Naturschutz
Beratungen über Schutzzone in der Antarktis vor Abschluss

Entsteht in der Antarktis ein riesiges Meeresschutzgebiet? Internationale Experten beraten in Bremerhaven darüber, der Ausgang ist noch völlig offen. Bislang wehren sich einzelne Länder noch beharrlich dagegen.
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BremerhavenDie Beratungen über die Einrichtung des größten Meeresschutzgebietes der Welt im antarktischen Ozean sind am Dienstag fortgesetzt worden. Die Kommission für die Erhaltung der lebenden Meeresschätze in der Antarktis (CCAMLR) will am zweiten Tag ihrer Sondersitzung in Bremerhaven darüber entscheiden, ob im Rossmeer und in der Ostantarktis Schutzgebiete ausgewiesen werden, die mit insgesamt rund 3,8 Millionen Quadratkilometern fast so groß sind wie die Europäische Union.

Die Greenpeace-Meeresspezialistin Iris Menn äußerte sich skeptisch über die Erfolgsaussichten und kritisierte die zögerliche Haltung Russlands. „Es ist völlig unverständlich, dass Russland jetzt die Frage aufwirft, ob die Kommission berechtigt ist, Schutzgebiete auszuweisen“, sagte sie am Dienstagmorgen der dpa. Die Entscheidung muss einstimmig fallen. Das Vorhaben war bereits einmal an Bedenken einiger der 25 CCAMLR-Mitglieder gescheitert. Die internationale Staatengemeinschaft hat sich verpflichtet, bis 2020 zehn Prozent der Küsten- und Meeresgewässer als Schutzgebiete auszuweisen. Bisher sind es zwei Prozent.

Neuseeland und die USA haben den Vorschlag eingebracht, etwa 2,2 Millionen Quadratkilometer im Rossmeer unter Schutz zu stellen. Australien, Frankreich und die EU, die als ein Teilnehmer auftritt, wollen 1,6 Millionen Quadratkilometer im Osten der Antarktis unter Schutz stellen. In CCAMLR-Schutzgebieten sind Nutzungen wie Fischfang weitgehend eingeschränkt oder ganz verboten.

„Die Organismen sind einzigartig und der Lebensraum ist enorm vielfältig. Wenn Sie Filmaufnahmen von dem Meeresboden sehen, das sieht fast wie ein tropisches Korallenriff aus“, sagte der Leiter der Stabsstelle Umweltpolitik am Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven, Stefan Hain, dem Deutschlandfunk. Wie empfindlich das Ökosystem ist, machte er an einem Beispiel deutlich: Eine Schnecke könne in der Nordsee in wenigen Wochen Nachwuchs produzieren. „Das dauert in der Antarktis 18 bis 20 Monate.“

CCAMLR wurde 1982 gegründet - als Reaktion auf das wachsenden wirtschaftlichen Interesse an der Nutzung des antarktischen Krills. Der kleine Krebs ist eine wesentliche Grundlage des gesamten antarktischen Ökosystems.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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