Neue Bodenoffensive
Israel fühlt sich durch Resolution bestätigt

Die UN-Resolution zum Libanon-Konflikt ist kaum einen halben Tag alt. Dessen ungeachtet setzt Israel seine Luftangriffe ungemindert fort. Auch die Bodenoffensive im Nachbarland wurde verstärkt. Die israelische Führung fühlt sich durch die Resolution bestätigt.

HB BEIRUT/JERUSALEM. Bei einem israelischen Luftangriff auf ein Dorf im Südlibanon sind am Samstag mindestens 15 Zivilpersonen getötet worden, wie libanesische Sicherheitskräfte mitteilten. Mehrere Häuser in der Ortschaft Ratschaf, rund 14 Kilometer von der libanesisch-israelischen Grenze entfernt, seien am Morgen von Raketen getroffen worden.

Ein Fotograf der Nachrichtenagentur AP, der in einem Konvoi mit hunderten Fahrzeugen aus der umkämpften Ortschaft Mardschajun unterwegs war, berichtete von sieben Toten und etwa 40 Verletzten, als die Flüchtlinge nahe der Stadt Chtaura im Bekaa-Tal, nördlich des Flusses Litani, von einer Drohne angegriffen wurden. Die israelischen Streitkräfte erklärten, sie hätten dem Konvoi aus Sicherheitsgründen kein grünes Licht für die Weiterreise in der Region erteilt gehabt. Israel könne nicht für die Sicherheit von Konvois garantieren, die ohne die erforderliche Absprache und Genehmigung unterwegs seien. Der Angriff sei erfolgt, nachdem die Streitkräfte verdächtige Bewegungen auf einer Straße ausgemacht hätten, die von der Hisbollah häufig zum Transport von Raketen genutzt werde.

Der Konvoi war zuvor von zwei gepanzerten Fahrzeugen der UN-Truppe UNIFIL aus Mardschajun geleitet worden. Zum Zeitpunkt des Angriffs befanden sie sich offenbar nicht mehr bei den rund 500 zivilen Fahrzeugen, die sich bei der Flucht aus der Stadt 350 libanesischen Soldaten und Polizisten angeschlossen hatten. Diese hatten den Ort am Freitag unter dem Schutz der UNIFIL verlassen, nachdem sie dort von israelischen Soldaten festgesetzt worden waren.

Israelische Kampfflugzeuge bombardierten außerdem ein Fahrzeug in der Ortschaft Charajeb zwischen Beirut und der Grenze zu Israel. Dabei wurden zwei Menschen getötet, ein dritter erlitt Verletzungen. Mit einem Raketenbeschuss am Rande der Stadt Sidon sei ein Kraftwerk in Brand gesetzt und zerstört worden, berichteten Sicherheitskräfte. In der Stadt sei die Stromversorgung zusammengebrochen. In Baalbek im Osten des Landes wurden mehrere Häuser beschossen, in denen eine Wohltätigkeitsorganisation der Hisbollah-Miliz untergebracht war. Drei Menschen wurden verletzt. Angriffe wurden darüber hinaus aus der Region Akkar rund 100 Kilometer nördlich von Beirut sowie aus der südlibanesischen Hafenstadt Tyrus gemeldet.

Über die Grenze stießen lange Kolonnen von Fahrzeugen und Panzern in den Südlibanon vor. Die Offensive solle mindestens bis zu einer Kabinettsabstimmung über die UN-Entschließung am Sonntag fortgesetzt werden, erklärte Gideon Meir, ein ranghoher Mitarbeiter des Außenministeriums in Jerusalem. Die Militäraktion ziele darauf, die Hisbollah weiter zu schwächen und damit der von den UN angestrebten Entsendung libanesischer Soldaten den Weg zu bereiten, verlautete aus Regierungskreisen in Jerusalem. Nach der Einschätzung des israelischen Heereschefs Dan Halutz könnte die neuerliche Offensive noch eine ganze Woche andauern.

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