Neue Angriffe gegen Ziele in Gaza-Stadt
150.000 Israelis fordern Rückzug der Armee

Bei der größten israelischen Friedensdemonstration seit Jahren haben mehr als 100.000 Menschen in Tel Aviv gegen die Präsenz der Armee im Gazastreifen protestiert. Die griff in der Nacht erneut Ziele in der Stadt Gaza an.

HB BERLIN. Rund 150.000 Israelis haben am späten Samstagabend in Tel Aviv für einen Rückzug der Armee aus dem Gazastreifen demonstriert. Der Protestzug war als Zeichen der Unterstützung für die Rückzugspläne von Israels Ministerpräsident Ariel Scharon organisiert worden. Die regierende Likud-Partei hatte diese abgelehnt. Laut Umfragen ist jedoch die Mehrheit der israelischen Bevölkerung für die Pläne.

Zu der Kundgebung auf dem Rabin-Platz hatten die oppositionelle Arbeitspartei und zahlreiche Friedensgruppen aufgerufen. Es war eine der größten Friedenskundgebungen in Israel seit der Ermordung von Ministerpräsident Jitzhak Rabin im November 1995.

Die Demonstration begann mit einer Schweigeminute, in der der 13 Soldaten gedacht wurde, die bei jüngsten gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Palästinensern und Israelis in Gaza ums Leben gekommen waren. «Ich bin hier, weil wir das alles nicht mehr aushalten», sagte ein 34 Jahre alter Mann dem britischen Sender BBC. «Der Tod der Soldaten hat mich aufgerüttelt.»

Der ehemalige Außenminister Schimon Peres sprach auf der Kundgebung. Er sagte den versammelten Zehntausenden, ihre Anzahl übersteige bei weitem die der Likud-Mitglieder, die gegen die Rückzugspläne Scharons seien. «Wir werden uns von Gaza verabschieden», rief er unter dem Jubel der Menge.

Israelische Kampfhubschrauber feuerten in der Nacht zum Sonntag erneut Raketen auf Ziele in Gaza-Stadt. In einem Drittel der Stadt fiel danach der Strom aus, es brach Panik aus. Mindestens vier Menschen wurden bei den Angriffen kurz nach Mitternacht verletzt.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur AP war der erste Angriff auf ein Gebäude gerichtet, das laut israelischer Angaben von der Fatah-Bewegung des palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat genutzt wird. Dabei wurden drei palästinensische Jungen im Alter von drei, 14 und 15 Jahren leicht verletzt, wie Sanitäter mitteilten. Palästinenser sagten, das Haus sei lediglich als Kulturzentrum genutzt worden und habe nichts mit der Fatah zu tun.

Der zweite Angriff galt einem Gebäude, in dem die der radikalpalästinensischen Organisation Hamas nahe stehende Zeitung «Al Ressala» ihre Büros hat. Diese wurden ebenfalls schwer verwüstet. Eine Person wurde verletzt. Der dritte Angriff zerstörte einen Transformator. Danach waren 40.000 Menschen im Norden von Gaza ohne Strom.

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