Neue Frontlage in EU Geringe Sympathien und neues Selbstvertrauen

Die Griechenland-Krise offenbart nicht nur das Krisenmanagement der Euro-Länder. Sie zeigt auch, wie sich die Gewichte in der EU verschoben haben. Die Länder in Nord- und Osteuropa haben an Selbstvertrauen gewonnen.
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Immer weniger EU-Staaten zeigen Verständnis für Griechenland, vor allem die Länder, die schon harte Reformen haben beschreiten müssen. Auch gewinnen osteuropäische Länder an Selbstbewußtsein. Quelle: dpa
Griechische und Europa-Fahne

Immer weniger EU-Staaten zeigen Verständnis für Griechenland, vor allem die Länder, die schon harte Reformen haben beschreiten müssen. Auch gewinnen osteuropäische Länder an Selbstbewußtsein.

(Foto: dpa)

BerlinSeit Jahren hat die CSU die Forderung nach einer Stimmrechtsgewichtung in der Europäischen Zentralbank wie ein Mantra vor sich her getragen: Statt der Stimmengleichheit von kleinen und großen Euro-Staaten müsse Deutschland mehr Einfluss haben, weil es für mehr Geld hafte. Hintergrund war das Gefühl, dass die "Südachse" aus Frankreich, Spanien, Portugal, Italien und Griechenland im Verbund mit Belgien oder Irland mutmaßlich ihre Linie im EZB-Rat durchdrücken konnte. Umso erstaunlicher ist die neue Frontlage in der Griechenland-Krise. Denn der Euro-Sondergipfel am Dienstag hat gezeigt, dass plötzlich das Lager der Haushaltssanierer die Oberhand in der Debatte hat - und Deutschland sich in einer Mittellage unter den 19 Euro-Mitgliedern wiederfindet. Die größte Härte gegen Griechenlands Linksaußen-Regierung kam aus Nord- und Osteuropa.

Früher hatten sich die kleinen Länder und selbst die Niederlande oder Finnland gerne hinter Deutschland versteckt. Die großen Schlachten um die Euro-Rettungspakete wurden zwischen Berlin und Paris geschlagen. Aber seit einigen Wochen ist das anders: Vor wichtigen Euro-Treffen kommen die härtesten Äußerungen von den Nord- und Osteuropäern. Als etwa der slowakische Finanzminister Peter Kazimir vor wenigen Tagen in Brüssel gefragt wurde, was er vom Auftritt des damaligen griechischen Finanzministers Yanis Varoufakis erwarte, antwortete er spöttisch: "Was schon? Dasselbe wie immer - Belehrungen."

Ein Grund für das veränderte Verhalten ist, dass die griechische Regierung die Nerven der Partner strapaziert. Selbst Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi flehte am Dienstag, das möge der letzte Sondergipfel gewesen sein - nun steht aber schon am Sonntag das nächste Treffen in Brüssel ins Haus. Die dauernden Krisentreffen wegen der Finanzprobleme eines Zehn-Millionen-Volkes sorgen für Verärgerung in der ganzen Euro-Zone. Aber gerade die Osteuropäer fühlen sich provoziert: Wenn Ministerpräsident Alexis Tsipras von der "Würde" redet, die durch eine Einmischung der Euro-Partner mit Füßen getreten werde, geraten etwa Balten oder Slowaken in Wallung. Sie haben Reformprogramme hinter sich, die der Bevölkerung harte Einsparungen zugemutet haben. Und von Athen aus über das Wesen der Demokratie belehrt zu werden, ist für diejenigen Völker schwer zu ertragen, die sich ihre Freiheit aus der Sowjetunion erkämpft haben.

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