Neue Anti-Euro-Partei: Eine Drachme für Griechenland

Neue Anti-Euro-Partei
Eine Drachme für Griechenland

Die Zukunft Griechenlands in der Euro-Zone ist gesichert. So scheint es jedenfalls. Doch immer mehr griechische Parteien haben den Euro-Austritt im Programm. In Zypern ist die Wut auf die Währung sogar noch größer.
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AthenTheodoros Katsanevas war fast in Vergessenheit geraten. Ältere Griechen erinnern sich vielleicht noch an ihn als Schwiegersohn und politischen Günstling des legendären Sozialistenführers Andreas Papandreou. Jetzt drängt sich Katsanevas, der  auch in seinen besten Zeiten eher eine politische Randfigur war, ins Rampenlicht. Mit einer Ankündigung, die vielen wie eine Hiobsbotschaft vorkommen wird, aber als Versprechen gemeint ist: „Die Drachme kommt!“ So war es kürzlich in Katsanevas Blog nachzulesen.

Illustriert war die Verheißung mit dem Foto einer golden glänzenden Ein-Drachmen-Münze. Richtig wertvoll und begehrenswert sieht das Stück aus. Es entspricht allerdings nur 0,00293 Euro. Noch ist die Drachme nicht wieder gesetzliches Zahlungsmittel in Griechenland, aber der Ökonomieprofessor Katsanevas arbeitet daran. An diesem Wochenende konstituiert sich in Athen seine neue Partei. Sie heißt „ΔΡΑΧΜΗ“, Drachme. Der Name ist Programm.

Zurück zur Drachme? Diese Gefahr schien für Griechenland gerade erst gebannt. Der Internationale Währungsfonds konstatiert „außerordentliche Fortschritte“ bei der Haushaltssanierung, die Ratingagentur Fitch stufte diese Woche die Kreditwürdigkeit des Landes herauf, und selbst der strenge Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble findet verhalten lobende Worte für die Griechen. Kaum einer redet mehr vom „Grexit“, dem Ausscheiden des Landes aus der Eurozone, stattdessen sprechen Analysten von „Grecovery“, der Genesung des Landes.

Aber Theodoros Katsanevas sieht sein Land auf einem Irrweg. Er will raus aus dem Euro. „Drachme - Griechische Demokratische Bewegung der Fünf Sterne“, so lautet der volle Name seiner Partei.

Fünf Sterne, das kennt man von Spitzenhotels. Auch der griechische Weinbrand Metaxas schmückt sich mit fünf Sternen. Fünf Sterne signalisieren Luxus und Genuss. Im Fall der neuen Partei stehen sie allerdings, ganz prosaisch, für die fünf Ziele, die Katsanevas und seine Mitstreiter anstreben – ein riskanter Politik-Mix, der möglicherweise, wie zu viel Metaxa, einen Kater hinterlässt: Aufkündigung der Kreditverträge mit den internationalen Geldgebern, Rückkehr zur Drachme, robustes Wirtschaftswachstum, nationale Würde, soziale Gerechtigkeit.

Theodoros Katsanevas ist kein politischer Anfänger. Für den 66-Jährigen handelt es sich bei  der Parteigründung eher um den Versuch eines Comeback.

Papandreou machte den Ehemann seiner Tochter Sophia nach dem Wahlsieg der Panhellenischen Sozialistischen Bewegung (Pasok) zunächst zum Präsidenten der staatlichen Arbeitsverwaltung OAED. 1985 wurde Katsanevas Chef der Sozialversicherungsanstalt IKA, 1989 bekam er ein Parlamentsmandat – ein anschauliches Beispiel dafür, wie im sozialistisch regierten Griechenland die politische Vetternwirtschaft des Papandreou-Clans funktionierte.

Kommentare zu "Eine Drachme für Griechenland"

Alle Kommentare
  • 'RDA' sagt
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    Schließlich hat Deutschland nach dem 2.Weltkrieg auch einen gigantischen Nachlass auf seine Auslandsschulden bekommen,
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    Leider vollkommen verkehrt.

    Die Bedienung eines Teils der "Schulden" wurde lediglich bis zum Abschluß eines Friendensvertrags ausgesetzt.

    Außerdem handelt es sich bei diesen "Schulden" keineswegs um Geld, daß sich Deutschland jemals geliehen hätte. Sondern um Zahlungen, die ihm im Versailler Diktat als Reparationen abgepreßt worden sind.

