Neue Fronten in Libyen
Gaddafi-Truppen greifen Weltkulturerbe an

Im zähen Ringen um die Oberhand in Libyen entstehen den Rebellen zufolge neue Fronten. Die Truppen Gaddafis griffen demnach die Weltkulturerbe-Stadt Gadamis an. Indes bietet die Türkei dem Machthaber einen Ausweg an.
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Benghasi/IstanbulErstmals seit Beginn des Kriegs in dem nordafrikanischen Wüstenstaat nahmen Soldaten von Machthaber Muammar Gaddafi demnach die zum Unesco-Weltkulturerbe gehörende Stadt Gadamis unter Beschuss. Gaddafis Soldaten übten Vergeltung für jüngste Proteste in der Oase an der Grenze zwischen Libyen und Algerien, sagte ein Rebellensprecher am Freitag. Auch in der von der Regierung gehaltenen Mittelmeerstadt Slitan seien Kämpfe ausgebrochen, was den Gaddafi-Gegnern einen Zugang zur Hauptstadt über die Küste eröffnen könnte. Slitan liegt zwischen Tripolis und der Rebellenhochburg Misrata.

Ein Rebellensprecher in Benghasi sagte, um Slitan werde seit Donnerstag gekämpft. Gaddafis Soldaten hätten 22 Aufständische getötet. Die Rebellen hätten aber bereits einen Teil der Stadt unter ihre Kontrolle gebracht. Slitan ist eine von drei Städten zwischen der Rebellenstadt Misrata und der Hauptstadt Tripolis, die in der Hand von Gaddafi-Anhängern sind. Sollten die Rebellen Slitan erobern, könnten sich der Aufstand von dort weiter in Richtung Tripolis ausbreiten.

Für die Berichte über Kämpfe in Gadamis und Slitan gab es zunächst keine weitere Bestätigung. Die Regierung Gaddafis äußerte sich vorerst nicht dazu. Die Nato griff dem libyschen Staatsfernsehen zufolge erneut Tripolis an, während im Bündnis Differenzen zwischen den USA und Europa offenbar wurden. US-Außenminister Robert Gates warf den Bündnispartnern in scharfen Worten mangelndes Engagement vor.

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat dem libyschen Machthaber Muammar al-Gaddafi indes eine Brücke gebaut. Die Türkei könne die Ausreise Gaddafis an einen Ort seiner Wahl organisieren und dies mit ihren Verbündeten regeln, zitierten türkische Medien Erdogan am Samstag.

„Gaddafi hat keine andere Wahl als sein Land zuverlassen“, sagte Erdogan demnach. Allerdings sei der libysche Machthaber bisher auf keine Angebote eingegangen. Erdogan hatte Gaddafi immer wieder zu einer friedlichen Lösung in dem Konflikt mit Aufständischen aufgefordert und in den vergangenen Monaten mehrfach mit ihm telefoniert. Details zu seinem Vorschlag nannte Erdogan aber nicht.

 

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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