Neue Finanzhilfen Rettungspaket 2.0 - Auch Irland braucht mehr Geld

In der Euro-Krise wird immer klarer: Nur ein neues Rettungspaket kann die Staatspleite in Europas Schuldenländern noch verhindern. Griechenland steht vor dem Aus - und nun macht Irland beunruhigende neue Andeutungen.
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Dublin/Athen/BerlinGriechenland dürfte ohne weitere EU-Finanzhilfen kaum die Staatspleite verhindern können, doch nun tut sich für die Euro-Währungshüter eine neue Großbaustelle auf: Auch Irland braucht nach Ansicht seines Verkehrsministers vermutlich weitere internationale Unterstützung zum Meistern der Schuldenkrise. Die "Sunday Times" zitierte Leo Varadkar mit den Worten, er halte es für sehr unwahrscheinlich, dass Irland im kommenden Jahr an die Kapitalmärkte zurückkehren könne.

"Ich denke, dass es vielleicht ein bisschen länger dauert ... 2013 könnte es möglich sein, aber wer weiß?" Dies könne bedeuten, dass über das 85 Milliarden Euro schwere Hilfspaket der Europäischen Union (EU) und des Internationalen Währungsfonds (IWF) weitere Hilfen nötig würden: "Entweder eine Erweiterung des existierenden Programms oder ein zweites Programm. Ich denke, dass das allgemein die Meinung der meisten Leute ist", sagte Varadkar. Der Minister ist das erste irische Kabinettsmitglied, dass öffentlich das Ziel der Regierung in Zweifel zieht, im kommenden Jahr an die Kapitalmärkte zurückzukehren.

Damit müssen IWF und EU nun an zwei Fronten kämpfen - denn in Griechenland ist die Situation noch dramatischer als in Irland: Erst verweigerte sich die Opposition am Freitag abermals dem Sparkurs von Ministerpräsident Giorgos Papandreou. Nun muss Athen nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Spiegel" auch noch mit einem verheerenden Zeugnis zu seinen Sparbemühungen rechnen.

Nach dem aktuellen Bericht der sogenannten "Troika" von Europäischer Zentralbank (EZB), Internationalem Währungsfonds (IWF) und EU-Kommission verfehle Griechenland bislang alle mit den internationalen Geldgebern vereinbarten Sparziele.

Der IWF wies den "Spiegel"-Bericht zurück. "Die jüngsten Medienberichte, die sich auf die Ergebnisse der Prüfdelegation berufen, sind falsch", erklärte eine Sprecherin am Sonntag. Die Beratungen mit den griechischen Behörden dauerten an und machten gute Fortschritte. Der IWF rechne damit, dass die Gespräche bald abgeschlossen werden könnten, fügte die Sprecherin hinzu. Zuvor hatte bereits die griechische Regierung den Bericht dementiert.

Das Defizit im Staatshaushalt falle wegen unverhältnismäßig hoher Staatsausgaben größer aus als erwartet, zitiert "Der Spiegel" aus dem IWF-Bericht. Außerdem blieben die Steuereinnahmen hinter den Vorgaben zurück. Bislang unklar ist, welche Konsequenzen das für die Überweisung der nächsten Kredittranche an Griechenland haben könnte. Das Land hat nur noch bis Mitte Juli Mittel, um seine Verpflichtungen zu erfüllen und Löhne sowie Pensionen zu zahlen.

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  • Griechenland sollte einen nationalen Lastenausgleich per Gesetz einführen. Dies sollte helfen ein paar Milliarden aufzutreiben

  • Endlich mal jemand der durchblickt - Kompliment.

  • Wir sollten nicht vergessen wer als erstes den Stabilitätspakt gebrochen hat (Deutschland, rot/grün). Dadurch ist dieses schuldenmachen auf EU-Ebene erst legitimiert worden. Nun haben wir nur noch die Wahl zwischen einem schnellen bankrott (rot/grün) oder ein klein wenig mehr Zeit bis zur Währungsreform (schwarz/gelb).
    Hoffendlich nutzen wir die Chance nach dem "Neustart" und wählen keine Berufsschwätzer mehr als Volksvertreter, sondern Wirtschaftsfachleute die schon nachweislich erfolgreich gearbeitet haben.

    Ein vereintes Europa ist gut und richtig, allerdings sollten nur Länder mit einer ähnlich Wirtschaftskraft eine gemeinsame Währung besitzen. Die Südländer gehören definitiv nicht dazu.

  • Es sind natürlich schon viel mehr als zwei Einstellungen und Mentalitäten in unserem kulturell schon sehr vielfältigen Europa. Und unter den Kriterien, die Sie da stellen, lassen sie sich schon gar nicht zusammenfassen! Gute Nacht.

  • In Europa gibt es 2 Mentalitäten. Die einen arbeiten gewissenhaft, haben Disziplin und bezahlen die Schulden, um eine Zukunft aufzubauen.
    Die anderen sehen nur kurz vor ihre Nasen, leben auf Pump über ihre Verhältnisse und fürchten,morgen würden sie sterben. Die Zukunft interessiert sie nicht. Sie wollen aber,dass die anderen ihnen helfen.
    Die korrupten EU-politiker sind noch auf ihrer Seite, um das Kartenhaus EURO sowie die Banken zu retten.

  • Ja, ja...das Fussvolk wäre gut beraten was dagegen zu unternehmen. Heute war schon der paneuropäische Protesttag, aber es sieht so aus, dass die Deutschen sich nicht zutrauen was gegen die korrupten Machenschaften in Berlin zu tun. Und diese EHEC-Bakterien belasten noch zusätzlich die Darmflora :-)

  • Was hatte ich zum "Geheimtreffen" geschrieben: Die "versuchen eine Billion zum Weitermachen zusammanzukratzen".
    Wann kommen die Steuerzahler endlich und hängen die ganze EURO-Bande auf? (Angst des Herrn Sanio) Etwas anders scheint nicht zu helfen, um zu einer erträglichen Realität zurückzukehren.

  • Kurz zusammengefasst: Wohlstand ist schön, lukrative Geschäfte genüsslich, aber wirkliche Freude kann nur aufkommen, wenn man die Vergänglichkeit des Habens und des Seins wahrnimmt. Noch kürzer: Die ersten 40 Milliarden Luft-Euros sind schon Pfutsch. LG aus Athen.

  • Verschwendete Überweisungen an finanzschwächere Länder, die ihre Schulden eventuell nicht zurückbezahlen können, könnte tatsächlich den Sozialstaat in den Abgrund bringen. Nicht aber Deutschland oder Griechenland oder die USA oder sonst eine waschechte Nation. Nämlich eine Nation ist viel mehr als das Bruttosozialprodukt oder sonst welche Perspektive auf Absicherung, Versicherung oder andere Sachwerte und Sachleistungen. Es ist nämlich eine Sache arm zu sein, und eine ganz andere armselig zu sein. LG aus Athen!

  • Es ist deswegen nicht erstaunlich, weil das Leben eben zu kurz ist, um sich zu viele Geldsorgen zu machen. Selbstverständlich ist es angebracht, darauf bedacht zu sein, dass das Sozialleistungssystem eventuell einbrechen wird, und darauf mental, finanziell und physisch möglichst gut vorbeireitet sein, aber die Zeit auf dieser Erde wäre wohl verschwendet, wenn man sich primär Sorgen machen würde, anstatt diesen aufregenden Zeitwandel zu geniessen und tatkräftig die Zukunft anzugehen.

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