Netz-Reaktionen: Trauer, Wut und Satire

Netz-Reaktionen
Trauer, Wut und Satire

#JeSuisCharlie, #CharlieHebdo, #PrayersforParis: Die Reaktionen auf den Terroranschlag in Paris sind überwältigend. Weltweit trauern Menschen mit „Charlie Hebdo“ – und plädieren für eine neue Debatte in der Medienethik.
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DüsseldorfIn dem neuen Kinofilm über Wissenschaftler Stephen Hawking heißt es am Ende: „Wo Leben ist, da ist auch Hoffnung.“ Genau das zeigt die aktuelle Anteilnahme im Netz zum Anschlag in Paris. Unter den Hashtags #JeSuisCharlie und #CharlieHebdo bekunden Menschen auf der ganzen Welt sekündlich ihre Trauer, schreiben „Jetzt erst recht“ und verurteilen den brutalen Umgang mit Presse und Satire.

Die Pariser setzten gestern Abend das größte Zeichen, als Tausende sich auf dem „Place de la République“ versammelten – und bewiesen damit auch den größten Mut. Stärke demonstrieren, sich nicht einschüchtern lassen, die Meinungsfreiheit vorantreiben: Das sind seit Mittwoch die Kernbotschaften, die in den sozialen Netzwerken kursieren. Das Werkzeug bleibt dabei für viele Menschen die Karikatur.

Eine der wohl wichtigsten Kampfansagen gegen den Terror von radikalen Islamisten ist die Reaktion der Presse – im Internet und auf Papier. Weltweit machen heute zahlreiche Zeitungen mit Karikaturen auf; als Hommage an die toten Zeichner von „Charlie Hebdo“.

Ines Pohl, die Chefredakteurin der „taz“ sagt in einem Interview mit dem SWR, dass sie auch weiterhin Mohammed-Karikaturen drucken will. Dabei betont sie allerdings die Bedeutung der Satire, es gehe nicht um provozieren der Provokation willen.

Andere Journalisten, wie Christian Mutter von der „Bild“-Zeitung ermahnten bei Twitter kurz nach dem Anschlag auf die Zeitungsredaktion, den Umgang mit den vorhandenen Bildern zu überdenken. Daraufhin ist eine medien-ethische Diskussion entstanden, die in den nächsten Tagen und Wochen weiter hochkochen dürfte. Im Deutschen Journalistenverband beispielsweise soll bereits ein interner Disput zwischen Brandenburger Landesverbandvorsitzenden Klaus Minhardt und DJV-Sprecher Hendrik Zörner entstanden sein.

Zudem meldete sich Papst Franziskus zu Wort und rief den Hashtag #PrayersforParis (zu deutsch: Beten für Paris) ins Leben, um Anteilnahme von Seiten der Katholischen Kirche auszudrücken. Laut dpa-Informationen sagte der Papst in der morgendlichen Messe: „Beten wir in dieser Messe für die Opfer dieser Grausamkeit. Die vielen Opfer. Und beten wir auch für die Grausamen, dass der Herr ihre Herzen verändere.“

Weniger beispielhaft zeigte sich Politikerin Erika Steinbach, als sie diesen Tweet absetzte:

Während die Reden von Merkel, Cameron und Co. sich für Presse- und Meinungsfreiheit aussprachen und somit im Internet als ermutigend galten, fiel Bundestagsmitglied Steinbach in die Ungunst der Twitter- und Facebooknutzer. Spätestens als sie auf Beschwerden, ihr Tweet sei geschmacklos erneut mit Ironie und Abfälligkeit reagierte – offensichtlich zu unpassend an diesem 7. Januar.

Annika Reinert
Laura Waßermann
Handelsblatt / Freie Mitarbeiterin

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  • Wer auf dem Pulverfass sitzt und mit Streichhölzern spielt, muss damit rechnen dass das Fass hochgeht. Verhöhnung von Heiligen und der Kirche gehört vielleicht in Frankreich und einigen anderen Ländern zum guten Lebensstiel, es gibt aber Völker die sehen es halt etwas anders. Respektlosigkeit gegenüber Andersdenkenden und Anderslebenden schürt Zwist und Hass - genau der richtige Boden auf der Terroristen gedeihen können. Das Attentat in Frankreich zeigt, wohin politische Dummheit führen kann. Und anders als politisch Dumm kann ich Mohamed-Karikaturen nicht einstufen, zumal in einem Land wo die Spannung zwischen dem arabischen und dem europäischen Teil der Bevölkerung vor allem über die Religion ausgetragen wird. Pressefreiheit hin und her, aber sie ist kein Ersatz für verantwortlichen Umgang mit dem Wort und Bild und vor allem kein Freibrief für Arroganz und Intoleranz.

    Natürlich ist der Anschlag ein feiger Mord und durch nichts zu rechtfertigen. Was mich jedoch wurmt ist, dass bei aller Trauer um die Toten weder von der Presse noch von der Politik auch nur eine Stimme zu hören ist, die die Verantwortung der Presse für ihre Publikationen anmahnt. Es sind immer nur die anderen Verantwortlich.

  • Was hat eine dpa Faktenmeldung mit Propaganda zu tun??? Für mich bleibt Terror immer Terror, egal wie motiviert.
    Für Sie wohl nicht, das ist erschreckend, aber wohl leider auch ein wenig der Zeitgeist.

  • DEMOKRATIE und MEINUNGSFREIHEIT
    "Bitte bleiben Sie fair, und halten Sie sich an uns.Netiquette".Anstand und Sitte.

    Manche Journalisten sollten dies auch beherzigen, und das
    Recht des Anderen akzeptieren.
    "Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um"

    Meinungsfreiheit bedeutet nicht, dass man straffrei alles
    und jeden in den Dreck ziehen kann.
    Frankreich tickt da etwas anders und schützt solche Provokateure. Zugleich aber 2012 ein Theaterstück verbietet
    weil daas Gesicht des "Gotteskindes" einigen nicht gefiel.

    Demokratie/Meinungsfreiheit bedeutet auch das Recht was man
    für sich selbst in Anspruch nimm, auch anderen gewährt.

    Und was diese Tat angeht, so muss man auch die französiche
    Fremdenlegieon einbeziehen, die aus selben Gründen
    Menschen erschiessen.
    Frankreich hat diese Tat selbst herbeigeführt.Nicht
    bedacht, dass die Welt nicht nur aus "Duckmäusern" besteht.

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