Netanjahu besucht Merkel
Der Zündler und die Diplomatin

Angesichts des Holocausts wiederholt die Kanzlerin: Israels Sicherheit gehört zur deutschen Staatsraison. Sie fühlt Verantwortung für die Zukunft des Landes – und findet gerade deshalb klare Worte gegenüber Netanjahu.

BerlinEs ist keine Botschaft der Entspannung, die Benjamin Netanjahu zum Besuch bei Angela Merkel mit nach Berlin gebracht hat. Mitten in der neuen Gewaltwelle in seinem Land und ausgerechnet kurz vor seinem Besuch bei Merkel schob Netanjahu den Palästinensern quasi die Schuld am Holocaust in die Schuhe, dem von Deutschen organisierten Mord an Millionen von Juden.

Beim gemeinsamen öffentlichen Auftritt lässt Merkel am Mittwochabend dann keine Zweifel, was sie von derartiger Geschichtsinterpretation hält: nichts. Deutschland kenne die „Verantwortung der Nationalsozialisten für den Zivilisationsbruch der Shoa“, sagt die Kanzlerin und setzt hinzu: „Wir sehen keinen Grund, unser Bild der Geschichte zu verändern.“

Netanjahus Äußerungen vor einem Internationalen Zionistenkongress in Jerusalem am Vortag waren erst am Morgen bekannt geworden, kurz vor seinem Abflug zu dem zweitägigen Besuch in Berlin. Vor Hunderten Delegierten hatte er gesagt, der damalige palästinensische Großmufti von Jerusalem, Amin al-Husseini, habe NS-Diktator Adolf Hitler Anfang der 1940er Jahre zur systematischen Vernichtung der Juden gedrängt. Hitler selbst habe zunächst nur eine Vertreibung und keinen Massenmord an den Juden geplant.

Das ist Netanjahus Botschaft: Nicht die Politik seiner rechtsgerichteten Regierung sei mit an der Gewaltwelle in Israel Schuld, sondern die angebliche Hetze und Aufstachelung der Palästinenserführung um Präsident Mahmud Abbas.

Seite an Seite mit Merkel betont Netanjahu am Abend in Berlin dann zwar, niemand solle die Verantwortung Hitlers für den Holocaust leugnen. Doch er fügt auch hinzu: Abbas müsse sich schon fragen lassen, warum die Palästinenser den Mufti „als Ikone“ hochhalten würden. „Das ist ein Kriegsverbrecher. Er wird in den Schulen glorifiziert als Vater der Nation“, wettert der Ministerpräsident.

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Merkel bleibt diplomatisch

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