Neue EU-Länder stecken im Dilemma
Moskaus Einladung entzweit Osteuropäer

Nach einer heftigen Debatte haben die Staatsoberhäupter Estlands und Litauens ihre Teilnahme an den Feierlichkeiten zum 60. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs am 9. Mai in Moskau abgesagt. Jetzt will auch Polens Staatspräsident Aleksander Kwasniewski seine Reise noch einmal überdenken, obwohl alle Staats- und Regierungschefs der EU-Länder, der US-Präsident und die Staatsoberhäupter der GUS-Staaten eingeladen wurden.

STOCKHOLM/WARSCHAU. Dagegen hatte Vaira Vike-Freiberga, die Präsidentin Lettlands, schon vor einem Monat ihre Teilnahme an der Feier zum Sieg über Hitler-Deutschland zusagte. Der polnische Politologe brachte das Dilemma in den neuen EU-Ländern auf den Punkt. „Für uns bedeutet das Ende des Zweiten Weltkriegs eben nicht nur die Befreiung vom Hitler-Faschismus, sondern auch den Beginn einer neuen Unfreiheit im Schatten Moskaus“.

In einer Radioansprache begründete Litauens Präsident Valdas Adamkus seine Absage mit der sowjetischen Besetzung des Landes nach dem Zweiten Weltkrieg. Über 350 000 Litauer seien damals in sowjetische Lager in Sibirien deportiert worden. „Im Ergebnis verschwand Litauen als eigener Staat für 50 Jahre von der Landkarte Europas“, sagte Adamkus. Angesichts dieser schrecklichen Erfahrungen wolle er den 9. Mai mit seinen Landsleuten zu Hause verbringen. Die allerdings hätten seine Reise nach Moskau mehrheitlich begrüßt, da sie anderenfalls eine Beeinträchtigung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen Russland und Litauen befürchten.

Auch Estlands Präsident Arnold Rüütel musste bei seiner Entscheidung Rücksicht auf die Stimmung in dem kleinen baltischen Land nehmen. Doch in dem kleinsten der drei baltischen Staaten waren es vor allem nationalistische Kräfte, die Rüütel seit Monaten gedrängt haben, die Teilnahme an den Moskauer Feierlichkeiten abzulehnen. Da half es auch nichts, dass der ehemalige Außenminister Toomas Olves als stellvertretender Vorsitzendes des außenpolitischen Ausschusses der EU seinen eigenen Präsidenten zur Teilnahme mahnte. Rüütel riskiert nun mit seinem „Nein“ neue Verzögerungen bei der immer noch ausstehenden Unterzeichnung von Grenzabkommen mit Russland.

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