Neue Eskalationsstufe
Syrische Kämpfer sprechen von Chemiewaffen-Einsatz

Atemnot, Chlorgeruch, rosa-farbener Rauch in den Straßen Aleppos: Im syrischen Bürgerkrieg sind offenbar Chemiewaffen eingesetzt worden. Es gab dutzende Tote. Großbritannien droht mit Konsequenzen.
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BeirutIm syrischen Bürgerkrieg ist offenbar eine neue Eskalationsstufe erreicht: Regierung und Aufständische warfen sich am Dienstag gegenseitig vor, bei einem Raketenangriff nahe Aleppo Chemiewaffen eingesetzt zu haben. Dabei wurden einer oppositionsnahen Beobachtungsstelle zufolge 26 Menschen getötet, darunter mindestens 16 Soldaten. Augenzeugen berichteten von Opfern mit Atemnot, es gab Berichte über Chlorgeruch und rosa-farbenen Rauch in den Straßen.

Eine Bestätigung für einen Chemiewaffen-Einsatz gab es weder von westlicher Seite noch von internationalen Organisationen. Allerdings stützte Russland die Darstellung der syrischen Regierung. Die USA nahmen die Rebellen gegen den Vorwurf des C-Waffen-Einsatzes in Schutz. Es wäre der erste Einsatz von Chemiewaffen in dem seit 2011 andauernden Konflikt.

Informationsminister Omran al-Soabi erklärte, die Aufständischen hätten vom Bezirk Nairab in Aleppo aus eine mit chemischen Kampfstoffen bestückte Rakete auf die Stadt Chan al-Assal abgefeuert. Der Bezirk Nairab befindet sich zum Teil in Rebellenhand. Die syrischen Streitkräfte würden niemals international verbotene Waffen einsetzen, selbst wenn sie über solche verfügten, wurde Soabi im Staatsfernsehen zitiert.

Offiziell hat Syrien nicht bestätigt, dass es Chemiewaffen hat. Ein Rebellen-Sprecher machte hingegen regierungstreue Kräfte für den Angriff verantwortlich. „Wir glauben, dass sie eine Scud(-Rakete) mit chemischen Stoffen abgefeuert haben”, sagte ein hochrangiger Aufständischer in Aleppo. „Die Rebellen stecken nicht hinter dem Angriff.”

Ähnlich äußerte sich auch das US-Außenministerium. Es gebe keinen Grund zu der Annahme, dass die Rebellen die international geächteten Kampfstoffe eingesetzt hätten, sagte eine Ministeriumssprecherin in Washington. Die USA haben Präsident Baschar al-Assad mehrfach vor einem Einsatz von Chemiewaffen gewarnt - dadurch würde eine rote Linie überschritten. In Syrien sollen etwa 1000 Tonnen chemische Kampfstoffe lagern, darunter Sarin, Senfgas und VX.

Kommentare zu " Neue Eskalationsstufe: Syrische Kämpfer sprechen von Chemiewaffen-Einsatz"

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  • Die UNO kann diesen Vorfall nicht verifizieren. Ergo kann er nicht stattgefunden haben. Vermutlich wird das daran liegen, daß bei diesem "Unfall" mehrheitlich syrische Soldaten gestorben sind. Deswegen ist es natürlich schwierig, diesen Vorfall Assad in die Schuhe zu schieben.

  • O-Ton Handelsblatt
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    Atemnot, Chlorgeruch, rosa-farbener Rauch in den Straßen Aleppos: Im syrischen Bürgerkrieg sind offenbar Chemiewaffen eingesetzt worden. Es gab dutzende Tote. Großbritannien droht mit Konsequenzen.
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    Cui bono?

    Trotz Waffen und Personal aus Saudi Arabien und "nichtlethaler" Unterstüzung aus USA und Großbritannien stecken die Rebellen in der Sackgasse - sie bluten millitärisch aus.

    Denn die Christen und Alewiten wissen, was Ihnen bei einer Machtübernahme durch die sunnitischen Terroristen droht: der millionenfache Tod.

    Weshalb ihr Geschrei nach ausländischer Intervention immer größer wird.

    Was hätte die syrische Regierung davon mit einem Giftgaseinsatz von minimalem militärischen Wert den Kriegshetzern in Washington, London und Paris einen Vorwand zum Einmarsch zu geben?

    Während es den Terroristen einen Ausweg aus ihrer prekären Lage bieten könnte.

  • sondern setzte 2007 auch mehrfach Chlorgas ein. Das ist selbst auf gängigen Seiten wie Wikipedia nachzulesen.
    Huch, Chlorgas, wird der aufmerksame Leser nun denken, stand in dem Artikel nicht etwas von Chlor? Richtig, danach roch es nämlich. Die syrische Armee hingegen setzt in ihrem Chemiewaffenarsenal laut den immer wieder zitierten geheimdienstberichten auf agressivere und teilweise modernere Giftgasarten wie Sarin oder Senfgas. Beide riechen nicht nach Chlor.
    Ich weiß, solche einfachen Gedankengänge sind in Zeiten des modernen copy&Paste-Journalismus einfach nicht mehr gefragt und sowieso unnötig, weil machtpolitische Interessen eh über der Wahrheit stehen.
    Die Wahrheit und die Abkehr von Ihrem unsäglichen Linksrutsch der vergangenen Wochen und Monate würden Ihnen aber ausnahmsweise mal nicht schlecht zu Gesicht stehen!

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