Neuauszählung von Stimmen
Iranischer Wächterrat hat keine Hinweise auf Manipulationen bei Wahl

Nach Betrugsvorwürfen bei der ersten Runde der Präsidentenwahl im Iran hat der Wächterrat in mehreren Bezirken die Stimmzettel nochmals auszählen lassen. Dabei wurden nach offiziellen Angaben keine Abweichungen registriert.

HB TEHERAN. In der Hauptstadt Teheran wurden 40 zufällig ausgesuchte Urnen neu ausgezählt, in drei anderen Städten je 20. "Es wurde festgestellt, dass es keine Diskrepanzen bei den Wahlergebnissen gibt“, zitierte das Fernsehen aus einem Brief des Vorsitzenden des Wächterrates, Ajatollah Ahmad Dschannati, an Innenminister Abdolwahed Musawi-Lari.

Der von konservativen Klerikern dominierte Wächterrat, der das Wahlergebnis in der Islamischen Republik absegnen muss, reagierte damit auf Vorwürfe der bei der Abstimmung unterlegenen Reformer Mostafa Moin und Mehdi Karrubi, die von Wahlbetrug sprachen. Ihrer Ansicht nach sind für den erzkonservativen Bürgermeister von Teheran, Mahmud Ahmadinedschad, Stimmen gekauft worden.

Ahmadinedschad hatte bei der Wahl am Freitag überraschend den zweiten Platz hinter dem früheren Präsidenten Akbar Rafsandschani erreicht. Da keiner der beiden Männer die erforderliche absolute Mehrheit erringen konnte, sollen sie am Freitag in einer Stichwahl gegeneinander antreten. Ein Sprecher des iranischen Innenministeriums sagte, sollte der Wächterrat die Ergebnisse der ersten Wahlrunde nicht bis Dienstag bestätigen, würde die Stichwahl auf den 1. Juli verschoben.

Angesichts der bevorstehenden zweiten Runde hoben die Studenten in Teheran ihren Wahlboykott-Aufruf auf und gaben stattdessen eine Empfehlung für den moderat-konservativen Kandidaten Rafsandschani ab. "Die reformorientierten Studenten haben sich entschieden, Rafsandschani zu stützen, um ein totalitäres System im Falle eines Sieges von Ahmadinedschad zu verhindern", sagte ein Studentenführer. Bislang hatten sie die Wahl boykottiert, weil der Wächterrat als Kontrollorgan im Iran zahlreiche Reformer-Kandidaten nicht zur Wahl zugelassen hatte.

Rafsandschani warb unterdessen um Stimmen für die zweite Runde und warnte davor, das Land in die Hände von Extremisten zu geben. "Ich ersuche um Ihre Hilfe und bitte Sie um ihre Stimme in der zweiten Wahlrunde, damit wir dem Extremismus im Iran keine Chance lassen", sagte er in einer Stellungnahme, die mehrere Zeitungen druckten. Der 70-Jährige war bereits zwischen 1989 und 1997 Präsident des Landes.

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