Nervöse Finanzmärkte

Italien versucht mit Turbo-Sparkurs den Befreiungsschlag

Was bisher nicht funktioniert hat, soll jetzt die Erlösung für Italien bringen: Rom will die geforderten Reformen im Eiltempo verabschieden. Doch die Berlusconi-Nachfolge bleibt unklar. Kann das die Märkte beruhigen?
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Eine italienische Ein-Euro-Münze. Quelle: dpa

Eine italienische Ein-Euro-Münze.

(Foto: dpa)

RomUnter dem Druck der Finanzmärkte will Italien die geforderten Reformen deutlich schneller verabschieden. Die Fraktionschefs von Regierungs- und Oppositionsparteien verständigten sich am Mittwochabend darauf, das Gesetz und die Reformzusätze schon bis Samstagnachmittag durch Senat und Abgeordnetenhaus zu bringen. Der Senat begann am Abend bereits mit den Beratungen. Zuvor hatten italienische Medien berichtet, das Parlament wolle die Reformen bis spätestens Montag definitiv absegnen.

Staatspräsident Giorgio Napolitano hatte mit Blick auf die alarmierende Situation an den Finanzmärkten die rasche Verabschiedung des Stabilitätsgesetzes versichert. Es bestehe zudem kein Zweifel, dass Ministerpräsident Silvio Berlusconi danach wirklich zurücktreten werde, sagte Napolitano am Mittwoch. Dann werde man so schnell wie möglich mit Konsultationen beginnen, um eine Übergangsregierung zu bilden. Sei dies nicht möglich, gebe es Neuwahlen.

Die Chefin des italienischen Industrieverbandes „Confindustria“, Emma Marcegaglia, drängte zur Eile: „Wir können die Wahrheit nicht mehr verheimlichen: Das Land steht am Abgrund. Entweder handeln wir jetzt oder wir enden wie Griechenland.“

Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa: „Italien muss seine Sparanstrengungen verstärken - und das weiß auch die italienische Regierung. Sie hat einen Plan vorgelegt, der jetzt umgesetzt werden muss.“ Zur Frage, ob die bisherigen Sparpläne Roms ausreichen, sagte die Kanzlerin: „Kein Staat kann zurzeit von sich behaupten, er sei am Ende des Reformweges, wir alle werden immer wieder über Anpassungen nachdenken müssen. Aber für Italien kann man sagen, dass das Land sich bereits viel vorgenommen hat.“

Keine Entspannung auf den Märkten
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15 Kommentare zu "Nervöse Finanzmärkte: Italien versucht mit Turbo-Sparkurs den Befreiungsschlag"

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  • Geben Sie Ihre Einnahmen komplett jeden Monat aus und hoffen fürs Alter, für Krankheit auf den Staat? Oder sparen Sie wenigstens ein bißchen? "Die Märkte" sind keine wüsten Spekulanten - das ist doch ein schönes Feindbild, das die Politiker da bemühen! - sondern u.a. Ihre Lebensversicherungen, die sich verzweifelt bemühen müssen, angesichts der rigiden Anlagevorschriften (die übrigens Staatsanleihen klar bevorzugen!), die gesetz-liche Garantieverzinsung zu erreichen + hoffentlich Ihre Ersparnisse nach Inflation marginal zu steigern...

  • In Italien hat sich seit Jahrzehnten nichts geändert. Die Schulden sind erfreulicherweise auch in der Krise kaum gestiegen, weil die dortigen Banken nicht gerettet werden mußten. In der anschließenden Rezession konnte Italien kein Konjunkturprogramm auflegen mangels Geld. Ich verstehe daher nicht, warum Italien nicht Zinssätze wie früher bezahlen kann, oder warum plötzlich Zweifel an seiner Kapitalmarktfähigkeit aufkommen. Es ist das 3.stärkste Land der Eurozone. Ist das Ganze vielleicht nur inszeniert, um endlich Eurobonds zu bekommen, die Schulden-union und den undemokratischen Zentralstaat, von dem die Politiker offenbar träumen?

  • Turbo Sparkurs ? für wen, dann soll Rom doch brennen !

  • Die italienische Opposition ist hoffnungslos zerstritten, der Reformwillen wird gänzlich erlahmen, solange die EZB Anleihen aufkauft. Mit Italien dürfte Österreich und auch Frankreich das AAA-Rating verlieren - der EFSF ist damit endgültig gescheitert.

  • Wer sind die Märkte? Versicherungen, Banken, Privatanleger Sie und ich usw., die Staatsanleihen kaufen sollen, aber wegen des Risikos nicht mehr wollen! Für die Politik ist es natürlich einfacher, vom eigenen Versagen abzulenken und den Verschwörungseffekt zu thematisieren. Und Rot-Grün-Links und Teile der CDU fallen ja auch darauf herein. Deshalb diesen unsägliche, fachfremde Geschwafel der Teilnehmer in den Talkshows. Lobenswerte Ausnahmen: Sinn, Henkel, A.Kohl, D.Müller.

  • @ Beobachter: 100% Zustimmung

  • Italien wird sich nie retten koennen. Italien hat immer von der Inflation gelebt solange ich denken kann, und ich bin nicht mehr der Juengste. Die Probleme haben nicht nur mit Berlusconi zu tun.

    Wenn es aber ploetzlich anders sein sollte, dann esse ich bis zu meinem Ende die Spagetti ungekocht.

  • Der Euro-Bloedsinn koennte sehr bald vorbei sein. Nicht die Maerkte sind schuld, sondern viele hochbezahlte Politiker - auch in Deutschland. Die Konsequenzen fuer die Politiker werden minimal sein, aber fuer den Normalbuerger verheerend. Die Maerkte folgen der Wirklichkeit und nicht dem Geschwaetz der Politiker.

  • Vielen Dank Karstenberwanger. Ich finde die Situation sehr gut mit ".ein Berlusconi lässt nen Furz oder zuckt falsch mit der Wimper und der DAX bricht weg" beschrieben. Das gilt auch schon eine ganze Zeit, seit aus der Boerse ein Kasino wurde.Ich lasse die Finger von den Maerkten, seit mir einmal ein Trader sagte...bin ich short, kann ich ja die Oma noch leveragen...! Fundamentale Daten, Cash-Flows usw. gelten schon lange nichts mehr. Muss ich also doch nicht auf die Couch, denn ich dachte ich haette alles verlernt was ich einmal gelernt hatte. Also Bunga-Bunga laesst einen "fahren" die Presse kommentiert das dann in allen Variationen,die Ratingagenturen bekommen davon Wind, die Shorties werden aktiv, die Privatanleger werden panisch, die Analysten revidieren mal wieder alles was sie gestern noch gelobt haben und somit stehen wir vor dem Scherbenhaufen. Die Politik mischt natuerlich auch noch mit, obwohl die meisten Populisten gar keine Ahnung haben.

  • Italien ist nicht von außen rettbar. Italien kann sich nur selbst retten.

    Angesichts der großen privaten Nettovermögen sollte das rechnerisch überhaupt kein Problem sein. Nur muss die italienische Politik das durchziehen.

    Falls Schäuble versuchen sollte, Italien auf die gleiche Weise wie Griechenland retten zu wollen, wird es tatsächlich Zeit für die Straße.

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