Neue Finanzagentur hilft Unternehmen
Dubai kämpft gegen Schuldenberg

Dubai unternimmt einen neuen Anlauf, um seinen gigantischen Schuldenberg abzubauen. Die Regierung rief eine Finanzagentur ins Leben, die strategisch wichtigen Firmen des Emirats mit Krediten unter die Arme greifen soll. Das Geld stammt aus dem Verkauf von Bonds über 20 Mrd. Dollar und soll in einen Unterstützungsfonds fließen.

DUBAI. Die erste Tranche über zehn Mrd. Dollar wurde im Februar von der Zentralbank in Abu Dhabi gekauft. Die Märkte feierten den Schritt damals als Zeichen, dass die Regierung der Vereinigten Arabischen Emirate dem hochverschuldeten Dubai im Zweifelsfall aus der Patsche helfen wird. Nun sucht das Emirat nach nationalen und internationalen Investoren, die das Kapital für die zweite Tranche über zehn Mrd. Dollar lockermachen sollen.

Dubai ist dringend auf neue Finanz-Injektionen angewiesen, um seine Verbindlichkeiten von insgesamt 80 Mrd. Dollar zu schultern. Das Emirat wurde durch die Immobilienkrise und den Rückgang der Touristenzahlen besonders hart getroffen. Seit Herbst 2008 brachen die Häuser- und Wohnungspreise zum Teil um 50 Prozent ein. Spekulanten konnten auf einmal ihre Bankkredite nicht mehr bedienen, Entwicklungsgesellschaften reichten den Zahlungsengpass an Subunternehmer weiter. Die Baubranche erwirtschaftet fast die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Dubai.

Experten begrüßten die Einrichtung der neuen Finanzagentur als positives Signal, kritisierten jedoch den Mangel an Transparenz: "Es ist völlig unklar, welche Betriebe in den Genuss der Staatsgelder kommen und zu welchen Bedingungen", sagte Simon Williams, Chefökonom bei HSBC in Dubai. Finanzminister Abdulrahman Al Saleh hatte lediglich angekündigt, dass öffentliche oder regierungsnahe Gesellschaften von "strategischer Bedeutung" Zugang zu den Darlehen hätten. "Investoren würden auch gerne wissen, ob die Mittel für die Rückzahlung der Schulden oder für die Finanzierung neuer Projekte eingesetzt werden", betonte deshalb Farouk Soussa von der Ratingagentur Standard & Poor's.

Aus der ersten Bond-Tranche über zehn Mrd. Dollar wurde bereits mehr als die Hälfte verbraucht, teilte die Regierung in Dubai mit. Vor allem Immobilienfirmen mit staatlicher Beteiligung hätten profitiert, heißt es. Die Konditionen sind äußerst günstig: Die Unternehmen bekommen für ihre Kredite einen Zinssatz von etwas mehr als vier Prozent. Dubai seinerseits zahlt an die Zentralbank einen Zinssatz von vier Prozent über eine Laufzeit von fünf Jahren.

Die Frage ist nun, wer bei der zweiten Bond-Tranche über ebenfalls zehn Mrd. Dollar einsteigt. Nach Angaben von Omar bin Sulaiman, Vorsitzender des Dubai International Financial Centre, haben private Investoren und Staatsfonds Interesse gezeigt. Anleger von außen wären nach Ansicht von Fachleuten auch bitter nötig, um die Kreditwürdigkeit des Emirats zu heben. "Wenn Dubai die zweite Tranche komplett selbst stemmen könnte, wären das gute Nachrichten über eine frische Finanzquelle", meint Philippe Dauba-Pantanacce von Standard Chartered.

Davon ist bislang allerdings nichts zu sehen. Falls alle Stricke reißen, steht jedoch die Zentralbank Gewehr bei Fuß: "Wir sind bereit, Teile des Bonds zu kaufen", erklärte Notenbankchef Sultan Al Suwaidi. Marktbeobachter sehen darin eine wichtige Rückversicherung, dass die Zentralregierung der Vereinigten Arabischen Emirate Dubai aus politischen Gründen nicht fallen lassen wird.

Dennoch kann das Emirat nicht bei allen Engpässen nach Abu Dhabi schielen. Mitte Dezember muss die Bau-Entwicklungsgesellschaft Nakheel einen Kredit in Höhe von 3,5 Mrd. Dollar refinanzieren. Die Firma, die so spektakuläre Immobilienprojekte wie die künstliche Insel Palm Jumeirah angestoßen hat, drücken massive Zahlungsprobleme. Nach unbestätigten Berichten aus der Finanzszene hat das Unternehmen seine Gläubiger aufgefordert, auf 30 Prozent ihrer Außenstände zu verzichten. "Die Refinanzierung von Nakheel ist ein wichtiger Lackmustest für die Entschuldungskapazität Dubais", sagt Philipp Lotter von der Ratingagentur Moody?s.

Michael Backfisch
Michael Backfisch
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%