  • 'anders-waehlen' sagt
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    Man sieht ja auch in Griechenland dass innere Abwertung nicht automatisch funktioniert, die Besitzstandswahrer sind hier zu stark. Nicht alle Politiker sind außerdem so einsichtig und diszipliniert wie in Estland (innere Abwertung erfolgreich), und hier hatten ALLE mitgespielt.
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    Kein Mensch behauptet, daß es automatisch funktioniert.

    Und wer dazu nicht in der Lage ist, der muß sich eben wieder der orientalischen Marktwirtschaft zuwenden.

    Die Menschen und Völker sind nicht von Natur aus gleich - es hat keinen Sinn zu versuchen jeden zu zivilisieren.

    Aber eine vernünftige Chance sollte jedes Volk haben, und man sollte nicht nach wenigen Jahren mit Fehlentwicklungen sofort alles hinschmeißen.

    Das wäre weder in unserem eigenen Interesse, noch wäre es gerecht.

    Es wäre rückwärtsgewandt und engstirnig.

  • 'anders-waehlen' sagt
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    Laut Milton Friedman ist es viel einfacher den Wechselkurs zu ändern, als millionen von Verträgen mit denen Löhne und Preise vereinbart wurden.
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    Um das zu wissen brauchen Sie doch hoffentlich keinen Milton Friedman.

    Es kann aber nicht vernünftig sein, alle auf Diät zu setzen weil 45% der Bevölkerung übergewichtig sind.

    Brachiallösungen sind zwar einfacher durchzuführen aber nur kurzfristig erfolgreicher.

    Denn sie führen (beispielsweise) dann dazu, daß diejenigen Branchen in denen Wettbewerb funktioniert hat, und die deshalb realistische Preise hatten, nun ihrerseits aufgrund gestiegener Kosten (Benzin, Nahrungsmittel ...) dazu gezwungen sind ihre Preise zu erhöhen.

    Abwertungen lösen ebenso Mikroanpassungen ("Verwerfungen") aus wie Kreditverweigerung. Nur eben andere.

    Mit Kreditverweigerung (oder die light-Variante: Kreditrationierung per ESM) werden die Schuldigen bestraft, mit Abwertungen die Unschuldigen.

    Mit (selektiven!) Krediteinschränkungen werden sinnvolle Steuersignale an die Wirtschaftssubjekte ausgesandt, mit Abwertungen nicht.

    Deshalb ist es im Interesse aller Problemländer, ihre Probleme innerhalb der Eurozone zu lösen.

    Daß das nicht in jedem Falle auch im Interesse der gesunden Länder ist steht auf einem anderen Blatt.

    ...

    Die ganze Integrierei und Vergemeinschaftung muß ein paar Umdrehungen zurückgedreht werden, damit alle wieder auf einen gemeinsamen Nenner kommen können.

    Wer das nicht kapiert ist wirklich ein Europhantast.

    Brüssel nebst Eta sollte etwa halbiert werden, und seine menschenrechtsfeindlichen Bestrebungen - Hühnerquoten udgl. - gehören auf den Misthaufen.

  • 100% Zustimmung!

  • 'anders-waehlen' sagt
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    So einfach ist dann auch nicht: Kredite bleiben in voller Höhe erhalten!!! (= extreme Verwerfungen, gerade bei hoher Verschuldung wie dort!!!)
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    Ein Schuldenschnitt durch Abwertung hat ähnliche Folgen - nur anders verteilt:

    Während bei einem Schuldenschnitt durch Abwertung alle Kreditgeber um den gleichen Prozentsatz enteignet werden, trifft es bei einer Bereinigungskrise ("Verwerfungen") in erster Linie diejenigen, die zu hohe Kredite an nicht tragfägige Geschäftsmodelle vergeben haben.

    Ersteres ist Verlustsozialisierung mit negativen Signaleffekten, letzteres ist freie Marktwirtschaft mit positiven Signaleffekten.

    Übrigens - in Schwachwährungen mit Abwertungspotential ist es schwierig überhaupt Kreditgeber zu finden. Fragen Sie 'mal in Argentinien und Zimbabwe nach. Durch die schwierige Fremdfinanzierung wird auch ansonsten mögliches Wirtschaftswachstum gehemmt.

    Genau deshalb wollen Länder in den Euro.

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    'anders-waehlen' sagt
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    Auch bleiben bei der derzeit praktizierten inneren Abwertung wiedermal bestimmte Personengruppen privilegiert: Politiker, Beamte, bessergestellte freie Berufe (Notare, Anwälte, Ärzte, Apotheker, ...).
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    Das muß aber nicht so sein, und es hat nichts mit der Währung zu tun.

