsselEin Abendessen – so viel ist vom ursprünglich geplanten Willkommensgipfel für den neuen US-Präsidenten übriggeblieben, der mit Blick auf Hillary Clinton geplant wurde, die die Nato schätzt. Nach der Wahl von Donald Trump wurde der Gipfel auf ein kurzes Treffen geschrumpft, das wenig Raum für Dissens bietet – so die Hoffnung der europäischen Alliierten. Sie sind verunsichert, weil der neue US-Präsident die Nato abwechselnd abschaffen will oder lobt, die Verteidigung Europas aber ohne die militärischen Fähigkeiten der USA auf verlorenem Posten stünde.

Trump war es auch, der die Themen für das NATO-Treffens setzte: Es wird hauptsächlich um transatlantische Lastenteilung und die Rolle der NATO bei der Terrorismusbekämpfung gehen. Nun ist die Sorge der Europäer groß, dass sich der US-Präsident während des Treffens zu einer irritierenden Aussage zur NATO, zum Beispiel auf Twitter, hinreißen lassen und mit der Allianz und den Europäern nicht zufrieden sein könnte.

Zwar ist Trump von seiner anfänglichen Nato-Fundamentalkritik abgerückt und steht zum US-Beitrag – aber nur unter der Bedingung, dass die Europäer sich endlich mehr beteiligen, also mehr Material und Geld für die Verteidigung bereitstellen. Außerdem soll sich die Nato stärker im Kampf gegen den Terror engagieren, aus Sicht Trumps das vordringliche sicherheitspolitische Problem.

Die Nato-Staaten haben 2014 beschlossen, dass sie bis 2024 zwei Prozent ihrer Wirtschaftsleistung für Verteidigung ausgeben wollen. Sollte das nicht glaubwürdig erkennbar sein, so heißt es aus Washington, werden die USA ihr Nato-Engagement überdenken. Um dies abzuwenden, bemühen sich die Europäer nun noch mehr, ihre Verteidigungsausgaben zu steigern oder durch kreatives Rechnen zumindest den Eindruck zu erwecken. Die Nato strengt sich an, ihre Aktivitäten bei der Terrorbekämpfung sichtbarer zu machen und möglichst viel von dem, was sie ohnehin schon tut, als Anti-Terrormaßnahmen darzustellen.

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