Neue Bafin-Chefin : König fordert scharfe Regulierung der Schattenbanken

Neue Bafin-Chefin
König fordert scharfe Regulierung der Schattenbanken

Die neue Bafin-Präsidentin gibt ihre Visitenkarte ab: Elke König fordert eine stärkere Kontrolle riskanter Hedge-Fonds-Geschäfte. Den deutschen Banken attestiert sie genug Widerstandskraft in der Euro-Schuldenkrise.
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FrankfurtDie neue Präsidentin der Finanzaufsicht Bafin, Elke König, hat ihren Kurs abgesteckt. Die Bafin werde unter ihrer Ägide ihre Schlagkraft bewahren und sich international für eine Regulierung mit Augenmaß einsetzen. Die Finanzaufsicht stehe für eine Regulierung, an der sich die Finanzindustrie orientieren können, sagte König heute Abend anlässlich des Neujahrsempfangs der Behörde. Die schärferen Eigenkapitalvorschriften nach Basel und weitere Kapitalzuschläge für systemrelevante Banken würden nur für scheinbare Sicherheit sorgen, solange der Schattenbankensektor nicht ebenfalls angemessen reguliert werde. Welche Ansteckungsgefahren hier für den regulierten Markt schlummern, habe die Finanzmarktkrise gezeigt. Nötig seien weltweit geltende Standards für die vielen Ausprägungen der Hedge Fonds, aber auch für Geldmarktfonds und die Wertpapierleihe. „Wir sollten den Erfindergeist der Finanzindustrie im Blick halten“, empfahl König.

Die deutschen Banken werden nach ihrer Auffassung die notwendigen Kapitalpolster aufbauen können, um der Euro-Schuldenkrise zu widerstehen. „Aus den Plänen, die uns die Institute vorgelegt haben, geht hervor, dass es ihnen gelingen sollte, die von der (EU-Bankenaufsicht) EBA empfohlene Kapitalisierung aus eigener Kraft zu erreichen“, sagte König. Die EBA fordert von den größten 70 europäischen Geldhäusern eine harte Kernkapitalquote von neun Prozent, die sie bis Ende Juni erreichen müssen. Sechs deutschen Banken fehlen insgesamt gut 13 Milliarden Euro, der Commerzbank allein 5,3 Milliarden.

Die EBA-Aufseher wollen die Pläne in der kommenden Woche auf ihre Plausibilität überprüfen. Die ehemalige Versicherungs-Managerin König, die am 1. Januar ihr Amt angetreten hatte, verteidigte die Praxis der meisten Banken, Risiken abzubauen, um die Anforderungen zu erfüllen, statt neues Kapital aufzunehmen. „Und letztlich werden sich einige Institute von der einen oder anderen Last befreien, was zu begrüßen ist“, sagte sie. Es sei gut, dass Banken sich im Zuge dessen von nicht-strategischen Geschäften - etwa Positionen im Handelsbuch - trennen wollten. „Schließlich sind Krisen das Ergebnis von Übertreibungen. Banken tun daher gut daran, ihr Geschäftsportfolio zu konsolidieren.“ Nur ein exzessiver Abbau von Risiken - wie sie etwa in Krediten stecken - wäre gefährlich für die Kreditversorgung der Unternehmen. „Doch eine Kreditklemme erleben wir derzeit nicht“, sagte König. Es bestehe kein Grund zur Sorge, dass Privatbanken, Sparkassen und Volksbanken zusammen weniger Kredite vergäben.

Versicherer sollten nach Auffassung Königs nicht über einen Kamm mit Banken geschoren werden. Erkenntnisse aus dem Bankensektor ließen sich nicht 1:1 auf den Versicherungssektor übernehmen. Der US-Riese AIG sei nicht durch das originäre Versicherungsgeschäft in Schwierigkeiten gekommen, sondern durch das Finanzgarantiegeschäft der Gruppe. „Im klassischen Versicherungsgeschäft kann ich ein systemisches Risiko, das mit dem des Bankengeschäfts vergleichbar wäre, nicht erkennen, so König.

Die neuen Eigenkapitalregeln für Versicherer nach Solvency II sollen und müssten verbessert werden. Noch immer sei das Regelwerk zu komplex, kritisierte König. Gerade für die kleinen und mittleren Unternehmen müsse der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit gewahrt bleiben.

 

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Interessant. Nun die Hannover Rückversicherung und ihre komplexe Finanzwelt ist für mich mehr Erfahrung als viele Bänker je gesammelt haben. Dort muß man die Welt von allen Seiten der Kugel ansehen. von den Risiken zu den Chancen und ihrer Absicherung in Kapitalanlagen.
    Ich empfehle eine kurze Bschäftigung mit ihrem Lebenslauf.
    In Ihren theoretischen Abhandlungen erkenne ich die Opfersprache. Ich bedaure Sie dafür und wünsche Ihnen gute Besserung.
    Seit 50 Jahren kennen die öffentlichen Haushalte gleich welcher Couleur nur Nettoneuverschuldung. Wir leben mittlerweile in der 2ten Generation und Prägung dieser Anspruchsgesellschaft und das wählen wir in der Demokratie so. Regemäßig den, der unsere Wünsche mit der Gießkanne am Besten befriedigt. Schauen Sie sich doch die Qualität deutscher Straßen an im Vergleich zu anderen Ländern. Alles auf Pump und über die Verhältnisse. Die Politik wünscht es, der Bürger erwartete es, die Banken finanzieren es, die Zentralbanken geben die Mttel und noch nie ging es Generationen vermeintlich besser als heute. Aber das Karusell ging in der Geschichte alle 70 bis 100 Jahre zu Bruch. Das ist historische Realität. Es gibt keine Welt die regulierter ist als die Bankenwelt und die BAFin lenkt das Ganze mit der Kelle aus dem Streifenwagen. Darüber brauche ich nicht bruddeln. Jeder gebe sein Bestes. Mein Bestes sieht anders aus als Ihres.

  • "Damit sparten der griechische Staat und seine Rentenkassen knapp 450 Millionen Euro jährlich. "

    Die Formulierung ist ja schon bemerkenswert. Der griechische Staat "spart". Es erschließt sich nicht meiner Denkenskraft eine Sparleistung auszumachen.

    Noch schwieriger wird es, wenn anzunehmen sein soll, dass dieser Vorgang einzigartig sein soll.

  • Lenken wir das Augenmerk auf das Schlagwort: systemrelevante Banken. Systemrelevante Banken gab es schon immer, aber reguliert wurden sie als solche nicht.

    Stichwort: Schattenbanken
    Es kann nicht primär darum gehen den Schattenbankensektor zu regulieren, der Fokus muss vielmehr darin liegen, deren Geschäfte transparent zu machen, ihre Geschäfte an die Öffentlichkeit, an börsenähnliche Gebilde zu ziehen. Dort sind sie dann überwachbar, dann könnte man sie regulieren. Eine "Transaktionssteuer" würde derartigem Ansinnen entgegen wirken. Herr Röseler, oberster Bankenaufseher, hat jüngst öffentlich erklärt, dass er einer "Transaktionssteuer" positiv gegenüber steht.

    Die deutschen Banken waren Ende der 80iger in ihren Überlegungen viel weiter als Frau König wahrscheinlich heute träumen kann. Aufgrund der Tatsache, dass sich die Zusammenarbeit mit der Bankenaufsicht in Berlin schwierig gestaltete wurden diese Aktivitäten bedauerlicherweise später wieder eingestellt.

    Wenn Sie möchten, können wir das Thema, was hier nur angerissen wurde, auch noch fortsetzen.

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