Neue Expertengruppe soll die Branche fit machen: Brüssel will die Autoindustrie entlasten

Neue Expertengruppe soll die Branche fit machen
Brüssel will die Autoindustrie entlasten

Die nackten Zahlen sind beeindruckend: Jedes dritte Auto auf der Welt wird in der Europäischen Union gebaut, zwölf Millionen Menschen zwischen Lissabon und Warschau leben von der Autobranche. Will die Brüsseler Kommission wie angekündigt die Wettbewerbsfähigkeit der Union nachhaltig stärken, dann kommt sie an der Schlüsselindustrie nicht vorbei.

fas DÜSSELDORF. „Cars 21“ heißt die Expertengruppe, die Industriekommissar Günther Verheugen ins Leben gerufen hat. Vor allem der Paragrafendschungel der Brüsseler Bürokraten soll auf den Prüfstand. 3 000 Vorschriften reglementieren in Europa den Bau und den Verkauf von Autos, 85 Prozent davon hat die EU erarbeitet. Von A wie Altautorichtlinie bis Z wie Zero-Emission bestimmt die Kommission die Rahmenbedingungen für die Konzerne – meist zu deren Unmut. Bis zu 4 000 Euro pro Auto koste die Umsetzung der EU-Vorschriften, klagte jüngst Fords Europa-Vizechef Mark Fields.

Das Regulierungsnetz bleibt auch in Zukunft dicht. Vor allem in Sachen Umweltschutz will Verheugen nicht locker lassen. Aus seiner Sicht sind hohe ökologische Standards und Wettbewerbsfähigkeit kein Widerspruch – im Gegenteil: „Das europäische Auto der Zukunft muss das weltweit umweltverträglichste sein“, lautet sein Credo. In der Tat ist die europäische Autoindustrie der amerikanischen in Sachen Energieeffizienz weit überlegen. Das liegt auch an den strengen Abgasnormen der EU. Die Nase vorn haben aber zurzeit die Japaner mit ihrer Hybridtechnik. Wer die wirklich überzeugende Antwort auf die Antriebsfrage der nächsten 50 Jahre gibt, ist aber noch offen.

Derweil dürfte sich die „Cars- 21“-Expertengruppe auf ihrem ersten Treffen im März um weit profanere Dinge kümmern, die die Branche aber viel Geld kosten könnten. Die so genannte „Designschutzrichtlinie“ zeigt nämlich exemplarisch die widersprüchlichen Interessen zwischen Kommission und Industrie. Bislang hatten die Autokonzerne das Monopol für Herstellung und Verkauf sichtbarer Karosserieteile wie Scheinwerfer oder Motorhauben. Das soll nach dem Willen der Kommission nun fallen, was dem Handel und den Werkstätten mehr Auswahl ermöglichte. Die Industrie läuft Sturm: Sie fürchtet eine Flut billiger Ersatzteile aus China.

Ohnehin zieht der erwachende Riese aus Fernost die Investitionen der Autoindustrie augenblicklich an wie ein Magnet – er gilt als Markt der Zukunft. „Wenn man auf die Herausforderung China nicht reagiert, dann gibt es in 50 Jahren keine europäische Autoindustrie mehr“, orakelte jüngst VW-Chef Bernd Pischetsrieder. Sein Unternehmen verkauft längst mehr Volkswagen in China als in Deutschland.

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