Neue Front droht
Russland stellt Georgien Abchasien-Ultimatum

Beschwichtigung aus Moskau: Der russische Militäreinsatz in Südossetien steht laut Präsident Medwedjew kurz vor dem Abschluss. Auch Georgien vermeldet einen Waffenstilltand. Doch Beobachter gehen davon aus, dass der Kreml die Gelegenheit nutzen will – und sich nun Abchasien vornimmt. Dazu passt ein neues Ultimatum der Russen.

HB TIFLIS/MOSKAU. Der Konflikt zwischen Russland und Georgien droht auf die Provinz Abchasien überzugreifen. Russland zieht Fallschirmjäger und Panzer zusammen – und stellt ein Ultimatum. Ein russischer General forderte die georgischen Truppen am Rande von Abchasien nach Angaben aus Tiflis ultimativ zur Niederlegung ihrer Waffen auf. Andernfalls würden russische Soldaten auf georgisches Territorium vordringen, warnte General Sergej Tschaban nach Darstellung des georgischen Sicherheitsratschefs Alexander Lomaia.

Tschaban ist der Kommandeur der russischen Friedenstruppe in Abchasien. Dort hatte sich am Wochenende nach den schweren Kämpfen in Südossetien eine zweite Front aufgetan.

Abchasien hatte sich - ebenso wie Südossetien - nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der Staatsgründung Georgiens 1992 für unabhängig erklärt. Beide Regionen werden von Russland unterstützt, international aber nicht anerkannt.

Die Regierung von Abchasien hatte am Sonntag eine militärische Mobilmachung verfügt. Ziel sei es, die georgischen Soldaten aus dem nördlichen Kodori-Tal zu vertreiben, sagte Präsident Sergej Bagapsch. Dies ist der einzige Gebietsteil Abchasiens, der noch von Georgien verwaltet wird.

Die Mobilmachung war eine Reaktion auf die militärische Eskalation in Südossetien. Bereits am Samstag hatte Abchasien eine Offensive gegen die georgischen Truppen gestartet und auf einen Freundschaftsvertrag mit Südossetien verwiesen.

Die georgische Regierung warf Russland vor, eine Invasion und die Besatzung des gesamten Georgiens zu planen. Was nun geschehe, sei „der schlimmste Alptraum“ für sein Land, sagte Präsident Michail Saakaschwili. Zehntausende Georgier seien inzwischen auf der Flucht.

Georgien unterschreibt eine Waffenstillstandsvereinbarung

Saakaschwili hat nach eigenen Angaben in Anwesenheit der Außenminister Frankreichs und Finnlands eine Waffenstillstandsvereinbarung unterschrieben. Bernard Kouchner und Alexander Stubb hielten sich am Montag in Tiflis auf, um in dem Konflikt zwischen Georgien und Russland über die abtrünnigen georgischen Regionen Südossetien und Abchasien zu vermitteln.

Die russischen Streitkräfte erklärten derweil, Moskau hege keinerlei Absicht, mit seinen Truppen nach Georgien vorzurücken. Die russischen Friedenstruppen in den Regionen Südossetien und Abchasien blieben zum Schutz der dortigen russischen Bevölkerung jedoch in Stellung.

Die russische Luftwaffe setzte nach georgischen Regierungsangaben ihre Angriffe auf militärische Ziele am Stadtrand von Tiflis fort. Kampfflugzeuge hätten am frühen Morgen „mindestens zwei Bomben“ auf eine Militärbasis in dem zehn Kilometer von Tiflis entfernten Dorf Kodschori sowie auf ein Luftkontrollzentrum in einem Vorort der georgischen Hauptstadt abgeworfen, sagte der Sprecher des georgischen Innenministeriums, Schota Utjaschwili.

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