    Aber - interne Verteilungskämpfe gibt es in jeder Volkswirtschaft. Auch in der BRD wird schließlich - Euro hin oder DM her - ein wesentlicher Teil des Bruttosozialprodukts von Bürokraten, Abzockern, Migranten und Unterschichten verzehrt.

  • 'Delinix' sagt
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    Die Ersparnisse sind bei vielen Griechen aufgebraucht.
    Die Situation ist total verfahren.
    Ich nehme an, dass es bei einer strikten Befolgung der Forderungen bzw. Ratschläge der Troika wahrscheinlich nicht so weit gekommen wäre – aber wirklich wissen kann man das nicht.

    In so einer Lage ist es schon fast ein Witz, zu verlangen, Löhne und Preise „auf ein wettbewerbsfähiges Niveau runter(zu)nehmen.“ (@Rechner)
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    Und was wäre dann kein "Witz"?

    Löhne und Preise auf einem nicht wettbewerbsfähigen Niveau zu lassen?

    Witz, komm 'raus - Du bist umzingelt!

    ...

    Natürlich war es verkehrt, Griechenland in die EU und den Euro aufzunehmen.

    Und wenn die Griechen keine Vernunft annehmen können oder wollen, dann müssen sie eben wieder 'raus.

    Meiner Meinung nach hätte man ihnen schon letztes Jahr den Geldhahn abdrehen müssen.

    Aber man hat es nicht, und wir sind wo wir sind.

    Also haben die Griechen - wenn auch unverdienterweise - immer noch die Chance - Vernunft anzunehmen.

    Und, wenn ihre Ersparnisse aufgebraucht sind - wie Sie meinen - dann MÜSSEN sie eben dazu bereit sein zu Löhnen zu arbeiten die der Leistungsfähigkeit ihrer Wirtschaft entspricht. Denn geliehen wird nichts mehr.

    ...

    Immerhin gibt es auch Anzeichen für Anpassungen:

    Die Staatsausgaben wurden Jahr für Jahr reduziert:

    2009: 125 Mrd
    2010: 114 Mrd
    2011: 108 Mrd
    2012: 106 Mrd

    Die Reduktion ist zu langsam - auch 2012 hat der griechische Staat noch 59,7% mehr ausgegeben als 2001.

    Unter diesen Umständen würde ich den Burschen den Stuhl vor die Tür setzen.

    Aber Schäuble und Lagarde haben offensichtlich mehr Geduld als ich.

    Vielleicht weil sich der (beklemmend langsame) positive Trend bei den Staatsfinanzen auch in den ersten vier Monaten dieses Jahres fortgesetzt hat. Im Vergleich zur Vorjahresperiode sind die Ausgaben etwas gefallen und die Einnahmen etwas gestiegen.

    Und die Preise sind rückläufig : Inflation -0,6% April 2013 gegen April 2012.

  • Ich will es ganz kurz machen. Wir haben allen Grund Herrn Theodoros Katsanevas zu unterstützen!!!

  • Bei Internetabstimmungen wird die Meinung meiner Großmutter nicht berücksichtigt. Deshalb sind diese Zahlen irrelevant.

  • Tja, Delinix..und wenn all das 2010 passiert wäre, hätte sich das Desaster in Grenzen gehalten.

    Aber nein, erst verzögern, hinhalten, rummurksen bis zum geht nicht mehr, bis die meisten keine Substanz mehr haben, wovon sie zehren können. Ist doch so. Die EU Politik inkl. der Dummgläubigkeit der Griechen hat die Situation völlig unnötig verschärft und alle anderen mit in die Situation reingezogen.

    Schon alleine dafür sollten in Brüssel die Entscheidungsträger den Hut nehmen. Sie haben ihr Gehalt nicht verdient, weil es absehbar war, dass es so kommen würde.

  • Eigentlich ein schlauer Schachzug. Erst jede Menge Schulden machen in guter Währung und dann deren Rückzahlung ablehnen.
    Wäre da nicht der erste haircut in 2010 gewesen, würde das wohl klappen. Schließlich hat Deutschland nach dem 2.Weltkrieg auch einen gigantischen Nachlass auf seine Auslandsschulden bekommen, während heute immer noch hoch verschuldete Länder wie Belgien nach wie vor die Schuldenberge zweier Weltkriege im Haushalt mitschleppen.

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