Neue Ermittlungen
Berichte um Hariri-Mord sorgen für Unruhe

Die Spekulationen über eine Beteiligung der schiitischen Hisbollah-Bewegung an dem Attentat auf den früheren libanesischen Regierungschef Rafik al-Hariri schlagen im Libanon hohe Wellen.

HB BEIRUT. "Ist das, was der deutsche "Spiegel" über die Hisbollah schreibt, vielleicht eine Rauchbombe, hinter deren Qualm die Erfolge der Sicherheitsbehörden verschwinden sollen?" fragte am Montag der Vorsitzenden des Allgemeinen Rates der Maronitischen Kirche im Libanon, Wadih al-Chasen, in Anspielung auf den im Libanon jüngst ausgehobenen israelischen Spionagering. Hariris Sohn und politischer Erbe Saad al-Hariri lehnte am Montag jeden Kommentar ab.

Der Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel", wonach Angehörige einer Sondereinheit der pro-iranischen Hisbollah-Miliz Hariri getötet haben sollen, sei "gefährlich" und könne den Libanon "destabilisieren", fügte er hinzu. Saad al-Hariri wollte sich am Montag nicht explizit zu dem Bericht des Magazins äußern. "Nur das Sondertribunal für den Libanon entscheidet darüber, wer die wahren Täter sind", sagte er. "Daher betrachten wir alles, was in den Zeitungen steht, lediglich als Gerede der Presse und kommentieren es nicht."

Der "Spiegel" berichtet in seiner aktuellen Ausgabe unter Berufung auf das Umfeld die internationalen Ermittler des Sondertribunals für die Aufklärung des Hariri-Mordes, die Ermittler hätten nun herausgefunden, dass ein Sonderkommando der Hisbollah den früheren Ministerpräsidenten und Milliardär töteten. Hariri und 22 weitere Menschen waren am 14. Februar 2005 in Beirut einem minuziös geplanten Sprengstoffanschlag zum Opfer gefallen. Die ersten Hinweise der Ermittler deuteten damals auf eine Beteiligung der einstigen Schutzmacht Syrien an dem Anschlag hin. Hariri war einige Wochen vor seiner Ermordung mit dem syrischen Präsidenten Baschar al-Assad aneinandergeraten. Kurz nach dem Anschlag hatten die letzten syrischen Truppen das Land verlassen müssen.

Die Nachrichten-Website Lebanon Now meldete unterdessen, die Sicherheitskräfte hätten im Libanon seit Sonntag vier weitere Verdächtige verhaftet, die für Israel spioniert haben sollen. Damit sind seit dem vergangenen April im Libanon insgesamt mehr als 20 inhaftiert worden, die verdächtigt werden, im Auftrag des israelischen Mossad Informationen über die Hisbollah gesammelt zu haben.

Die radikal-islamische Hisbollah hatte schon am Sonntag jede Verantwortung für den Mord an Hariri zurückgewiesen und den Bericht des Nachrichtenmagazins "Spiegel" als "frei erfunden" bezeichnet. Syriens Außenminister Walid al-Muallim nannte den Bericht eine "Lüge" und "wertloses Gekritzel einer angesehenen Publikation". Er forderte die Redaktion des Magazins auf, "Wahrheitsgehalt und Quelle der Informationen" zu überprüfen.

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