Neue Demonstration
Myanmarer protestieren unter Lebensgefahr

Trotz eines Versammlungsverbotes sind in Myanmar wieder Tausende von Menschen aus Protest gegen die Militärregierung auf die Straße gegangen. Sie begeben sich damit in Lebensgefahr, denn zuvor hatte das Regime Waffen sprechen lassen, um die Bevölkerung einzuschüchtern.

HB RANGUN. Rund 5 000 Mönche zogen mit 5 000 Sympathisanten in Richtung Innenstadt. Zuvor hatte die Polizei an der Shwedagon-Pagode versucht, eine Versammlung von protestierenden Mönchen aufzulösen. Dabei gaben die Sicherheitskräfte Warnschüsse ab, setzten Tränengas ein, schlugen auf Mönche ein und brachten einige von ihnen zu wartenden Lastwagen.

Die Militärjunta hatte am Dienstag ein nächtliches Ausgehverbot in Rangun und der zweitgrößten Stadt Mandalay von 21.00 bis 5.00 Uhr verhängt. Zudem wurde ein Versammlungsverbot erlassen, wonach Ansammlungen von mehr als fünf Personen untersagt sind. Die Militärs reagierten damit auf eine achttägige Protestbewegung buddhistischer Mönche, der sich auch viele Sympathisanten in der Bevölkerung anschlossen. Zur größten Kundgebung in Rangun kamen dabei rund 100 000. Am Dienstag demonstrierten zwischen 25 000 und 50 000 Menschen in Rangun.

In der Hauptstadt kam es am Mittwoch an mehreren Orten zu Konfrontationen zwischen den Sicherheitskräften und den Mönchen. Die Shwedagon-Pagode wurde dabei von Soldaten abgeriegelt. Rund hundert Mönche hielten dabei dem Druck der Polizei stand, obwohl diese Warnschüsse und Tränengas abfeuerte und Schlagstöcke einsetze. Aufgebrachte Menschen setzen daraufhin zwei Polizeimotorräder in Brand, wie es hieß.

Die Sicherheitskräfte nahmen in der Nacht offenbar auch etliche bekannte Regimekritiker fest. So wurde der Kabarettist Zarganar kurz nach Mitternacht aus seiner Wohnung zu einer „vorübergehenden Befragung“ bei der Polizei geholt, wie Familienangehörige berichteten. Zarganar wurde schon zwei Mal zuvor festgenommen, es wurde ihm verboten aufzutreten. Er leitete zusammen mit dem Schauspieler Kyaw Thu und dem Dichter Aung Way ein Komitee, das die demonstrierenden Mönche mit Lebensmitteln und anderen Dingen versorgte. Wie Zarganar sollen einige weitere Menschen festgenommen worden sein.

Die internationale Gemeinschaft verstärkte derweil den Druck auf das Regime, nicht militärisch gegen die Demonstranten vorzugehen. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) forderte eine neue Uno-Resolution. Es sei zu befürchten, dass die Proteste der Opposition mit Gewalt niedergeschlagen würden, wie dies 1988 schon einmal geschehen sei, sagte der AI-Birma-Experte Bernhard Forster am Mittwoch im Südwestrundfunk. Eine Uno-Resolution sei jetzt der richtige Weg, um die Generäle zu beeindrucken. Vor allem China als Waffenlieferant und Geschäftspartner des Landes müsse aktiv werden und mäßigenden Einfluss ausüben, forderte er. Bei der Niederschlagung der Demokratiebewegung waren vor 19 Jahren etwa 3 000 Menschen ermordet worden.

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